Splendidula - Post Mortem

Review

Düstere Riffs, gespielt in Zeitlupentempo, zusammen mit tiefem Grabesgegurgel oder aber epischen Heldentenören. Das Ganze atmosphärisch, gerne auch mit ordentlich Hall, abgemischt. So in etwa klingt die typische Doom-Blaupause. Natürlich gab es auch immer mal wieder neue Herangehensweisen, insbesondere was Stoner Doom angeht. Einen auffällig anderen Weg gehen aber SPLEDIDULA aus Belgien auf ihrem zweiten Longplayer „Post Mortem“, indem sie vielfältige weitere Einflüsse, u.a. aus Sludge und Post Metal, zu einem insgesamt sehr modernen Sound kombinieren.

SPLENDIDULA – Abwechslungsreich, aber auch sperrig

Eines kann man SPLENDIDULA nun wirklich nicht vorwerfen: Mangelnde Abwechslung. Auf „Post Mortem“ klingt tatsächlich kaum ein Song wie der andere. Dazu trägt auch die recht wandlungsfähige Stimme von Fronterin Kristien Cools bei. Singt sie tief, bekommt das Material eine gewisse tragische Gothic-Schlagseite, was der Band an sich noch am besten steht. Ein etwas poppigerer Einschlag in höheren Lagen gehört allerdings auch zu ihrem Repertoire. Die sparsam, dafür aber wirkungsvoll eingesetzten Growls von Gitarrist Pieter Houben setzen einen netten Kontrapunkt und lockern die Songs ein wenig auf. Sucht man nach einem Vergleich, kommen einem wohl am ehesten AVATARIUM in den Sinn, deren Qualität SPLENDIDULA allerdings in keinem Bereich das Wasser reichen können.

Kommen wir damit auch gleich zum ersten und wohl gravierendsten Problem von „Post Mortem“: Die Songs als solche. Abwechslung wird zwar geboten, aber einen roten Faden sucht man vielfach vergebens, teilweise sind sogar nachvollziehbare Songstrukturen kaum auszumachen. Das zeigt sich schon beim an sich stimmungsvollen Intro „Post“, das irgendwie so gar nicht zum geradezu punkigen Stoner-Anfangsriff vom direkt folgenden „Nami“ passen will. Dieses Riff ist dann zwar gar nicht mal schlecht, die immer wieder vorhandenen guten Ideen werden aber zu selten konsequent weiter geführt, sondern versanden meist an irgend einer Stelle. Wenn gesanglich beispielsweise doch mal ein paar fesselnde Harmonien dabei sind, wie z.B. im Mittelteil von „Insanity“, werden diese schnell wieder verworfen und durch anstrengende Vocal-Experimente, während der die Stimme von Frau Cools häufig quäkig-nasal klingt, ersetzt.

Ein weiterer Minuspunkt ist leider die Produktion. Das alles klingt einfach staubtrocken, was vermutlich auch Absicht ist. Vermutlich wollte man weg vom klassischen Doom-Sound und hat deshalb auf einen sehr sterilen, dafür aber modernen Klang gesetzt. Das ist sicher Geschmackssache, entzieht den ohnehin wenig fesselnden Kompositionen aber auch das letzte bisschen Atmosphäre, das vielleicht noch einiges hätte retten können. Wirklich ärgerlich ist aber der furchtbare Drum-Sound, der doch eher nach Proberaum-Demo klingt, obwohl laut Infozettel in einem professionellen Studio aufgenommen wurde.

Nur schwer zugänglich und häufig nervig – „Post Mortem“

Möglicherweise ist für den ein oder anderen das zweite Album von SPLENDIDULA das Nonplusultra des modernen Doom, wenn der Zugang zu den sperrigen Kompositionen erst einmal gefunden ist. Allerdings macht es einem die fünfköpfige Truppe wahrlich nicht leicht. Die Riffs fesseln in den meisten Fällen einfach nicht, der Gesang wabert ohne wirkliche Melodiebögen dahin und wird durch die ständigen Änderungen der Tonlage schnell gewöhnungsbedürftig. Gute Ideen sind zwar hier und da vorhanden, werden aber oft schnell wieder durch weniger gute abgelöst.

Dem Rezensenten ist jedenfalls auch nach diversen Hördurchläufen nicht so wirklich klar, was die Künstler uns mit dem vorliegenden Werk sagen möchten. Daher erhält „Post Mortem“ leider eher das Prädikat „nervig“ statt „genial“.

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13.01.2019

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4 Kommentare zu Splendidula - Post Mortem

  1. nili68 sagt:

    Was ich auf Youtube gehört habe, gefällt mir alles ausgesprochen gut, aber dass die jetzt nicht Everybody’s Darling werden/sind, geht voll klar für mich, denn Bands aus dieser Kategorie sind meistens.. ich sag‘ mal.. nicht so mein Geschmack.

    1. ClutchNixon sagt:

      Fürchterlicher Mist. Wenn das Avantgarde sein soll, so ist jeder von Pisse (pardon my French) mäandernder Kothaufen aufregender.

      1. nili68 sagt:

        Kaufst zumindest du mir die im Laden nicht mehr vor der Nase weg.. schön.
        Weiter zu so aufregenden Sachen wie Arch Enemy..

      2. ClutchNixon sagt:

        nö, die mochte ich wie gesagt nur mit Johan Liiva.