Nocturnal Rites - Grand Illusion

Review

Peter hat Angst vor Frau K.! Seit die sich letztens in der S-Bahn neben ihn gesetzt und sogleich aus dem Nähkästchen geplaudert hat, war der Blumenkohl am Ohr nicht fern.
Und was sie ihm nicht alles erzählt hat, die Gute. Nun ja, dachte der Peter zunächst, dummerweise hab ich mir gar keine Zeitung gekauft, die Batterien von meinem Scheiß Walkman sind bald platt… hör ich der Alten halt zum Spaß mal zu.

Und was das Peterle zuerst als leichte Unterhaltung… oder sagen wir mal als Monolog über sich ergehen lassen musste, war zwar ein ganz netter Zeitvertreib… aber er war sich sicher, dass er sich davon nichts länger als ne Woche würde merken wollen. Als die Chose dann aber auch noch zunehmend langweiliger wurde (es interessierte Peter nicht die Bohne, dass Frau Meier gestern saure Nierchen gemacht hatte und das ganze Treppenhaus danach roch), entschied er dann doch, sich den Walkman zu schnappen, um sich die neue Nocturnal Rites reinzupfeifen. Frau K. merkte es eh nicht, dazu war sie zu sehr beschäftigt, das Neueste vom letzten Friseurtermin zu berichten.

Aber… wie geschah dem Peter? Die Band musste auch schon mal ne Weile S-Bahn mit Frau K. gefahren sein! Nach dem ersten Durchlauf (den gaben die Batterien noch problemlos her) war nach ner ganzen Dreiviertel Stunde so gar nix hängengeblieben! Genau so ein laues Lüftchen wie Frau K.s Geschnatter. Unverständlich, denn der Vorgänger „New World Messiah“ hatte eine ganze Reihe Hits zu bieten. Aber woran lag es?
Vielleicht hatten die Jungs vor den Aufnahmen auch saure Nierchen von Frau Meier bekommen? Spieltechnisch ist an der Platte doch nichts auszusetzen, produziert ist sie auch kräftig und druckvoll. Während sie läuft, macht sie ne Menge Spaß, dachte der Peter so bei sich, während Frau K. von ihrer neuen Küchenmaschine schwärmte, die sie bei QVC erstanden hatte… aber wenn die Batterien dann mal schwächelten und keine Mucke mehr aus dem Kopfhörer kam, wusste Peter schon gar nicht mehr, welchen Song er da gerade gehört hatte.

Lediglich „Cuts Like A Knife“ war ihm mit einem eindringlicheren Chorus und dem Naglfar Gekeife(!!!) einigermaßen im Ohr geblieben. Versteh’ ich nicht, brummte Peter und zog sich die Scheibe noch mal rein. Aber es wurde nicht besser… das 80er orientierte Material beweist zwar auch eine große Spielfreude, doch die Ohrwurmqualitäten, die der Vorgänger im Überfluss besaß, sind abhanden gekommen, sinnierte Peter weiter vor sich hin. Sicherlich sind immer noch ein paar gute Songs auf der Platte vorhanden, die auch länger vorhalten als ein BigMäc. So hätte z.B. das sehr traditionell ausgefallene „Never Ending“ oder das abschließende „Deliverance“ auch auf „New World Messiah“ stehen können.

Dennoch ist der größtenteils im Midtempo gehaltene Rest ohne wahre Höhen und Tiefen, ohne echte Hooklines, wird überdies stellenweise etwas eklig-zuckersüß („Still Alive“). Die granatenstarken Hymnen des Vorgängers fehlen leider. Ein Manko ist zudem die höchst ärgerliche Tatsache, dass der Fronter Jonny Lindqvist zwar über ein gar prächtiges Organ verfügt, mit dem er sich grundsätzlich hinter keinem Sänger aus dem Genre zu verstecken braucht, dieses aber niemals besonders abwechslungsreich einsetzt (in der Hinsicht könnte er noch was von einem Andy B. Franck oder einem Luke Easter lernen). So werden die Songs noch einförmiger, lassen nötige Variationen schmerzlich vermissen. Tja, dachte der Peter, die Scheibe hat bestimmt Frau K. versaut. Nachdem er dann endlich seine Haltestelle erreicht und Frau K. sich gerade auf einen neu hinzu gestiegenen Fahrgast eingeschossen hatte, konnte er sich daheim die Platte stundenlang anhören. Und sie machte immer noch ne Menge Spaß, doch immer wenn er den Saft abdrehte, musste er feststellen, dass nicht viel von der Mucke im Gedächtnis geblieben war.

Vielleicht ist Frau K. ja ne Hexe, die die Belanglosigkeit in ne CD hexen kann, dachte Peter plötzlich. Hatte sie sich nicht neulich nen Besen bei RTLshop gekauft? Er erinnerte sich nicht mehr…

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27.10.2005

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4 Kommentare zu Nocturnal Rites - Grand Illusion

  1. thedude sagt:

    So wie das aussieht, hat der Peter wohl doch das Gesülze von Frau K. zu lange auf sich einwirken lassen. So wurde er Opfer der zwangsläufigen Folgen in Form von schleichender Cerebrolyse und flatternder Verbaldiarrhoe, die sich nun in Form dieses leicht dementen reviews äußerte. Bleibt zu hoffen, dass diese Art von Infektion nicht auch auf den Leser übergreift. Da aber das Erscheinungsdatum jener CD zum Glück schon etwas länger zurückliegt und der geneigte Hörer sich inzwischen unbeeinflusst vom Peter ein vernünftiges Urteil gebildet hat, kann man davon ausgehen, dass Peters Erkrankung für den Rest der Menschheit ohne Folgen geblieben ist. So mag dem Peter sein in keiner Weise nachvollziehbares Urteil über eine richtige Hammerscheibe verzeihen sein, er wurde von Frau K. um den Verstand gebracht. Oder war er vorher in China und hat Huhn gegessen?

    8/10
  2. audaron sagt:

    Hey, Dude ! Ich habe gerade aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, dass Peter eigentlich gar nicht Peter heißt …

    7/10
  3. Anonymous sagt:

    Der Peter wird selber nicht mehr wissen, wie er heisst, das dürfte auch auf Frau Kasupke zurückzuführen sein! Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Peter in Wirklichkeit Rumpelstilzchen heisst und uns allen nur ein Märchen erzählt hat, das würde alles erklären.
    Warum er das nicht auf der Seite der Deutschen Märchenfreunde getan hat, dürfte sein Geheimnis bleiben. Man wird dem Peter empfehlen müssen, Walkman, Beförderungsmittel und konsumierte Generika auszutauschen, dann dürfte er wieder den vollen Durchblick haben und man möchte ihm zur Wiederauferstehung ein fröhliches "errare humanum est!" zurufen.

    5/10
  4. audaron sagt:

    Peter meint, dass es echt nicht lustiger geworden ist …

    5/10