The Pineapple Thief - Your Wilderness

Review

Hätten Sie es gerne recht melancholisch? Vielleicht ein bisschen Regenwetter – aber Sie wissen schon, diese Art von Sommerregen, bei der man in der Dämmerung auf der Terasse sitzen bleibt? Darf es zwischendurch auch mal angepisst sein, so mit Gemotze übers doofe Schicksal? Dazu Klarinette? Dann haben Sie einen guten Moment erwischt, denn THE PINEAPPLE THIEF liefern mit ihrem elften Studioalbum „Your Wilderness“ einen atmosphärischen Knüller für die gepflegt-dysthyme Freizeitbeschallung.

Die britische Kombo um Frontmann Bruce Soord orientiert sich im Vergleich zum 2014-er Vorgänger „Magnolia“ thematisch und strukturell wieder mehr zu ihren Wurzeln und entwickelt sich gleichzeitig weiter, zu einem dichteren, intensiveren Stil. Zwar liegt die Mehrheit der acht Songs bei einer Länge von rund vier bis sechs Minuten. Trotzdem kann nicht von Radioformat gesprochen werden – ohne behaupten zu wollen, dass der erste Track „In Exile“ keine würdige Single wäre!

„Your Wilderness“ – der Titel passt

„Your Wilderness“ hätte treffender nicht betitelt werden können, denn das Album lebt von einer organischen, natürlich gewachsenen Atmosphäre. Jeder Song legt seine eigene zartgraue Farbschicht auf die bittersüße Nebelwand, die Fans seit rund 17 Jahren an THE PINEAPPLE THIEF schätzen. Dennoch formt jeder der Titel seine eigene Identität, „Your Wilderness“ lutscht nicht aus und überrascht immer wieder. Das ist vermutlich nicht zuletzt der Beteiligung hochkarätiger Gastmusiker geschuldet: John Helliwell (SUPERTRAMP) spielt Klarinette im jazzig plätschernden „Fend For Yourself“, Geoffrey Richardson (CARAVAN) war so frei, ein Streichquartett zu spendieren. Dass „Your Wilderness“ bei Titeln wie „Tear You Up“ oder „Take Your Shot“ deutlich, aber nicht zu deutlich, nach PORCUPINE TREE klingt, hat wohl mit der stilistischen Nähe der Bands zu tun, die schon immer bestand. Dass TREE-Drummer Gavin Harrison sich für „Your Wilderness“ zu den Dieben gesellt hat, dürfte aber durchaus auch eine Rolle spielen. Bruce Soord jedenfalls, fühlte sich laut eigenen Angaben durch die Beteiligung des Kollegen in Sachen Songwriting und Arrangement inspiriert und angespornt – zu unserer Freude!

Fesselt mit Melodie, begeistert mit Atmosphäre

„Your Wilderness“ fesselt mit eingängigen Melodien, die mit makellosem Timing und glasklarer Produktion die Songs eher ergänzen, als tragen. Irgendwie scheint alles am richtigen Platz, insbesondere beim fast zehnminütigen „The Final Thing On Your Mind“, das Streicher, Chor und Gitarren nahtlos miteinander verschmilzt.

Ein bisschen weniger Härte und Rockgitarre, als auf Vorgängern wie „Tightly Unwound“ muss man als Hörer schon verkraften können, um mit „Your Wilderness“ warm zu werden. Belohnt werden wir dafür mit einem stimmungsdichten, fesselnden Album, das den Weltschmerz ab dem ersten Takt und auch beim x-ten Durchhören in der Seele weckt. Herrschaften, mit diesem Album können Sie wahrlich Ananasse (?!) stehlen gehen, im Sommerregen auf der Terasse mit Klarinette und Chor im Ohr.

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11.08.2016

"forty-two"

Der metal.de Serviervorschlag

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1 Kommentar zu The Pineapple Thief - Your Wilderness

  1. bärs,rajko sagt:

    Tolle neue CD-nach zuletzt eher poppig kurzen Songs nun wieder sehr introspektiver Indie/Prog-Rock.

    9/10