Ragnarok - Psychopathology

Review

Galerie mit 17 Bildern: Ragnarok - Tons Of Rock Festival 2018

Seit über 20 Jahren malträtieren RAGNAROK die religiös veranlagten Seelen inzwischen mit ihrer Musik. Logisch, dass sich innerhalb solch einer Zeitspanne auch bei hartgesottenen Black-Metal-Bands Veränderungen einstellen. Der Pagan-Einschlag, beispielsweise auf dem Debüt „Nattferd“ deutlich zu hören, wurde im Laufe der Veröffentlichungen durch mehr Brutalität ersetzt. Beschäftigt man sich mit dem fünften Album „Blackdoor Miracle“, wird man neben den markanten Vocals von TAAKE-Hoest zweifelsohne eine ausgeprägtere Hau-drauf-Attitüde feststellen – inklusive des black-thrashigen Übersongs „Murder“ und eines doch recht drastischen Artworks. „Psychopathology“ hat im Vergleich eine wesentlich seichtere Gangart. Natürlich haben die Norweger für Album Nummer acht keinen Weichspüler in die Trommel getan, aber die Grundatmosphäre ist eher tiefgrau als pechschwarz. Gründer und Neu-Frontmann Jontho Panthera bezeichnet „Psychopathology“ dann auch als nächste Entwicklungsstufe, sowohl musikalisch als auch lyrisch.

Die größte bandinterne Veränderung wurde eben schon erwähnt. Es ist das erste Album, auf dem Jontho nicht am Schlagzeug sitzt. Stattdessen hockt DAUDEN-Drummer Malignant, seit 2014 bei RAGNAROK, auf dem Schemel, während Jontho ins Mikro blökt. Im Umkehrschluss bedeutet das den Abgang von HansFyrste, der seine Stimme den Alben „Collectors Of The King“ und „Malediction“ gewidmet hat. Auch Bassist DezeptiCunt ist nicht mehr Teil der Band. Dass solch eine Rotation Spuren hinterlässt, versteht sich von selbst.

„Psychopathology“ setzt vermehrt auf Melodien und geht insgesamt runter wie Öl. Das ist keine stürmische See, sondern ein hindernisfreier Fluss, der zwar einen ordentlichen Zug hat, in dem sich die einzelnen Elemente aber in einer einzigen geradlinigen Strömung prächtig zusammenfügen (in diese Interpretation reihen sich auch die neuen Vocals gut ein). Kaum Dissonanz, viel Harmonie. Damit erscheint das Album beinahe brav, also erneut im Vergleich und immer im Black-Metal-Kontext – die Stimmung ist etwas aufgehellter, man muss sich nicht blind durch die Songs tasten, weil hier und da eher stimmungsvolle Passagen ertönen, die hilfreiche Lichtkegel setzen. Vielleicht klingt das alles verwirrend, die neue Grundausrichtung, das allgemeine Feeling beim Hören von „Psychopathology“ sollte somit aber klar sein. Und irgendwie erinnert die Platte auf diese Weise an „Massive Cauldron Of Chaos“ von 1349 – ein starkes Teil mit eingängigen Riffs und guten Ideen, aber die vertonte Bösartigkeit wurde irgendwie gedrosselt.

Eine erste Überraschung von „Psychopathology“ ist ein Part im Opener, den man eher in einem MELECHESH-Song erwarten würde. Hier riffen die Skandinavier gediegener, leicht episch und dezent orientalisch – solche Passagen, in denen sie das Tempo rausnehmen, die sphärischen Gitarren sprechen lassen und lediglich einen Doublebass-Teppich oder gemäßigte Drum-Rhythmen darunterlegen, wiederholen sich dann auch im Verlauf. „I Hate“ geht mit der Geschwindigkeit immens weit runter, so weit, dass sich der Song teilweise auf aktuellem MAYHEM-Niveau befindet, nur ohne die fiese Bedrohlichkeit, die aus den von MAYHEMs Kompositionen aufgerissenen schwarzen Löchern dringt. Trotzdem liegt das Durchschnittstempo noch klar über dem mittleren Bereich. Songs wie „My Creator“ und „Into The Abyss“ belegen indes problemlos, wie harmonisch RAGNAROK anno 2016 zu Werke gehen. Bezeichnenderweise gehören die zwei genannten Tracks zusammen mit „Infernal Majesty“ zu den besten von „Psychopathology“, einen richtigen Hit gibt es aber nicht. Und so fließt das Album spätestens ab „Into The Abyss“, wohlgemerkt auf einem mehr als soliden Level, eher an einem vorbei, als in den Bereich der Kaufempfehlung mitzureißen.

11.04.2016

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