Noneuclid - The Crawling Chaos

Review

Black Metal und experimenteller Ambient, das kennt man ja zur Genüge. Weniger erprobt ist dagegen eine experimentelle Herangehensweise an Thrash/Death Metal: Orchester, Orientalisches oder gar Instrumente der Marke Eigenbau kombiniert mit den härteren Gefilden des Metal. Ein aktuelles Beispiel für solcherlei Wagnisse liefern uns NONEUCLID, für dessen Führung übrigens Morean (DARK FORTRESS) verantwortlich zeichnet, tatkräftig von weiteren Mitgliedern von DARK FORTRESS und anderen unterstützt, mit „The Crawling Chaos“. NONEUCLID ist natürlich eine Anspielung auf den Mathematiker Euklid aus der griechischen Antike, dessen Definition von Realität hier überschritten werden soll.

„The Crawling Chaos“ beschäftigt sich als Konzeptalbum mit dem Untergang unseres gesamten Universums, natürlich durch niemand Geringeres als göttliche Wesen von jenseits unseres Kosmos‘ – volles Programm eben, aber zu keiner Zeit sonderlich spektakulär. Für die Lyrik war der Amerikander Andrew Hughes zuständig, der zentrale Zitate durch Querverweise zwischen den Liedern hervorhebt.
Musikalisch dagegen nimmt sich NONEUCLID schon ein wenig anspruchsvoller aus. Das erste Stück „Worm“ kommt noch in ziemlich traditionellem Thrash-Gewand daher, doch mit „The Digital Diaspora“ schleichen sich erste unkonventionelle Noten ein.
Diese knüpfen jedoch weniger an die groß angekündigten experimentellen Instrumente oder sonstiges Stilfremdes an, sondern werden hauptsächlich von unterschwellig unbequemen Harmonien, schwadronierenden Gitarren und unfokussierten Strukturen getragen. Man stelle sich also gewissermaßen vor, aus Thrash- oder Death-Metal-Riffs ein Ambientstück zu basteln: Stets mit erkennbarem Ursprung, aber eher dem Stimmungsaufbau als nur dem Geknüppel behilflich. Soweit also der Ansatz, der im Großen und Ganzen auch solide ausgearbeitet wurde. Zu Beginn erscheint die Verknüpfung von Metal und experimentellem Ambient, Flamencogitarren, orientalischen Melodien und Ähnlichem noch reichlich unbeholfen und zerfahren. So richtig will „The Crawling Chaos“ also nicht zünden, zumal NONEUCLID sich auch mit richtig eingängigen Riffs zurückgehalten haben. Mit der Zeit aber verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden Polen, die man zuvor noch wie selbstverständlich getrennt hat; und langsam versteht man „The Crawling Chaos“ als Ganzes, dessen Stimmung sich bis zu der rein instrumentalen, fast rituellen Anrufung „Xenoglossy“ verdichtet, um in „Murder of Worlds“ zu kulminieren.

NONEUCLID haben mit „The Crawling Chaos“ sicher einen großen Schritt in die Richtung dessen getan, was ihnen oder vielleicht auch nur speziell Morean vorschwebt. Dennoch sollte man auch die Metal-Anteile nicht vernachlässigen und genau dort droht der Platte das Mittelmaß: So richtig vermögen die Riffs noch nicht zu fesseln; vielleicht wäre es ja doch nicht schlecht, die Gitarrenarbeit zwingender und weniger beliebig zu gestalten, zumal der Gesang ein wenig schwachbrüstig daherkommt. Im Großen und Ganzen sollte sich aber jeder, den die außergewöhnliche Mischung nur irgendwie anspricht, „The Crawling Chaos“ anhören.

25.02.2008

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