Soothsayer - Echoes of the Earth

Review

Transcending Obscurity Records machen sich langsam aber sicher einen Namen für allerhand obskure Untergrund-Kapellen, die von primitivem Death-Doom über Schwedentod bis hin zu verkopfteren Sachen mittlerweile doch einen variableren Fundus abdecken. Auch die Iren SOOTHSAYER fühlen sich mit ihrem Bastard-Mix aus Doom, Sludge und kleinen Fingerfertigkeiten hörbar zwischen den Stühlen am wohlsten, vergessen aber dabei nicht, noch Songs zu schreiben. Denn „Echoes Of The Earth“ ist für ein Debütalbum einer Band, die zwar bereits seit 2013 existiert, bislang aber nur ein paar EPs und Splits auf der Habenseite zählt, bereits ausserordentlich ausgereift.

„Echoes Of The Earth“ hat das Zeug zu einem neuen Newcomer

Das einzig Störende könnte das überlange, hörspielartig einleitende Intro „Fringe“ sein. Es gibt Wolfsgeheul, eine Erzählerstimme im Hintergrund, beschwörenden Gesang und Soundschnipsel, ist mit beinahe sechs Minuten aber entschieden zu lang, egal wie sehr sinnig hinsichtlich der Geschichte auf dem Album das auch sein mag. Mit „Outer Fringe“ startet dann nämlich die wirklich herausragende Seite, die Atmosphäre wird auch in den folgenden Songs noch weiter transportiert. Ob das der cleane Einstieg, die kriechenden, schleifenden Riffs, die sehr anklagend klingenden Screams wie auch Cleans sind oder die deutlich bedrohlicher wirkenden Growls, hier wird musikalisch definitiv narrativ vorgegangen und das zieht einen bis zum letzten Song des Albums in den Bann.

Dabei sind die Grundzutaten nicht einmal sonderlich komplex oder instrumental versiert, SOOTHSAYER verstehen aber trotzdem mit dem, was sie haben, gut umzugehen und starke, abwechslungsreiche und trotzdem eingängige Songs im groben Umfeld Doom/Sludge zu kreieren. Egal ob es mal ein wenig Bass-Eskapaden und massig Groove gibt („War of the Doves“), es melodischer und melancholischer wird („Cities of Smoke“, mit Black-Metal-artigem Finale) oder der klassische Doom überwiegt („Six Of Nothing“), SOOTHSAYER bleiben stets nachvollziehbar, unterstützt von einer tollen, organisch wirkenden Produktion.

Dabei hat man sich das Sahnestück „True North“ für den Schluss aufgehoben und im Gleichklang mit dem gleichlautenden Album von BORKNAGAR gibt es hier tatsächlich auch ein wenig angeschwärzte Elemente mit zu hören, aber auch ruhigere Passagen und gar ein wenig Ambient/Drone-Rauschen zum finalen Entlassen. Die Ranzigkeit und die Aggression aus dem Hardcore als Einfluss von Sludge ist hier wunderbar zu vernehmen, auch wenn wir es streng genommen immer noch mit Doom zu tun haben, aber der Wechsel aus langsamen Passgen und anziehendem Tempo mit den massiven Riffs und aggressiven Vocals von Fronter Liam Hughes tut dem Vorwärtsdrang nur gut.

SOOTHSAYER sollte man auf den Zettel schreiben und im Kopf behalten

Auch wenn SOOTHSAYER für sich genommen weder neues bieten und auch nicht technisch wahnsinnig versiert oder komplex sind, ist das Zusammenspiel der einzelnen Elemente auf „Echoes Of The Earth“ doch schon sehr funktionell und in eine kompositorisch nicht zu verachtende Form gebracht. Dabei vergisst die Band aber nicht das Riff und eine gewisse Eingängigkeit und verzettelt sich nicht mit den einzelnen Elementen.

Mit ein klein wenig mehr Stringenz im Songwriting könnten SOOTHSAYER definitiv als eine der interessanteren neuen Doom/Sludge-Bands aufsteigen und vielleicht dabei sogar das Erbe von NEUROSIS, ISIS und Co. antreten (ohne deren Post-Schlagseite, Heavyness und songwriterische Brillianz allerdings bisher zu haben), auch wenn das (noch) vielleicht ein wenig verfrüht und zu hoch gegriffen sein mag. Das Potential dazu ist aber allemal da. Also am besten „Echoes Of The Earth“ eintüten und SOOTHSAYER für die Zukunft im Hinterkopf behalten.

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02.04.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

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