Mightiest - Sinis Terra

Review

MIGHTIEST gehören jener seltenen (aber gar nicht mal so selten wie man denken würde) Spezies an, die seit über 20 Jahren irgendwie aktiv sind, bis auf wenige Demos und EPs aber nie etwas herausgebracht hat. Gewöhnlich ist der Stil von Bands dieser Gattung dann aus einer Epoche, die gefühlte Jahrhunderte in der Vergangenheit liegt. Was MIGHTIEST und ihr Debüt(!)album „Sinis Terra“ von den meisten anderen Vertretern unterscheidet, ist, dass ihr Stil so aus der Mode und trotzdem so spannend ist, dass er wie eine frische Brise durch die hiesige Welt mit Genreschubladen, die sich kein Schwanz merken kann, weht.

Ja, „Sinis Terra“ ist irgendwie altbacken, teilweise schrullig, aber genau deshalb so anziehend. Einerseits, weil MIGHTIEST zu jenen Szeneurgesteinen gehören dürften, die von sich behaupten können, in den Anfangstagen dabei gewesen zu sein, andererseits, weil es ihnen gelingt, ihren Stil mit einer zeitgemäßen Produktion auch ins Hier und Jetzt zu transportieren – ohne dabei auch nur einen Hauch des archaischen Charmes einzubüßen. Heruntergebrochen ließe sich „Sinis Terra“ als Früh-90er-Black-Metal-Veröffentlichung beschreiben, die zwar nach Norwegen schielt, sich aber durchaus in eigenen Sphären bewegt.

Keyboards, schroffe Riffs, peitschendes Schlagzeug und geschickte Tempovariationen sowie eine Fülle an Melodien prägen „Sinis Terra“ über die gesamte Spielzeit. Das macht der Auftakt in Form des starken „Devour The Sun“ ebenso klar wie das Titelstück „Sinis Terra“, das obendrein den etwas kauzig-schiefen Halbklargesang ins Klangbild von MIGHTIEST einführt, der definitiv in die Kategorie „muss einem Gefallen“ gehört. Das gilt auch für „Oceanic Empire“, das fulminant mit gewaltigen Gitarren und munter verspielten Keyboards glänzt und so abwechslungsreich komponiert ist, dass der Spannungsbogen nicht den Hauch eines Risses aufweist.

Zugegeben, ich habe mich anfangs sehr schwer getan, in „Sinis Terra“ hineinzufinden. Als es dann aber „klickte“, hat sich eine Welt voller Überraschungen und einem ungemein anziehen Old-School-Flair entwickelt. Beinahe so, als würde man spontan in ein Antiquariat hineinstolpern und sich erst zwischen all den alten, aber spannenden Sachen zurechtfinden. Wer nicht ob der gewaltigen Staubschichten verschreckt die Tür hinter sich zuknallt und reiß ausnimmt, der wird Spannendes erleben.

MIGHTIEST haben es geschafft, den Flair der frühen 90er zu konservieren und im Jahr 2016 auf CD zu pressen, ohne dabei heutige Möglichkeiten bei der Produktion auszulassen. Trotz ihrer Kratzigkeit ist „Sinis Terra“ sehr differenziert und detailorientiert ausgefallen. Fragt sich, ob die Jugend von heute damit noch was anfangen kann – aber ich bin mir sicher, wer „Sinis Terra“ zwei bis drei Durchläufe gibt, wird feststellen, welch kraftvolles Machtwerk, wenn auch mit kleinen Längen, MIGHTIEST geschaffen haben – wie ein gutes Buch eben, bei dem manche Zeilen auch zweimal gelesen werden müssen, bis sie verständlich werden.

27.02.2016

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