Vokonis - Odyssey

Review

In der „Odyssee“, dem zweiten Epos des griechischen Dichters Homer, bestreitet der listige Odysseus nach seinem Triumph im Trojanischen Krieg eine zehnjährige Irrfahrt, die dem sagenumwobenen Helden allerhand schicksalshafte Begegnungen und nervenaufreibende Erlebnisse beschert. VOKONIS hingegen möchten mit „Odyssey“, dem Nachfolger ihres Drittlings „Grasping Time“ (2019), ganz sicher keine derart abenteuerliche Reise hinlegen – der Titel passt trotzdem! Das schwedische Trio bricht auf seinem vierten Studioalbum erneut zu experimentellen Wagnissen auf, liefert einmal mehr musikalische Kost mit Köpfchen. Doch reicht das allein, um sein Schiff vorbei an einer kritischen Analyse in den sicheren Heimathafen zu lotsen? Wir verraten es euch!

VOKONIS – „Odyssey“: Vielschichtig und progressiv dank ausgefeilter Momente

Zum Auftakt was Kurzes: Der Opener „Rebellion“ ist mit gut drei Minuten zwar der kürzeste Song auf „Odyssey“, gibt aber dennoch klar den Takt an, in welche Richtung VOKONIS soundtechnisch vorstoßen möchten. Schwer-geerdete Riffs, ein stampfender Bass und donnernde Drums grooven in progressiver Sludge-Manier los und erinnern dabei gepaart mit den gebrüllten Shouts fast ein wenig an MASTODON auf „Leviathan“ (2004). Zwischendurch blitzt der melodische, mit stimmigem Klargesang durchzogene Chorus auf und rundet die Nummer so gut ausbalanciert ab. Der Titeltrack rockt sich zunächst mit blitzsauberer Gitarrenarbeit und kultigem Hard Rock-Groove durch seine Eröffnung, geht dann in einen atmosphärisch-verträumten Part über und packt letztendlich mit dem wütend-lärmenden Schlussteil eine weitere Facette in die ohnehin sehr abwechslungsreichen neun Minuten.

Bis hierhin halten VOKONIS übrigens klar Kurs, bestechen auf dem temporeichen „Blackened Wings“ mit toller Technik und einem emotionalen Mitsing-Refrain, der in einem starken Kontrast zu der bedrohlichen Grundstimmung der Verses steht – und gefällt! Auch bei „Azure“ fahren die Schweden mit einem ähnlichen Grundrezept recht souverän, streuen allerdings deutlich hörbar einen höheren Anteil an drückenden Doom-Einflüssen ein. Noch abwechslungsreicher und wunderschön verproggt präsentiert sich dann das ergreifende „Hollow Waters“, welches eine spektakuläre Melodieführung mitsamt Mega-Solo auffährt, in der man schnell versinkt.

„Through the Depths“ nimmt mit seiner fast dreizehnminütigen Laufzeit knapp ein Drittel von „Odyssey“ ein, fällt also entsprechend schwer ins Gewicht. Glück für VOKONIS: Obwohl der Song wohl manchen Hörer:innen einiges an Aufmerksamkeit abverlangen dürfte, braucht es trotz Überlänge kein diszipliniertes Durchhaltevermögen – dafür lauscht man den fingerfertigen Skandinaviern nämlich viel zu gern bei ihrer ausgedehnten Jam-Session. Instrumentell bietet die psychedelisch durchtränkte Nummer alles, was das Prog-Herz begehrt, denn an der von Solos durchzogenen, epischen Klangkulisse kann man sich eigentlich gar nicht satthören.

Vokonis - Bandfoto 2021

„Oh weh, ein Foto-Shooting“, dachten sich VOKONIS wohl hier und wünschten sich zurück in den Proberaum, um weiter an tollen Alben wie „Odyssey“ zu basteln

VOKONIS – „Odyssey“: Endlich oben angekommen!

Vier Alben haben VOKONIS gebraucht, um nun endlich dort anzukommen, wo sie mit ihrem Musikverständnis eigentlich längst hätten stehen müssen – keine kurze, aber sicher verschmerzbare Odyssee, schließlich waren die drei Vorgänger zu „Odyssey“ keineswegs schlecht. Nun aber ist die ambitionierte, zuvor etwas zu verkopfte Mischung aus Progressive Metal, Psychedelic Rock und Doom in vollendeter Form gänzlich geglückt. Die Schweden setzen die verschiedenen Elemente bewusst und gekonnt in Szene, überladen ihre Songs nicht unnötig, sondern folgen stets einer klaren, wenngleich vielschichtigen Linie. Das Endergebnis kann sich sehen lassen: Auf dem Viertling des Trios finden sich nahezu keine Schwächen, dafür jede Menge grandiose, unvergessliche Momente. Eine Nennung in der ein oder anderes Jahresbestenliste wäre da fraglos schon zu diesem Zeitpunkt hochverdient.

03.05.2021

"What is this that stands before me?"

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'Odyssey' von Vokonis mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "Odyssey" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Shopping

Vokonis - Odysseybei amazon14,99 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 33497 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

1 Kommentar zu Vokonis - Odyssey

  1. casualtie78 sagt:

    Der verlinkte Song hört sich sehr gut an – die restlichen Songs werden schnellstmöglich angehört!
    Danach gibts auch ne Bewertung… 🙂