Shadowrun - Parallele Wirklichkeit

Review

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Denver in Colorado gehört zu den bekannteren aber sicher auch unspektakuläreren nordamerikanischen Städten. In der Welt von SHADOWRUN ist die Metropole im Jahr 2080 jedoch ein Stadtstaat inmitten von indianischen Stammesnationen und wird beherrscht von einem Drachen – nichts ungewöhnliches in dem Cyberpunk-Rollenspiel, in dem neben Straßensamurai und Hackern auch Magie und fantastische Kreaturen zum Alltag gehören.

„Parallele Wirklichkeit“ führt durch ganz Denver und Umgebung

„Parallele Wirklichkeit“ ist eine Kampagne die aus 35 Missionen besteht. Das klingt erst einmal nach einer Menge Arbeit, aber die Szenarien sind übersichtlich gestaltet und sollten sich größtenteils an jeweils einem einzelnen Spielabend bewältigen lassen. Trotzdem führt Geschichte ziemlich linear durch alle Ecken und Winkel Denvers mitsamt Umgebung.

Eine Gelegenheit zum Reinschnuppern ist „Parallele Wirklichkeit“ dadurch aber nicht. Ganz im Gegenteil wird für das Leiten und Spielen der Kampagne eine große Menge Hintergrundwissen vorausgesetzt. Wer die fiktive Geschichte Nordamerikas in SHADOWRUN oder im Detail eben die jüngsten Ereignisse in Denver nicht auf dem Schirm hat, dürfte die FRFZ (= Front Range Free Zone – klar, oder?) zunächst mit jeder Menge Fragezeichen über dem Kopf bereisen.

Die FRFZ für Fortgeschrittene

Abhilfe schafft ein allgemeiner Quellenteil zur FRFZ, der Kultur und Geschichte der Region, sowie Orte und wichtige Personen umfassend darstellt. Alleine als praktische Spielhilfe für eigene Abenteuer in der Gegend kann „Parallele Wirklichkeit“ also bereits nützlich sein.

Typisch für SHADOWRUN ist dieser Teil aber auch als Ingame-Text verfasst, also aus der Perspektive einer fiktiven Person erzählt, die gerade einen Eintrag in der Datenmatrix verfasst. Das ist zwar durchaus launig zu lesen, erschwert aber auch die Nachvollziehbarkeit, wenn man nach einer bestimmten Information sucht.

Worum geht es eigentlich?

Eine für „Parallele Wirklichkeit“ ebenfalls sehr wichtige Übersicht, befindet sich ganz am Ende des Buchs. Die Zusammenfassung der Kampagne wurde dorthin verlegt, damit sich Spieler*innen beim Blättern im vorderen Hintergrundteil nicht selbst die Handlung vorab verraten.

Das ist vom Gedanken her absolut löblich und nachvollziehbar. Allerdings ist die Zusammenfassung sehr knapp ausgefallen und zudem in einem Ton verfasst, als wären die erwähnten Personen und Begriffe bereits aus der Lektüre der einzelnen 35 Missionen bekannt. Außerdem wird erwähnt, dass einige Punkte gar nicht in der Zusammenfassung zu finden sind, da diese nur für Nebenhandlungen wichtig sind.

Eine solche Zusammenfassung ist leider überhaupt nicht hilfreich, wenn die Spielleitung die Kampagne und ihre Zusammenhänge vorab nachvollziehen will. Dabei wäre das enorm sinnvoll gewesen, bietet „Parallele Wirklichkeit“ doch eine komplexe Handlung mit philosophischen Themen rund um das Zusammenwirken von Realität, Matrix und auch der Astralebene, ohne an dieser Stelle zu viel von der Handlung zu verraten.

All das, was SHADOWRUN auszeichnet

Hinzu kommen die verschiedenen Fraktionen, mit denen man SHADOWRUN-typisch aneinandergerät. Dabei handelt es sich nicht nur um Cyberpunk-Straßengangs, sondern um mächtige Konzerne, zwielichtige religiöse Gruppierungen und eben auch die Stämme der Ureinwohner, die in dieser fiktiven Zukunft einen großen Teil des nordamerikanischen Westens kontrollieren. Eine Übersicht zu all diesen Fraktionen findet sich zwar im vorangestellten Hintergrundteil, aber eben ohne ihre Motivationen und Absichten im Rahmen der Kampagne.

Immerhin sind die einzelnen Missionen so kompakt und übersichtlich aufgebaut, dass man sich auch Stück für Stück durchs Buch spielen kann. Und da wird einiges geboten! Datenschmuggel, die Erforschung magischer Phänomene, Bandenkriege, Entführungen und Rettungsaktionen reihen sich in atemloser Spannung aneinander, wobei sich nach und nach eine immer epischer werdende Handlung entfaltet.

Spannende Story, trübende Mängel

Möchte man jedoch von der Abfolge der Missionen abweichen, wird dies durch die lineare Handlung und die unzureichende Übersicht der Kampagnenstory erschwert. Das ist der deutschsprachigen Eigenproduktion „Vendetta“ deutlich besser gelungen. Die Spielleitung muss sich entweder die Infos in Kleinarbeit zusammensuchen oder spontan von Run zu Run planen. Dies trübt den Eindruck dieser ansonsten abwechslungsreichen und thematisch interessanten Kampagne wesentlich.

Wer jedoch bereit ist, diese Vorarbeit zu leisten, wird der Spielrunde eine unvergessliche Geschichte präsentieren können, die an die Grenzen der SHADOWRUN-Realität geht und trotzdem gewohnte Action und Mystery bietet. Die umfassenden Infos zur FRFZ, die man auch für weitere Runs nutzen kann, runden „Parallele Wirklichkeit“ in diesem Punkt trotz der genannten Mängel zusätzlich ab.

Der Soundtrack für magische und virtuelle Abenteuer in Denver: DEATHSTARS – Everything Destroys You / JAAW – Supercluster / RISE OF THE NORTHSTAR – Showdown

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.

23.05.2023

Der metal.de Serviervorschlag

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