Rwake - Xenoglossalgia: The Last Stage Of Awareness

Review

Ist Arkansas vielleicht doch eine Reise wert?„, fragte der Kollege Wischkowski vor drei Jahren, nachdem er sich eingehend mit dem 2011er Brocken „Rest“ der aus eben jenem US-Bundesstaat stammenden Dreck-Doomer RWAKE beschäftigt hatte. Lieber Kollege – worauf du einen lassen kannst! Nur einige Schlagworte: Vor zwölf Jahren. Eine Woche im Mai. Zehn Stunden Autofahrt gen Osten. Majestätische Bergketten. Forellenangeln am White River. Alu-Folie, Tabasco und Zitronengras. Der Duft von Holzkohle. Warmes Bier und noch wärmere Sommernächte.

Hach, was für wunderbare Erinnerungen. Dumm nur, dass „Xenoglossalgia: The Last Stage of Awareness“ irgendwie so gar nicht als Soundtrack dazu taugt. Denn das Re-Re-Release des 1998er RWAKE-Demos (2004 gab es bereits eine Neuauflage auf House of Mummble) ist ein durch und durch bedrückendes Klangerlebnis voller Bosheit und Kälte – und von ausgesprochener Hässlichkeit.

Über 70 Minuten lang schleppt sich dieses Monstrum dahin, schiebt sich dabei Zentimeter für Zentimeter durch einen Morast aus Sludge, Doom und psychedelischem Krach – und schleift den Hörer unaufhaltsam immer weiter in die trostlosen Tiefen der Sümpfe hinaus. Wirklicher „Hörgenuss“ kommt dabei nur phasenweise auf – beispielsweise in jenen Momenten, in denen sich die drei (!) Klampfer durchaus filigran auf massigem Doom-Fundament duellieren, oder dann, wenn wie in „Stairwell“ kehliges Geschrei auf MASTODON-getränkte Psychedelic-Melodien trifft.

Eigentlich ist die erste Handvoll Songs – darunter ein akustisches Interlude und der im Wesentlichen aus abgedrehten Samples bestehende Titeltrack – aber ohnehin nur ein Vorspiel für die Hauptattraktion der Scheibe: Denn nach entsprechender Vorbereitung servieren RWAKE abschließend mit „Calibos/So Fucking Tired“ das Herzstück, das Finale und den in allen Belangen bemerkenswertesten Song der Scheibe. Fast 45 Minuten dauert die hier dargebotene Doom-Odyssee, in deren Verlauf sich tonnenschwere Riffs, minutenlange Gitarren-Orgien und okkultes Soundgeschraube über den Hörer ergießen wie literweise dampfende, zähe Lava-Suppe. Zweifelsfrei braucht es eine beträchtliche Geduld, um das alles zu ertragen, dennoch überzeugen die US-Amerikaner hier musikalisch und vor allem atmosphärisch auf ganzer Linie.

Die Bewertung der Scheibe wäre wesentlich positiver ausgefallen, hätten RWAKE ausschließlich den letzten Song angeboten und das ganze anfängliche Gerumpel in den Archiven gelassen. Denn bei diesem konnte der für das Re-Mastering zuständige Brad Boatright (u.a. SLEEP, HIGH ON FIRE) manchmal nicht mehr viel retten. Das allerdings war wohl auch nicht der Anspruch, der mit diesem Release verfolgt wurde, schenkt man folgender Aussage der Band Glauben: „This album is viewed by us as more of a historical document than a recording we are truly happy with.

Fazit: interessante Rückblende und sicherlich auch ein Pflichtkauf für eingefleischte Fans der Truppe. Wer jedoch mit RWAKE bislang noch keinen Kontakt hatte, sollte vorher lieber noch einmal reinhören. Das geht zum Beispiel problemlos via Bandcamp. Wer sich letztlich doch zum Kauf des Vinyls oder der CD entscheidet, bekommt dann allerdings auch optisch etwas geboten: Mit der beiliegenden 3D-Brille kann das Artwork mit ganz anderen Augen gesehen werde, heißt es.

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08.02.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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