Periphery - Periphery III: Select Difficulty

Review

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PERIPHERY sind so progressiv, dass sie sogar ein bisschen anders zählen: Mit „Periphery III: Select Difficulty“ liegt jetzt das – je nachdem, wie man das Doppelalbum „Juggernaut Alpha & Omega“ werten möchte – vierte oder fünfte full-length Studioalbum des Sechsers aus Washington D.C. vor. Auch die Nummerierung der Bandmitglieder gibt es ab sofort mit einem Twist, denn Basser und Produzent Adam „Nolly“ Getgood bleibt zwar offiziell dabei, wird jedoch nicht weiter mit den Jungs auf Tour gehen. Als Grund wird angeführt, dass Nolly im Vereinigten Königreich schwerpunktmäßig seiner Arbeit als Produzent nachgehen will. Die offizielle Nominierung eines Tourbassisten steht derzeit noch aus.

Machen es den Fans nicht leicht

Wandel und Umbruch stehen PERIPHERY bekanntlich ganz gut, jedenfalls hat sich die Band von „Periphery“ zu „Periphery II“ einst konsequent weiterentwickelt und dann mit ihrem Progressions-Exkurs „Juggernaut“ in meinen Ohren ein Meisterwerk vorgelegt, an das sich nun mit „Periphery III“ die stilistische Fortführung der ersten beiden Alben anschließen soll. Und tatsächlich tragen die Djent-Pioniere keine Neuauflage vergangener Werke vor und tatsächlich trauen sie sich erneut mit ihrem Mix aus melodischem Klargesang, der typischen Polyrhythmik und tiefen, abgedämpften Vielsaitern in Gefilde, in denen die Metal-Szene nicht unbedingt jubelnd Beistand leistet.

Leicht machen sie es Fans mit dem neuesten Werk dabei ganz sicher nicht: „Periphery III: Select Difficulty“ trägt einen passenden Titel, denn tatsächlich wirkt das Album näher an „Periphery II“, als an „Juggernaut“. Gleichzeitig ist der Pop-Faktor noch höher, als auf dem Doppel-Album, mit einem bisweilen übermächtigen Early Zeroes-Sound, der mich zwischendurch an die LOST PROPHETS, THURSDAY oder – in diesem Kontext doch bitte nicht!- LINKIN PARK denken ließ. Beibehalten wurde dabei gottseidank das „It grows on you“-Konzept. Einmal Hören zählt nicht und bei der zweiten Rotation zeigen sich gleich ein paar mehr akustische und stilistische Tiefen auf.

Startet mit einem Knall, spielt mit Streicherklängen

Der Start mit „The Price Is Wrong“ knallt ungewohnt direkt und hart aus den Boxen. Dieses Mal gibt es also kein Herantasten über ein ausgefeiltes Intro, sondern direkt die volle Lautstärke. Warum ausgerechnet dieser Titel zur ersten Single erkoren wurde, erschließt sich mir indes nicht, denn der Opener klingt generisch, zwar nach PERIPHERY, aber gleichzeitig auch nach Core von der Stange, wie ihn eine ganze Kaufhausabteilung hagerer Jungs Anfang 20 vortragen könnte. Dabei lauert mit „Motormouth“ doch direkt dahinter pures Gold! Wer den lautmalerischen Begriff mag, darf das hier so richtig schön „d-djenty“ finden und Sänger Spencer Sotelo fährt zu stilvariater Höchstform auf, in der uns von Keifen und Knurren bis zu kraftvoll vorgetragenem Klargesang alles top-notch geboten wird. Wer nicht direkt noch einmal von vorne anfängt, bleibt an „Marigold“ hängen, das das wohl markanteste Stilelement von „Periphery III“ einführt: Symphonische Synth-Klänge fahren den Track hoch und werden in der Folge immer wieder um die Ecke biegen. Danach geht es überwiegend melodisch-rockig, manchmal core-ig weiter und ich zucke den Titel zunächst als „zu poppig“ weg, bleibe aber immer wieder daran hängen. „Marigold“ ist eine unerwartet komplexe Hymne mit Suchtfaktor und – Scheuklappen ab – mein allerliebster Anspieltipp auf „Select Difficulty“. Wer auf der Suche nach mehr Härte ist, sollte „Habitual Line Stepper“ anhören, das brachialen Rumms mit symphonischen Parts, packender Gitarrenarbeit und zahlreichen Wendungen kombiniert. „Absolomb“ könnte zwar auch aus dem Jahr 2001 stammen, trifft aber melodisch den Nerv und begeistert mit einem prog-rockigen Gitarrensolo, mehr stimmiger Synth-Geige und einem wunderbaren Piano-Synth-Outro, während der letzte Track „Lune“ mich allenfalls mit dem TOOLigen Intro anspricht und der Rest auch bei mehrmaligem Anhören eindruckslos durch die Gehörgänge rieselt.

Roter Faden und Ohrwürmer – eine klare Empfehlung

PERIPHERY legen mit „Select Difficulty“ ein Album vor, das bei mehr als einstündiger Spielzeit durch hohe Abwechslung glänzt. Kein Song klingt nur nach der Wiederholung eines anderen – aber nicht jeder wird unbedingt gebraucht. „Flatline“ und „Remain Indoors“ kann ich auch auf Dauer nichts abgewinnen und der Mitsingfaktor des Albums macht „Periphery III“ leider auch kurzlebiger, als die Vorgänger. Eingefleischte Fans von „Juggernaut“ werden die Rotation zurück zum eher ursprünglichen PERIPHERY-Stil wohl nicht so mögen, während Jünger von „P“ und „PII“ hier den Mut zum Experiment, der anteilig durch mehr Zugänglichkeit ersetzt wurde (als müssten sich beide gegenseitig ausschließen!), vermissen dürften. „Periphery III“ glänzt indes durch einen roten Faden, der die unterschiedlichen Songs – anders, als z.B. auf dem Debütalbum – meisterlich zusammenhält. Die orchestralen Synth-Einspielungen tun der Platte ebenso gut, wie das virtuose Spiel mit Ruhe und elektronischen Elementen. Und dass PERIPHERY grandiose Gitarrenarbeit leisten, muss nicht noch einmal geschrieben werden.

Mit dem Endergebnis musste ich erst warm werden und auch nach zahlreichen Durchläufen tue ich mich mit einer Bewertung schwer. Und das spricht letztendlich für das neue Album einer Band, die sich immer wieder neu erfindet und trotzdem selbst treu bleibt. PERIPHERY legen nicht ihr eigenes Meisterstück vor, aber eine absolut empfehlenswerte Platte, die mit Kopfhörern und Zeit zum Mehrfachhören genossen werden will.

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24.07.2016

"forty-two"

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2 Kommentare zu Periphery - Periphery III: Select Difficulty

  1. Nylonathatep sagt:

    Bin ich der Einzige, der beim hören von „The Price Is Wrong“ direkt an alte Slipknot denken musste?

  2. nili68 sagt:

    Der Vorgänger Juggernaut (Alpha/Omega) war ’ne glatte 10, aber das hier ist unwesentlich „schlechter“ und kann vorbehaltlos empfohlen werden, wenn man drauf steht.

    9/10