Mightiest - Bloodyssey 1994-2003

Review

Das Leben ist manchmal schon arg ungerecht. In der Mitte der 90er Jahre formierte sich im Süden Deutschlands eine junge Band namens MIGHTIEST. Angespornt von ihrer Liebe zum Black Metal wollte sie ihren musikalischen Ideen Ausdruck verleihen, ohne dabei aber die Wurzeln des Heavy Metal zu vergessen. Es wurde geprobt und man nahm die ersten Demos und EPs auf. Auf Grund der durchaus hohen Qualität konnte man Demo für Demo immer bessere Rezensionen vernehmen, die Presse und auch andere Bands zeigten sich begeistert, mit “Whatever Ground We May Roam“ spielte man sogar das Demo des Monats in einer großen Metalpostille ein.

Und was passiert heutzutage wenn man den durchschnittlichen Black-Metal-Fan nach MIGHTIEST fragt? Im besten Falle wird er sagen, er habe den Namen schon einmal gehört. Eine Schande ist das, wenn man einmal bedenkt, was für miese Bands seitdem die großen Stücke vom Kuchen abbekommen haben, während Perlen wie MIGHTIEST fast noch unter Undergroundstatus blieben. Doch hier lässt sich der wahre Idealist, der Musikfanatiker erkennen, der die Musik eben tatsächlich noch für sich macht und diese Phrase nicht nur bringt, um seine hässliche Visage in einem Mag zu sehen. Und sowas ist etwas, was ich persönlich über alle Maßen schätze und respektiere, selbst wenn mir die Musik der Herren nicht zusagen würde.

Ich entdeckte die Band erstmals in einem Ablazeinterview, wohl so Ende des 20./ Anfang des 21. Jahrhunderts, ihr Demo gefiel mir und dennoch, so muss ich zu meiner Schande gestehen, habe ich die Gruppe wieder aus den Augen verloren. Sie veröffentlichen weiterhin Musik, doch irgendwie drangen sie nie wieder an mein Ohr. Bis heute, denn heute wird abgerechnet! “Bloodyssey 1994-2003″ enthält alle bis dahin veröffentlichten Werke der Band und bietet somit einen guten Überblick über das Schaffen von MIGHTIEST. Um ein allzu großes Chaos zu vermeiden, werde ich nun einmal im Einzelnen auf die Veröffentlichungen eingehen.

Los geht es mit besagtem Demo des Monats, welches, suprise surprise, den besten Sound hat, zumindest in den Augen eines Soundfanatikers. Opener dieser Promo CD ist “Bloodyssey“, welcher in seinem opulenten Aufbau schon sehr repräsentativ für MIGHTIEST ist. Die Gitarren zeigen hin und wieder den schon erwähnten traditionellen Heavy-Metal-Einfluss, sorgen mit wiederum fiesen Riffs aber auch für die nötige Portion Härte. Gesanglich gibt sich die Band sehr variabel, es wird gekreischt, gesprochen, in weiteren Songs auch ab und an mal gegrunzt. Insgesamt präsentieren sich die Stücke auf dieser CD, nicht zuletzt durch die interessante Keyboarduntermalung, als recht sperrig. Doch wird der geduldige Hörer nach mehrfachem Genuss mit einigen schönen und melodischen Black-Metal-Stücken belohnt, die, trotz dieser musikalischen Ausrichtung, nicht nach Norwegen klingen, wie es im Melodic-Black-Metal so oft der Fall ist. Zum Abschluss gibt es noch ein feines SODOM Cover, ich kann die Herren vom Rock Hard also durchaus für ihre Wahl verstehen.

Den zweiten Teil der ersten CD bildet dann das erste Demo der Herren, namentlich “The Recreation Of The Shadowlands“ und als Freund des so genannten Rumpelsounds, ist dieses Demo mein klarer Favorit. Es geht einfach nichts über sägende Gitarren, einen Schlagzeugsound, bei dem man fast nur die Becken hört und Gesang, der besonders durch den Hall einfach abgrundtief böse ist. Viele Bands versuchen auch heute noch so einen Sound zu kreieren, doch meiner Meinung nach ist das einfach nicht möglich und auch nicht notwendig, denn dieses Gefühl, das man beim Hören von Werken wie “The Recreation Of The Shadowlands“ hat, kann man heute einfach nicht mehr erzeugen. Spielerisch sind MIGHTIEST auf diesem Demo natürlich noch mehrere Klassen von dem Material auf der 2003er Veröffentlichung entfernt und dennoch merkt man, dass die Jungs bereits damals eine Vision hatten, nur fehlte noch ein wenig die Fähigkeit dies umzusetzen. Doch genau das macht dann auch das Feeling von Stücken wie “Lord Of Darkness“ oder “My Time To Come“ aus. Ich kann einfach nicht anders, ich liebe diesen Sound, ich liebe diese rumpeligen Arrangements, das ist einfach wahrer Black Metal. Punkt!

Die zweite CD beinhaltet dann das gesamte Demo “Eden’s Fall“, Teile dieses Demo wurden auch für die ebenfalls 1999 erschienene Promo LP verwendet. Grob gesagt liegt dieses Demo stilistisch, wie sollte es auch anders sein, zwischen den beiden eben beschriebenen Veröffentlichungen. Die Songstrukturen wurden durch den sauberen Klang natürlich nachvollziehbarer und so konnte man auch das gewachsene spielerische Potenzial der Burschen erkennen. Die Stücke zeigen sich nun schon wesentlich variabler und auch der auf “Whatever Ground We May Roam“ entdeckte vertrackte Songaufbau kommt hier schon stärker zum Vorschein. Das Riffing in Songs wie “Supernova“ zeigt zudem eine leichte Hinwendung zum Death Metal, der der Band aber durchaus gut zu Gesicht steht. Durch den nun etwas höheren Gesang und den eben erwähnten Songaufbau lassen sich leichte Parallelen zu EMPEROR ziehen, natürlich trägt die Arbeit der Keys auch dazu bei. Insgesamt lässt sich auch auf “Eden`s Fall“ keine wirkliche Schwachstelle finden, wenngleich ich dennoch das erste Demo den beiden anderen Veröffentlichungen vorziehe.

Gerade nach dem Genuss dieser Doppel CD ist es für mich umso unverständlicher, dass die Band nie den Sprung in eine größere Anzahl von Köpfen geschafft hat. Die Stücke sind kompositorisch und atmosphärisch weit über dem Durchschnitt, doch leider gibt es ja oft Bands, die etwas Besonderes fabrizieren und dann dennoch untergehen. Normalerweise gebe ich bei Best Ofs/Compilations eigentlich keine Punkte, doch im Falle von MIGHTIEST möchte ich mal eine Ausnahme machen. Nicht nur, dass mir die Band auf Grund ihrer Geschichte sehr sympathisch ist, besonders ihr musikalisches Schaffen über nunmehr 14 Jahre hinweg ist mehr als beachtlich. Wer also einmal die musikalische Entwicklung einer viel zu kurz gekommenen deutschen Black-Metal-Band für sich entdecken möchte, der kommt an dieser Doppel CD nicht vorbei! Schlagt zu, ich hoffe derweil, dass der Band nun endlich die Aufmerksamkeit zukommt, die sie verdient!

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14.05.2008

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