Wells Valley - Reconcile The Antimony

Review

Der portugiesische Schlagzeuger Pedro Mau ist scheinbar nicht ausgelastet: Der Kerl hat nicht nur mit KNEEL ein durchschlagskräftiges Hardcore-Thrash-Crossover-Vehikel im Anschlag, sondern mit WELLS VALLEY bereits 2011 auch eine pechschwarze Teergrube ausgehoben, die er 2015 erstmals in voller Länge mit dem Debüt „Matter As Regent“ hat lärmen und blubbern lassen. Nach einer EP von 2017 folgt nun mit „Reconcile The Antimony“ der Full-Length-Nachfolger, mit dem Mau und Co. weiter in die zum Teil seltsamen Untiefen ihres Sounds vordringen, aus denen sie allerhand dissonante Melodien, schwer stampfende Rhythmen und zum Teil sogar erfrischend zuckelige Riffs hervorzerren.

WELLS VALLEY wollen nicht gefallen

Sludge-typisch präsentiert sich das Album natürlich als extrem sperrige Angelegenheit, die wenig für das Konzept von Easy Listening übrig hat. Dabei begehen WELLS VALLEY jedoch nicht den Fehler, mit aller rohen (Ur-)Gewalt in die Fußstapfen etablierter Post-/Sludge-Metal-Größen hineinstampfen zu wollen, so sehr sich Vergleiche mit denen natürlich ziehen lassen. Das heisere Gekeife von Gitarrist Filipe Correia verortet den Sound der Portugiesen definitiv näher an Black Metal, während die druckvolle Produktion ihr Übriges tut, um der Band einen urtümlichen Charakter zu verleihen.

Die raumfüllenden Riffs haben einen markanten Fuzz inne, der ihre Konturen etwas weicher zeichnet. Das ist der Hörbarkeit zuträglich und insgesamt auch notwendig, denn wie erwähnt: „Reconcile The Antimony“ ist schon eine ziemlich sperrige Angelegenheit. Hier geht es mal technisch, zum Teil auch knüppelhart zur Sache, womit sich die Portugiesen zumindest zeitweise von den Gimmick-Bands abheben, die alles auf das nebulöse Pferd Atmosphäre setzen. Eine bedrohliche Stimmung wird natürlich dennoch geboten, aber eben mehr durch Dissonanzen, geschäftige Riffs und einer dadurch erzeugten, wuchtigen Wall Of Sound, die den Hörer förmlich unter sich begräbt.

„Reconcile The Antimony“ will vor allem anstrengen

Das Gehörte gerät dabei zwar nicht derart komplex, dass einem die Hirnmasse aus den Ohren läuft, fordert dem Hörer aber dennoch einiges an Durchhaltevermögen ab – im Guten wie im Schlechten. Die aus den fuzzigen Gitarren entspringenden Dissonanzen haben besonders in ihren flächigeren Momenten wie in „Henosis“ einen fast fiebrigen Charakter inne, der den Hörer dank des voluminösen Sounds schon einmal überrumpeln kann. Sie sind jedoch im Klangbild nicht über allem anderen gemischt – es herrscht eine angenehme Balance zwischen Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang.

Leider verlieren sich WELLS VALLEY gerne mal in ihrer finsteren Teergrube mit repetitiven, langatmigen Songstrukturen, welche die durch die prägnanten Riffsalven aufgebaute Unruhe wieder relativieren. Und mit dem Mangel an Eingängigkeit schneiden sie sich an dieser Stelle natürlich selbst ins Fleisch, da die Band hierfür zu wenig Ankerpunkte setzt, an denen man als Hörer hängen bleiben kann. Kleinere Spitzen wie die kreischenden Leads in „Hypostasis“ brechen die Monotonie hier und da auf, sind aber auch kein Allheilmittel gegen die etwas zu meditativen Parts, in denen die Portugiesen dann doch den Eindruck vermitteln, dass ihnen hier die Ideen ausgegangen sind.

Eine zweischneidige Angelegenheit?

Doch schon allein durch einen bombastischen Ersteindruck macht „Reconcile The Antimony“ den Ausflug in diese pechschwarze Teergrube wert. Denn mit seinen eröffnenden Tönen, besonders dem wilden Biest namens „(Pleroma)“, geben WELLS VALLEY gekonnt Zunder und zwängen ihren nicht gerade sonderlich zugänglichen Sound mit Gewalt und Inbrunst ins Gehör. Ob es für ein langfristiges Bad in besagter Teergrube reicht, ist dann jedem ob genannter Makel selbst überlassen…

17.12.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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