Solefald - Black For Death

Review

Es ist gleichermaßen erstaunlich wie bedauerlich, dass das letzte SOLEFALD-Album „Red For Fire“ bei seiner Veröffentlichung Ende letzten Jahres so untergegangen ist. Zwar konnte die Scheibe allerorten begeisterte Kritiken einfahren, dennoch hielt die Euphorie augenscheinlich nicht allzu lange an und sie verschwand im Taumel des Jahreswechsels. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, schließt das norwegische Duo mit dem zweiten Teil seines Konzeptwerks namens „Black For Death“ seine zweiteilige isländische Saga ab.

Programmatisch betitelt schlägt der straighte Opener „Red For Fire, Black For Death“ eine untypische Brücke zum Vorgänger und setzt stilistisch in etwa „Survival Of The Outlaw“ fort. Wobei man sich sicher zurecht fragt, ob eine andere Brücke denn typischer sein könnte? Denn von Festlegung oder Kategorisierbarkeit haben SOLEFALD noch nie etwas gehalten. Und damit ist es ebenso unmöglich von einem Song auf den nächsten zu schließen, wie auf eine für das Gesamtwerk repräsentative Stimmung zeigen zu wollen. SOLEFALD waren noch nie eine Band, deren Wege vorhersehbar waren. Dennoch haben die beiden sicken Norweger das Kunststück vollbracht, diese Unvorhersehbarkeit stets nachvollziehbar zu halten. Freilich fallen die Unterschiede zum direkten Vorgänger diesmal deutlich geringer aus als in der Vergangenheit, was aufgrund des zusammenhängenden Konzepts und der Tatsache, dass Teile der „schwarzen“ Scheibe bereits in den „roten“ Sessions entstanden sind, auch zu erwarten war. Dennoch wiederholt „Black For Death“ nichts, was auf „Red For Fire“ schon da gewesen wäre, sondern setzt die zahlreichen eingeschlagenen Wege fort.

Obwohl es sich bei beiden Werken um designierte Viking-Alben handelt, so gilt es, diese Betitelung doch stets in der SOLEFALD’schen Auslegung zu betrachten. Mit metseliger Schunkelstimmung ist hier nichts. Zu experimentell und scheuklappenfrei agieren Lazare und Cornelius, sodass oft nur das lyrische Konzept eine lose Verbindung zum wikingischen Universum aufrecht erhält. Auch „Black For Death“ schöpft stilistisch aus den Vollen und verbindet sachte, traumwandlerische Phasen („Queen In The Bay Of Smoke“, die nahtlose Fortsetzung von „White Frost Queen“) und balladeske Strecken mit heroischen Momenten voller Pathos („Allfathers“) und noch immer vorhandenen rasenden Black Metal-Reminiszenzen, rezitative Passagen mit jazzigen Saxophon-Interludien („Underworld“). Auf diesem Album gibt es nichts, das es nicht gibt. Trotz dieser oberflächlichen Heterogenität sind beide Alben der Saga aber nicht nur in sich geschlossen, sondern ergänzen sich auch in Kombination miteinander.

Was auf „Red For Fire“ die zeitlosen „Sun I Call“, „Sea I Called“ oder „Where Birds Have Never Been“ waren, sind auf „Black For Death“ das große „Necrodyssey“, dessen Refrain (für SOLEFALD-Verhältnisse) eigentümliche MANOWAR-Züge aufweist, das folgende gigantische „Allfathers“ mit seinen hymnischen Chören, die als eine der wenigen Stellen auf dem Album als wirklich traditionell viking gelten können, und natürlich „Loki Trickster God“, dem kein Geringerer als Mr. Trickster G himself (wer auch sonst?) seine unverwechselbare Stimme schenkt. Was die eigenen Stimmen angeht, zeigen sich Lazare und Cornelius so vielseitig wie eh und je: kreischen, grunzen, clean singen, krächzen, Sprechgesang… ständig parallel und alternierend zugleich – die Übermacht an Eindrücken in Worte zu fassen, ist einfach nicht möglich.

Es ist jedes Mal wieder bewundernswert, mit welch ungebrochener Kreativität SOLEFALD neue, atemberaubende Wege erkunden. „Red For Fire“ und „Black For Death“ sind zwei Alben, die fortan in einem Atemzug genannt werden müssen. Am besten zusammen mit dem Wort „Meisterwerke“.

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30.11.2006

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