Samsara Blues Experiment - Waiting For The Flood

Review

Jetzt reicht es. Verdammte Hippies! Allein schon das Cover: Ich habe überhaupt keine Lust, zu recherchieren, ob das jetzt irgendeine heilige Wüstenstätte der Hindus, der Aborigines oder der Hobbits sein soll – mit dem heiligen Steinauge der Erleuchtung im Zentrum. Könnte übrigens genauso gut sein, dass der beknackte Felsen gerade mit Mühe und Not versucht, sich ein Ei aus der trockenen Poperze zu quälen…

Apropos: vier Songs in quälend langen 48 Minuten mit Titeln von „Shringara“ bis „Brahmin’s Lament“: Das schreit eindeutig nach ziellosem Mushroom-Mäandern durch die vertrockneten Pfade des drogeninduzierten Reinkarnations-Jams. Psychedelic-Acid-Irgendwas für mitteleuropäische Hindu-Buddhisten mit Abneigung gegen Rasierer und geschlossenes Schuhwerk. Wobei Krishna die Zielgruppe wahrscheinlich trotzdem nicht daran hindert, ihre unzähligen Kinder eurythmisch den eigenen Namen tanzen zu lassen – Cosma-Shiva, Mahavishnu-Pearl und so weiter. In der Schule mit den diversen Ecken. Wobei: In die Schule kommen die Gören wahrscheinlich gar nicht. Scheiße wegen früh Aufstehen und Karma-Verunreinigung. Ja ja, öffne dich dem Kosmos…

Tut mir leid, meine Chakren sind da total geschlossen – das einzige, was weit geöffnet ist, ist ja wohl euer Arsch! Haareschneiden tut nicht weh!

Ähm. Kleiner reaktionärer Scherz. „Waiting For The Flood“, das dritte Studioalbum des SAMSARA BLUES EXPERIMENTS, ist nämlich in Wahrheit schweinegeil und hat Klasse von Anfang bis Ende.
Das Kopfkino bringt mitnichten verkiffte Eso-Hippies beim Mantra im Stadtpark. Viel eher gibt es epische Naturaufnahmen im Breitbandformat mit dir selbst als Hauptperson. Und zwar sowohl mächtige, kilometerhohe Riffgebirge aus glühendem Wüstensand, die du mit deinem Board auf dem reißenden Strom aus Adrenalin runtersaust, der hell glitzernd durch die Klippen tanzt, als auch weite Ebenen unter gleißender Keyboard-Sonne, die dich aber nicht verbrennt, sondern dir nur die eine oder andere betörende Fata Morgana beschert. Und leichte, schwebende Wolkenformationen aus fremdartigen Klängen, die…
Doch Einhalt! Ich möchte konkreter werden: Im Rahmen zwar langer, doch stets schlüssiger Rocksongs werden Retro-Prog-Ausritte und psychedelische Jams mit harten Wüstengitarren und Blues- sowie punktuell Funk-Elementen kombiniert, sodass ein ausgesprochen aufregender Trip herauskommt.

Beispielhaft sei der Titeltrack genannt, der mittels kunstvoll gewebter Orgelteppiche und ausufernder Gitarrenorgien – lugt da gar der gute JIMI HENDRIX durch den Nebel? – leichtfüßig tief in den Siebzigern startet, bevor die dicken Stoner-Doom-Riffs den Song erhaben weiterrocken und sich auf dem Weg ein funkiges Zwischenspiel leisten, bevor das Stück zurückgelehnt ausklingt.

Wahrscheinlich bedarf es genauer Planung und großer Kompositionskunst, um solche überlangen Rock-Brocken derart spannend und flüssig zu gestalten – tatsächlich aber klingt das Ganze im besten Sinne spontan und transportiert – keine Phrase! – ganz große Emotionen.
Und als Bonus zu den ausgedehnten Instrumentalpassagen auf diesem Album gibt es die markante Stimme von Christian Peters, die beschwörend-kraftvoll den Weg der (spirituellen) Sinnsuche beschreibt und dabei latent an Mr. David Eugene Edwards von  WOVENHAND erinnert, ebenfalls jemanden, der lyrisch mit religiösen Elementen arbeitet, wenngleich christlichen.

Wobei bezüglich der Texte des SAMSARA BLUES EXPERIMENTS gesagt werden muss, dass diese auf der Bildeebene mindestens partiell ganz irdisch auch auf den zwischenmenschlichen Bereich bezogen werden können.
Wer trotzdem noch skeptisch ist: Die Sitar-Klänge spielen nicht mal die zweite Geige und veredeln das Gebotene dezent und im Sinne der Atmosphäre effektiv. Fast neun Punkte.

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31.10.2013

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1 Kommentar zu Samsara Blues Experiment - Waiting For The Flood

  1. Milch sagt:

    Schöner groovender Stonerrock zum gemütlich mitnicken. Was will man mehr?!? 😉

    9/10