Nerthus - The Crowned's Reunion

Review

NERTHUS aus dem Lande der ehemaligen Habsburger-Monarchie erfreuen uns in diesen Tagen mit ihrem vierten Werk „The Crowned’s Reunion“. „Scattered To The Four Wainds“ lief noch sehr gelungen im Fahrwasser solcher Bands wie THROES OF DAWN, LEGENDA oder DIMMU BORGIR, die letzte Veröffentlichung „Black Medieval Art“ enthielt mehr mittelalterliche Reigenmelodien, als Interludien zwischen den Songs plaziert. Die Maultrommel hielt Einzug; sie wurde das unverwechselbare Charakteristikum der Band, da oft und effektiv eingesetzt. Nun gibts also „The Crowned’s Reunion“; welchen Weg haben NERTHUS nun eingeschlagen, den paganen, den SUMMONING-artig-hymnischen oder gibts eine Rückbesinnung auf Schwarzwurzelebene?

„Introfernalis“ ist selbsterklärend, eine hallende Einführung, irgendwie an Richard Strauss‘ Alpensinfonie erinnernd. Ein folkloristisches Gitarren-Motiv, die NERTHUS-typisch blechern-klackernden Drums und die unverwüstliche Maultrommel bilden den Beginn des Openers „World Conflagration“. Gefauche und stilechte Growls wechseln sich ab, der Härtegrad hat im Vergleich zur letzten Scheibe deutlich zugenommen. Böser, gemeiner, fieser scheint die Devise. Dann überraschen uns wieder diese atmosphärischen Zwischenspiele ruhiger Art, die uns zunächst in Sicherheit wiegen. „Embattled“ stellt wieder ein Intermezzo auf instrumentaler Grundlage dar, stark an die Landsleute von SUMMONING erinnernd. „Selfmade Clone“ wirkt ähnlich wie „World Conflagration“: der König überträgt den Bogenschützen unter Quentin Durward den Auftrag, die aufsässigen schwarzen Schergen zur Strecke zu bringen. Die Grundmelodie des Interludiums „Mounted Horseback“ ist sehr bekannt, woher nur? Das anschliessende „The Shadowbrood“ wird in Midtempo vorgetragen, aggressiv, wild, melodisch dennoch. Hier stimmt wirklich alles: Melancholie, epische Momente, Folk, interessante instrumentale Passagen, schräge Gitarren. Einfach geil. Auch das Tempobreak. Die Überlänge der Tracks passt. Das erhält die Spannung.

Dann gibts eine Fanfare: „With Head Erect“. „Of Knightly Grace“ folgt, ein prägnantes Folkmotiv begleitet durch den stimmungsvollen Song, wir kennen diese Machart nun, und sie gefällt: denn heavy sind NERTHUS schon und immer ihrer Linie treu. Ähnlich TRIMONIUM kann man sie mit keiner anderen Band wirklich vergleichen; ein Umstand, der mir zusagt. Das Schlagwerk ist sehr in den Vordergrund gemischt, ein wenig computerlastig, aber das haben wir auch bei SUMMONING, und stört uns das? Nein. Das folgende „Awakening“ ist doch tatsächlich ein Song, kein Zwischenspiel, die Abwechslung „Track-Intro-Track-Intro-etc.“ wird hier unterbrochen. Sogar etwas moderneres Riffing wird aufgeboten, überraschend und passend. Mir ist es recht, denn solche Songs können nach und nach entdeckt werden; soviele Facetten kann man sich nicht bei zwei oder drei Umläufen merken. Die Keys steuern stets kunstvolle Verzierungen bei; diese eigenartigen Klänge mit den reigenhaften Refrains ergeben ein wirklich einzigartiges Gesamtbild.

„Intrepid Empie“ bietet uns das Zwischenspiel, auf das wir warten, fanfarenhaft, majestätisch, hymnisch. „Outrofernalis“ teilt sich in einen atmosphärisch-schwebenden Song mit narrativen Vocals, um dann nach der obligatorischen Ghosttrackpause in einen überraschend angesetzten harten Ausklang zu münden, ein folkloristisches Finale mit bösen Vocals, scratchenden Geräuschen und gemeinen Akkorden, an alte Norweger-Zeiten erinnernd. Furchteinflößende Stimmen albtraumhafter Natur bilden somit den Ausklang des Albums. Wem NERTHUS bisher gefiel, der wird auch an diesem sperrigeren Brocken seine dunkle Freude haben. Sie sind nach wie vor unverwechselbar, ein wenig skurril, dabei jedoch immer gradlinig, trotz der (wenigen) modernen Aspekte, die die bewährten Musikfacetten ergänzen. Ähnlich guter Kitsch wie ENSIFERUM. Gut gemacht, NERTHUS.

27.04.2007

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