Within Temptation - Resist

Review

Galerie mit 23 Bildern: Within Temptation - Wacken Open Air 2019

„Ist das noch Punkrock“ frug sich einst eine große Berliner Kapelle der Unterhaltungsmusik. „Ist das noch Metal“ hingegen ist die Frage der Stunde, wenn der Blick bzw. das Ohr gen WITHIN TEMPTATION geneigt wird.

Elektronisch, synth-orientiert und groovig – „Resist“

Und diese Frage ist denkbar leicht zu beantworten. Die innere Haltung und Architektur von WITHIN TEMPTATION ist heute näher bei vergrufteter RIHANNA auf Dubstep als an NIGHTWISH-orientiertem Gothic Rock Pop der Marke „Ice Queen“. Dieser Paradigmenwechsel vollzog sich nicht als harter Bruch, sondern mehr als absehbare Evolution und endet nun auf den Tanzflächen von Großraumdiskotheken.

Obwohl nun das stapfende und zugegebenermaßen brutal groovende „The Reckoning“ zu Beginn des Albums die Gehörgänge für diesen Wandel öffnet, wird sich im weiteren Verlauf eine stilbedingte Übersättigung einstellen. „Resist“ wirkt zu gleichförmig in seiner Gesamtstruktur und franst entsprechend weiter und weiter aus. Und das, obwohl der Bass knallt.

Addiert man nun noch das klinische Cyber-Punk-Gothic-Comic-Image der Visualisierung hinzu, so entsteht ein seltsam unnatürlicher Beigeschmack, der dem in der Innenseite ausgefeilten Album nicht wirklich gerecht wird. Die heftige Überfrachtung mit epischen Elektronikelementen rückt die zum absoluten Großteil harmonisierenden Elemente aus Beats und Stimme in den Hintergrund, obwohl gerade diese Melange alte Stücke der Band, man nehme das bereits benannte „Ice Queen“, groß gemacht haben. Der Eindruck einer Überladung lässt sich daher nicht so leicht marginalisieren. Dabei ist doch Sharon den Adel a posteriori der Mittelpunkt der ganzen mühseligen Anstrengung der Instrumental- und Elektronikfraktion.

Sind WITHIN TEMPTATION vom Pfad der Tugend abgekommen?

Trotz aller Kritik bringt „Resist“ viele erhellende Momente mit epischer Kopfnickerqualität mit, bleibt aber aufgrund der kalten Oberfläche zumindest stets ambivalent zwischen großem Kino und Plastiksinfonie. Mehr vom Richtigen und weniger vom Falschen trifft es deutlich besser als „weniger ist mehr“. Es schwindelt sobald es dräunt, was für ein Album „Resist“ hätte werden können.

03.03.2019

Stellv. Chefredakteur

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13 Kommentare zu Within Temptation - Resist

  1. Base4ever sagt:

    Für mich leider das schlechteste Album der Band. Der Wandel war auf den letzten Alben schon absehbar, dennoch konnte ich diesen bisher noch etwas abgewinnen. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Diese Band hat sich von mir und meinem Geschmack weg entwickelt.

    4/10
  2. der holgi sagt:

    Oh mein Gott.

    Hab WT damals bei ihrem Debüt entdeckt, sogar gekauft wegen Ice Queen und so, und zugegeben seit dem bewusst links liegen lassen. War an sich ein Fehlkauf, weil sehr abgeklärt und durchsichtig, aber was solls, passiert.

    Nun also hier der neueste Output, und die beiden YT Links hier über mir zeigen wohl, wohin die Reise seit dem gegangen ist. Mein Fazit: Klarer Kurs auf amerikanische ChartsRockPopMusik.

    Und schon bin ich raus.

  3. nili68 sagt:

    Gefällt mir besser als die neue IN FLAMES, wenn’s um poppigen Metal geht. Kann man schon mal hören und ob die früher besser waren, zu Mainstream etc.. alles egal.

    1. Kartoffelblues sagt:

      Passable Lyrics haben Atheist (Unquestionable Presence) und Death (von Human bis The Sound of Perseverance). Ansonsten, da stimme ich Dir zu, ist es recht überschaubar. Abruptum sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Davon abgesehen finde ich (eine rein subjektive Meinung), dass Storm of the lights bane durchaus poetisches Potential aufweist.
      Gute Texte zu schreiben ist so eine Sache…ich behaupte mal, dass gerade im Metal-Genre die Bereitschaft, sich mit diesen auseinanderzusetzen, eher überschaubar ist. Das mag sowohl an den Künstlern als auch an den Konsumenten liegen, wobei ich weder die einen noch die anderen pauschal aburteilen möchte. Mir persönlich haben die Lyrics von Pink Floyd (selbiges gilt auch für die Mucke) immer sehr viel bedeutet, aber auch das ist Geschmackssache.

      1. nili68 sagt:

        Metal-Lyrics müssen für mich kein Shakespeare-Niveau haben, aber sie sollten für mich halt auch nicht ausgesprochen dämlich sein.. und Ausnahmen gibt es natürlich immer.

  4. Huetti sagt:

    Allerspätestens seit der The Unforgiving sind Within Temptation im Mainstream angekommen.
    Pop gemischt mit Heavy Metal, aber durchweg gut gemacht, technisch einwandfrei dargeboten und stilsicher balancierend auf dem schmalen Grad der es Zuhörer jeder Colleur ermöglicht, etwas für sie ansprechendes in der Musik zu finden.
    Zugegeben: eben jene Scheibe rotiert immer noch gelegentlich in meinem Player!
    Danach hat man aber irgendwie genau diese oben angesprochene Balance verloren und ist deutlich Richtung Pop abgedriftet… Mit Hydra konnte ich nicht viel anfangen. Zu poppig, zu flach, zu schnell wieder aus den Ohren und zu sehr auf illustre Gastmusiker zugeschnitten. Leider gehen die Holländer diesen Weg auch auf Resist weiter. Synthies, Keyboards, Gastsänger… die Gitarrenwände, Drums und Metal-Elemente sind zwar durchaus noch vorhanden, aber so weit in den Hintergrund gerückt, so dass sie nur noch einen kleinen Teil des Sounds ausmachen…
    Wie auch bei Hydra ist die ganze Melange nicht schlecht, tut nicht wirklich weh und kann für einen fairen Angebotspreis auch eingetütet werden, aber die Drehzahlen der ersten beiden Alben oder der Unforgiving wird Resist wohl nie erreichen.

    6/10
  5. Ava sagt:

    Zugegeben, als ich auf dem Konzert in HH die ersten neuen Sings vor Veröffentlichung des Albums hörte, war ich skeptisch.
    Das Album kaufte ich mir trotzallem und ja, es ist „anders“. Aber es ist meines erachtens nach gelungen. Wenn es einigen nur darum geht nicht Mainstream zu sein, mehr Textsinnigkeit auf sich wirken lassen zu „müssen“, keinerlei stimmliche Veränderung und eine Weiterentwicklung zu „ertragen“ ..Ja, für diese Menschen ist das Album auf jeden Fall nicht geeignet. Für mich schon.

    9/10
      1. nili68 sagt:

        Textsinnigkeit findet man beim Metal generell eher nicht, auch wenn dieses Gerücht sich hartnäckig hält. Je extremer und authentischer der Metal, desto blöder auch meistens die Texte, da haben WT sich nichts vorzuwerfen..

      2. BlindeGardine sagt:

        Ich so: nili, magst du Metal überhaupt?
        Und nili so: Ja klar, aber nur den mit intelligenten Texten!

      3. nili68 sagt:

        Wow, du merkst dir ja jedes Wort von mir. Werde ich in Zukunft berücksichtigen.. lol

        Aber ernsthaft: So sehr mir Metal auch musikalisch gefällt, so sehr dislike ich auch das ganze Drumherum, imagery, Szene usw. Bei dieser Zwiegespaltenheit kann sich schon mal argumentative Inkonsistenz einschleichen. :-/

      4. ClutchNixon sagt:

        Und ich bleibe dabei, dass du hier unter mindestens zwei weiteren Aliases deine unfassbar divergenten Meinungen ins Forum bläst lieber Nili. Du bist so vielseitig!

      5. nili68 sagt:

        Forder doch ’nen IP-Vergleich an, wenn es dich so sehr beschäftigt. Ich verstehe das aber, ich bin schon faszinierend, aber denk‘ mal an was anderes. Es gibt noch viel mehr auf der Welt.. 🙂