
Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.
REVELATION nehmen die Sache auf ihrem zweiten Album „Never Comes Silence“ weiterhin ernst mit dem Doom: Sie sind langsam, sie sind repetitiv, sie sind bei dezenten positiv-verstaubten progressiven Zuckungen durchaus monoton, sie setzen auf das Riff. John Brenner schleppt sich vokalisch wie ein leiernder OZZY OSBOURNE auf Downern durch die großteils überlangen Stücke des zweiten Albums seiner Band. Sein Eingangs-Lamento lautet: „Yesterday I Saw The Flowers Crying“. Kurz darauf berührt er sie auch noch mit seinem Mind – und strahlt dabei in seiner ganzen Hippie-Resignation trotzdem aufrechte Würde aus. Zauberei ist relativ sicher im Spiel.
REVELATION spielen klassischen Maryland-Doom
Zu Hause sind REVELATION bei ihrem Debüt-LP auf Rise Above, bei der Nachfolgerin 1992 auf Hellhound Records. Dort sind die drei Herren neben SAINT VITUS und COUNT RAVEN aus Schweden in bester Gesellschaft, denn: Das Berliner Label veröffentlicht einen Gutteil des Maryland-Dooms der Neunziger-Jahre. Und welch eine Gang das ist! Ekstatischer könnte man als Freund des Genres und als Freundin der Zeitlupe nicht auf die Knie sinken als beim Gedanken an ein Festival-Line-up aus THE OBSESSED, WRETCHED (!), INTERNAL VOID (!!), UNORTHODOX (!!!) und IRON MAN (!!!!).
Die Band gebiert im Anschluss an „Never Comes Silence“ in wechselnder Besetzung weitere Alben, macht zwischendurch Pause, benennt sich später um in AGAINST NATURE und wird sowohl softer als auch progressiver. 2013 ist dann Schluss. In allen Phasen bleiben REVELATION immer eine Underground-Band, ihr Sound entspricht zu keiner Zeit irgendeiner auch nur ansatzweise mehrheitsfähigen Definition von Coolness.
„Never Comes Silence“ vermeidet Kitsch
Insgesamt erinnert die Band in den frühen Neunzigern an WARNING (UK), die sich wenig später gebückt erheben. Dabei erdet der lakonische Gesang die Darbietung bei REVELATION. Das Gequälte-Seelen-Pathos entfaltet sich trotz allen Leidens nicht derart formvollendet wie bei Patrick Walker, vor allem in seinen späteren Jahren. Und obwohl REVELATION auf ihre eigene verschrobene Art alles auf Atmosphäre setzen, ist der „Epic Doom“-Kitsch zum Beispiel skandinavischer Prägung so weit entfernt von „Never Comes Silence“ wie das unbeschwerte Leben an sich. Merke: „Lost inside the waking world, where all is fear and decay. Playing the fool of society, the lonely game of life. Where is true sincerety? My own emotions I can’t even trust. In the web of conformity it seems there are no answers.“ („Unreal“)
Ein Hauch von Outsider-RUSH des Doom
Was REVELATION bieten, wirkt mitunter ungeschlacht und ist sicherlich fordernd. Der Titelsong am Ende des Albums hat eine Länge von gut 18 Minuten und steckt damit nicht wenige Grindcore-LPs in die (schwarze Lederwesten-)Tasche. Dabei variieren die Herren allerdings das Tempo, es gibt nicht nur verzerrte Gitarren und Zerbrechlichkeit überlässt der Härte auch akustisch bis zum Ende nicht komplett das Feld. Bekommt man den verbeulten Spannungsbogen zu fassen und den Kopf aus dem Alltag, dann strahlt das Three-Piece hier wie bärbeißige Grobmotorik-RUSH. Ohne Hits im herkömmlichen Verständnis, Deo oder soziale Kontakte und dieses Krasse-Musiker-Ding natürlich. Und mit noch unmöglicheren Frisuren und Bärten.
Doch Hand aufs langsam schlagende Herz: Selbstverständlich mutet ein derart aus der Zeit gefallenes, lakonisch-unaufgeregtes 70-Minuten-Zeitlupen-Getüm wie „Never Comes Silence“ auch 2026 im Prinzip und im Ohr der meisten seltsam an, vielleicht auch befremdlich. Im Herbstwald (16.45 Uhr, goldener Sunset), in der Winternacht oder gar der dunklen Seele der zu spät Geborenen sieht das dann anders aus. Da ist „Never Comes Silence“ eine einzige Offenbarung. Gute 40 Jahre nach seiner Geburt immer noch oder erst recht.
Shadow Kingdom ermöglichen es hier, sich zu öffnen.

Revelation (Usa/Metal) - Never Comes Silence (2cd)
Marek Protzak
Revelation - Never Comes Silence



















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