Ne Obliviscaris - The Aurora Veil

Review

Wenn ich das letzte Demo nennen sollte, das mich richtig aus den Socken gehauen hat, dann müsste ich einige Jahre zurückblicken. Sicher, gute oder gar sehr gute Eigenveröffentlichungen gibt es immer wieder. Doch der für mich letzte richtige Kracher ist „Kill For Inner Peace“, mittlerweile über zehn Jahre alt und immer noch innig geliebt, auch wenn die Band es vor ein paar Jahren mit ihrem zweiten Album endlich geschafft hat, den selbst gesetzten Massstäben gerecht zu werden. Damit sind BLOT MINE zumindest besser dran als PERISHED, die dem genialen „Through The Black Mist“ fast zehn Jahre erfolglos hinterher liefen, nur um letztendlich die Flinte ins Korn zu werfen.

Natürlich ist es reiner Egoismus, NE OBLIVISCARIS nicht das Schicksal der Norweger zu wünschen. Schliesslich ist „The Aurora Veil“ ein geradezu monströses Demo, das für die Zukunft Dinge verspricht, die mit Worten nicht zu fassen sind. Sollten die Australier jemals in der Lage sein, dieses Versprechen einzulösen, werde ich mir neue Superlative einfallen lassen müssen – alle verfügbaren werden nämlich in den folgenden Zeilen verschossen.

„Tapestry Of The Starless Abstract“ beginnt rasant schwarzmetallisch; auf „Anthems…“ wären diese anderthalb Minuten nicht negativ aufgefallen. Ein Auftakt nach Mass also, könnte man meinen, doch im NeO-Universum bestenfalls ein bisschen Vorspiel, das der Truppe leicht von der Hand geht. Ein kräftiges BM-Fundament kann man der Musik zwar auch im weiteren Verlauf nicht absprechen, aber auf dieser Grundlage passiert dermassen viel, dass selbst Kaiser Gefahr laufen, in Zukunft wie Provinzfürsten dazustehen. Da wäre etwa der wahnsinnige CYNIC-Bass, der sich immer wieder fingerbrecherisch in den Vordergrund spielt. Oder der klare Gesang, der der Musik Dramatik und Pathos im Stile von „La Masquerade Infernale“ verleiht (und der durch seine Bandbreite nicht nur Freunde finden wird). Aber vor allem ist da die Geige. NE OBLIVISCARIS bringen dieses Instrument auf ein Niveau, welches mir im (extremen) Metal bisher nicht untergekommen ist. Man verzichtet auf das häufig anzutreffende Folkgefiedel, und auch über das übliche „klassische“ Geschmachte geht Violinist Tim Charles weit hinaus. Jazz und Fusion zählt der gute Mann zu seinen Inspirationsquellen – und das hört man. Neben der ungewöhlichen stilistischen Ausrichtung der Geige ist es vor allem der Grad ihrer Integration, welcher NeO weit über andere Bands erhebt. Hier werden nicht nur ein paar Farbtupfer gesetzt, vielmehr übernimmt die Geige die Rolle einer zweiten, gleichberechtigten Leadgitarre.

Nun ist das alles natürlich nichts wert, wenn die Band keine ordentlichen Stücke schreiben kann. Glücklicherweise kann sie es aber. Und wie. Selbstverständlich passiert in den drei zehn-Minuten-Monstern unglaublich viel, aber NE OBLIVISCARIS verstehen es, alles sehr natürlich klingen zu lassen; auch Momente wilden Gefrickels bringen den Fluss der Lieder nicht ins Stocken. Und über einen Mangel an grandiosen, mal ekstatischen, mal herzzerreissenden Höhepunkten kann ich mich ebensowenig beklagen. Doch die zu finden, das kann ich getrost Euch überlassen. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass Ihr Euch das beste Demo (oder gar die beste Veröffentlichung überhaupt?) des noch jungen Jahrtausends nicht entgehen lassen werdet.

01.09.2007

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