Sickle Of Dust - To The Shores Of Sunrise

Review

Russlands Underground mausert sich zunehmend zu einer wahren Fundgrube in Sachen atmosphärischen Black Metal. Mit SICKLE OF DUST erscheint ein weiterer Kandidat an der Oberfläche und mit „To The Shores Of Sunrise“ legt der Moskauer Multiinstrumentalist Ash nun bereits das dritte Album vor. Da dieses Genre aktuell allerdings geradezu überschwemmt wird mit neuen Veröffentlichungen, ist hier ein genauerer Blick ratsam.

SICKLE OF DUST oder: Wenn der Staub der Schlacht sich legt

Eigentlich wird gleich zu Beginn klar, wo die Reise hingeht, denn das Intro zum Opener „Over Desolate Lands“ ist erstmal eine ordentliche Portion mittelalterlicher Dungeon-Synth. Hier taucht auch zum ersten Mal die äußerst süßlich-tragische Melodie auf, welche das Thema des Songs bildet und tatsächlich einen beachtlichen Wiedererkennungswert besitzt. Die Vocals wechseln zwischen einer getragenen, klaren Stimme und dem üblichen heiseren Krächzen. Auffällig ist, dass die Songs eher von den Synths als von den Gitarren getragen werden. Dies schadet den durchgehend sehr ausladenden Songs aber in keiner Weise, denn die Arrangements erschaffen wirkungsvoll einen bedrückend, majestätischen Klangteppich. Parallelen insbesondere zu älteren SUMMONING oder dem ersten EMYN MUIL-Album sind hier sicher alles andere als Zufall, wenn auch die Atmosphäre des vorliegenden Werks insgesamt etwas düsterer ausfällt.

Ein echtes Highlight aber ist der Titelsong „To The Shores Of Sunrise“, welcher im Grunde eine unheilvollere Version eines alten russischen Volksliedes ist und gesanglich von einer wundervollen Gastsängerin unterstützt wird. Trotz der epischen Länge von knapp 13 Minuten und sehr gedrosselten Tempo weiß dieser Track allein schon aufgrund der gelungenen Vocals zu fesseln. Wer MYRKUR für sich entdeckt hat, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren, denn dieses Stück hätte durchaus auch auf das 2017er-Album „Mareridt“ gepasst.

Russische Melancholie – „To The Shores Of Sunrise“

Liebhaber synth-geschwängerter, episch-melancholischer Schlachtenhymnen werden hier in jedem Fall fündig. Das Genre selbst wird hier nicht neu erfunden, nur wurden auf „To The Shores Of Sunrise“ die vorhandenen Zutaten äußerst geschickt zusammengemischt. Vor allem die mitklingende, spezielle Art von Schwermut hebt dieses, von technischer Seite grundsolide Album, aus dem Durchschnitt hervor und enthält mit dem Titeltrack einen überragend schönen Abschluss. SICKLE OF DUST liefert eine wirklich gute Platte für herbstliche Abende.

Review von Thomas Mahnke

10.11.2020

Der metal.de Serviervorschlag

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4 Kommentare zu Sickle Of Dust - To The Shores Of Sunrise

  1. BlindeGardine sagt:

    Auf den ersten Lausch gar nicht schlecht, gibt mir irgendwie mehr als Summoning.

  2. Finq09 sagt:

    Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich das vor Monaten schon gehört, zumindest eine Single. Dann aber irgendwie aus den Augen verloren, weil es das Album nirgends gab. Anscheinend kommt es erst jetzt offiziell heraus?
    Ich freu mich jedenfalls drauf, hat mir damals gut gefallen und passt super zur Jahreszeit. 😉 Wie Malist und Fen etc. genau mein Ding.

    8/10
  3. Watutinki sagt:

    „Auf den ersten Lausch gar nicht schlecht, gibt mir irgendwie mehr als Summoning“

    Blasphemie! :PP

  4. Travis Sickle sagt:

    Läuft jetzt zum dritten Mal durch, bin begeistert. Beste Platte für das Herbstwetter.
    @Finq09 Laut Metal-Archives gab es im Mai ein digitales Release, CD und Vinyl aber erst vor kurzen.

    8/10