Saturnus - The Storm Within

Review

Soundcheck Dezember 2023# 4 Galerie mit 18 Bildern: Saturnus - Saturnus - live in Oberhausen 2015

SATURNUS schienen bereits auf hoher See verschollen zu sein. Zwar gab es in den letzten zehn Jahren immer wieder vereinzelte Lebenszeichen der dänischen Death-Doom-Metal-Band, aber erst auf der letztjährigen EP „The Lighthouse Session“ gab es neben Neuaufnahmen auch neues Material zu hören. Mit „The Storm Within“ folgt nun ein ganz frisches Album.

Meisterliche Musikkunst tropft vom ersten Ton an von den Saiten. SATURNUS präsentieren sich sehr gut aufeinander abgestimmt und erschaffen mit scheinbarer Leichtigkeit sanfte wie düstere Klanglandschaften, in denen doomig-melodische Riffs neben schleppenden Drums und wütenden Growls verhallen. Dieses atmosphärische Ausbreiten ist auch Flemming Rasmussen zu verdanken, der bis auf das Debüt jedes Album der Band produziert und der Platte einen sauberen wie detailreichen Mix verpasst hat.

SATURNUS bleiben meisterlich

An einigen Stellen klingt „The Storm Within“ jedoch etwas zu zahm und glattpoliert. Bei melancholischen Stellen und sehr ruhigen Songs wie „Even Tide“ passt das sehr gut, doch vor allem in der zweiten Albumhälfte werden aggressiveren Momenten dadurch stellenweise die Zähne gezogen. Trotzdem fügen sich in den meisten Tracks die einzelnen Parts und Stimmungen perfekt zusammen.

Generell verlassen sich SATURNUS auf altbekannte Formeln, die heutzutage noch genau so gut funktionieren wie auf dem Genre-Klassiker „Paradise Belongs To You“. Die Beständigkeit der Musik beeinträchtigt deren Erstklassigkeit jedoch nicht. Obwohl sich die Band manchmal in gemütlicher Andacht verliert, bewegt sie sich selbstbewusst durch ihren ganz eigenen Stil und versteht es, düstere Emotionen musikalisch gekonnt und authentisch auszudrücken.

„The Storm Within“ wird spürbar

Die Musik und die Texte fangen das Thema des inneren Sturms, des Konflikts mit sich selbst und der direkten Umwelt treffend ein. Wenn der Tod manchmal wie ein verlockendes Schicksal am Horizont erscheint, wird die Entscheidung für das Leben zu einem kämpferischen und hoffnungsvollen Akt.

So staunt „Even Tide“ darüber, überhaupt noch lebendig zu sein, während „Breathe New Life“ einen Neuanfang in Aussicht stellt. Dieses fragile Spannungsverhältnis prägt „The Storm Within“ und verleiht dem Album insgesamt eine umso stärkere Wirkung.

Ein wunderschönes Comeback

„The Storm Within“ ist ein wunderschönes Comeback-Album, das mit hörbarer Hingabe gestaltet wurde. Der tief zielende Bass, ergreifende Gitarrenmelodien, dezent platziertes Schlagzeugspiel, klagender Klargesang und trotzige Growls fügen sich größtenteils perfekt zusammen. Jeder Takt ist sorgfältig ausgearbeitet und die Reise in die von SATURNUS erschaffene bitter-schöne Welt stellt eine mitreißende Erfahrung dar.

Fans der Band und des Genres werden sich schnell zurechtfinden und alles bekommen, was sie musikalisch schätzen und erwarten. Der Impuls, den SATURNUS mit diesem Album geben, entspringt keinen Veränderungen oder Neuerungen, die man nach so einer langen Pause erwarten könnte, sondern einer verlässlichen Beständigkeit. Sie sind nicht verschollen, nicht am Ende angekommen, sondern nach langer Reise zurückgekehrt um weiterzumachen.

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17.06.2023

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2 Kommentare zu Saturnus - The Storm Within

  1. Watu sagt:

    Schönes Album, persönlich werde ich aber nicht so 100% warm damit. Wenn man sich das Review zu Gemüte führt, wird recht deutlich, wie das Album aufgezogen ist:

    „An einigen Stellen klingt „The Storm Within“ jedoch etwas zu zahm und glattpoliert.“
    „Generell verlassen sich SATURNUS auf altbekannte Formeln“
    „Obwohl sich die Band manchmal in gemütlicher Andacht verliert“

    Insgesamt ist mir das eine große Spur zu sehr auf „Nr. sicher gegangen“ und zu seicht. Habe den Eindruck, alles schon hundert Mal wo anders gehört zu haben. Zwar funktioniert das Konzept in Gänze und wird auf jeden Fall seine Freunde finden, für mich steckt da aber zu viel Baldrian drin und damit meine ich nicht, dass mir die Song zu langsam sind. 7 Punkte wegen dem Prophecy Bonus, das ist unterstützenswert!

    7/10
  2. MetalGerhardt sagt:

    Habe dem Album jetzt wirklich viele Durchläufe gegönnt und irgendwie springt der Funke nicht mehr so recht über, wie das früher der Fall war.
    „Paradise Belongs To You“, „Martyre“ und „Veronika Decides To Die“ sind Überalben, grandios, perfekt. „Saturn in Ascension“ hatte immerhin noch ein paar Hammersongs.
    Auf das neue Album durfte man elf Jahre warten und das hat sich nur bedingt gelohnt. Weiterhin gefällt mir das instrumental ganz prima, selbst wenn man den Metal manchmal suchen muss. Aber diese Growls klingen für mich mittlerweile echt erzwungen. Das hörte sich auf den vorherigen Alben besser an. Irgendwie vermiest mir das teilweise den Hörgenuss. Und abgesehen von „The Calling“ ist auch kaum ein Track dabei, der sich in die Gehörgänge frisst.
    Da ich die Band aber echt mag und den Stil sowieso, bleibt es bei wohlwollenden 7 Punkten. Ich kann dennoch nur hoffen, dass die nochmal etwas in vorheriger Qualität darbieten!

    7/10