Below The Skin
NAHEMAH-Sänger Pablo Egido über (seine) Tattoos

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Below The Skin

Körperkunst ist auch heute noch ein Thema, das heftig polarisiert. Während einige Menschen Tattoos, Piercings und Co. als einen kritikwürdigen Eingriff in den eigenen Körper empfinden, ist es für viele wichtig, die eigene Persönlichkeit auch optisch zu präsentieren.

Unsere Interviewreihe „Below The Skin“ widmet sich der gerade in der Rock- und Metal-Szene sehr häufig anzutreffenden Körperkunst, der künstlerischen Gestaltung des menschlichen Körpers mit Tattoos, Piercings, Brandings, Implants oder auch Scarring, Shaping und Bodypainting.

 

Nachdem NAHEMAH im vergangenen Jahr als Support mit AMORPHIS unterwegs waren, befinden sich die Spanier nun wieder in ihrer Heimat und arbeiten am Nachfolger ihres vor drei Jahren veröffentlichten Albums „A New Constellation“. Es wäre sicherlich spannend gewesen zu hören, ob und welche Auswirkungen die Tour mit AMORPHIS auf das neue Material genommen hat, stattdessen aber unterhielt ich mich mit Sänger Pablo Egido über seine Tattoos. Und das, was Pablo zu sagen hatte, ist nicht weniger interessant.

Welche Bedeutung haben Tattoos für dich ganz persönlich?

Tattoos haben für mich eine gewisse magische, vor allem aber spirituelle Bedeutung. Tattoos sind wie ein Spiegel der Gefühle, die ganz tief in dir verborgen liegen, und haben – zumindest für mich – ihre ganz eigene Persönlichkeit. Tattoos haben in gewisser Weise beschützende Kraft für die Seele, sie sind auf metaphysischer Ebene eine Erlösung durch Schmerz.

Was empfindest du für Body Art ganz allgemein wie zB Piercing, Brandings oder Implants?

Körperkunst ist die Stimme deines Körpers, deiner Haut, und ist ein heiliger Akt, der nicht in einem Kinderspiel ausarten sollte. Ich habe gelernt, als ich mich mit diesem Thema sehr umfassend beschäftigt habe, dass Tattoos, die bereits vor tausenden von Jahren praktiziert wurden, nicht nur als Dekoration getragen wurden, sondern eine sehr wichtige und spirituelle Bedeutung haben. Für einige sind Tattoos einfach nur ein Trend und Mode, aber für mich geht eine Tätowierung darüber hinaus. Wenn du dir ein Tattoo stechen lässt, weil das gerade „in“ ist, wirst du es eines Tages unter Umständen bereuen.

Auf jeden Fall ist es immer wichtig den richtigen Tätowierer zu finden. Nicht einfach nur jemanden, der gut mit einer Tätowiermaschine umzugehen weiss, sondern jemand, der sich seiner Arbeit und der tieferen Bedeutung dessen bewusst ist. Denn letztendlich verhält sich seine Arbeit wie die eines Schamanen. Zwischen ihm und dir selbst wird ein unsichtbares Band geknüpft, eine spirituelle Verbindung, derer man sich bewusst werden sollte, um seine Tätowierung aktiv zu erleben.

Wie lange hast du darüber nachgedacht, dir ein Tattoo stechen zu lassen, und für welches Motiv hast du dich damals entschieden?

Ich wollte bereits als Jugendlicher ein Tattoo haben, habe aber viele Jahre warten müssen, bis ich 18 Jahre alt war, denn meine Eltern hatten gewisse Vorurteile dieser Körperkunst gegenüber. Mein erstes Tattoo war ein Drache. Ich liebe mittelalterliche Symbole und keltische Kunst – sie wirkt wie ein Déjà-vu-Erlebnis und bringt mich zurück in eine Zeit, in der ich in einem anderen Leben existiert haben könnte.

Welche Reaktion auf eines deiner Tattoos war für dich die bisher überraschendste?

Ich kann mich mit einem Tätowierer wie Jose sehr glücklich schätzen, denn seine Arbeit hat bisher nur Bewunderung hervorgerufen.

Eine ganz lustige Erfahrung hat sich vor Jahren mal ergeben, als ein homosexueller Freund eines Freundes unbedingt das als keltische Rüstung dargestellte Tattoo an meinem rechten Arm berühren wollte. Nachdem er mich gefragt hatte, ob er es berühren durfte, und ich natürlich nichts dagegen hatte, begann er nach kurzer Zeit zu kneifen und meine Haut zu stretchen, und fing dann ganz plötzlich an zu stöhnen, als ob er einen Orgsamus hatte. Wir waren zunächst etwas irritiert, lachten dann aber als wir mitbekamen, dass die Leute um uns herum neugierig auf uns und das Tattoo schauten. Ich habe auch keine Ahnung, ob er da nur etwas gespielt hat, oder tatsächlich in Ekstase geraten ist.

Hast du schonmal eines deiner Tattoos bereut? Oder würdest du etwas ändern lassen, wenn du es könntest?

Nein. Niemals. Wenn ich eines meiner Tattoos ausmustern müsste, würde ich auch ein Stück meiner selbst ausmustern. Deshalb ein ganz klares: Nein!

Was würdest du dir niemals stechen lassen? Welche Tattoos magst du überhaupt nicht?

Ich würde mir niemals etwas stechen lassen, das nichts mit meiner Person zu tun hat. Keine Trends, keine Mode. Ich benötige einen direkten Bezug zu den Motiven, die ich mir stechen lasse.

Hast du bereits Pläne für weitere Tattoos?

Aber ja. Na klar! Ich muss unbedingt meine „Körperrüstung“ komplettieren lassen, damit ich rundum geschützt bin. He He He!!!

Du hast es selbst erfahren und du weisst, dass Menschen mit Tattoos immer noch komisch angeschaut und sehr häufig einfach vorschnell abgestempelt werden. Welche Tipps kannst du speziell diesen Menschen geben, die sich aufgrund dieser Tatsache nicht trauen, sich ein Tattoo stechen zu lassen?

Bei uns in Spanien schauen die meisten Menschen immer noch nach dem Äußeren und urteilen viel zu schnell über jemanden. Ich denke das ist überall auf der Welt so. Ich hoffe sehr, dass sich dieses Verhalten irgendwann ändern wird, und die Menschen auch die inneren Werte und die Persönlichkeit zu schätzen lernen, bevor jemand abgestempelt wird. Wir müssen wieder mehr auf unser Herz hören. Und wenn du es fühlst, dann tu es einfach! Jedes neue Tattoo bringt dir weitere Kontakte zu Menschen, die so ähnlich denken und fühlen wie du.

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Wann das vierte Album der Spanier erscheinen wird, steht bis jetzt noch nicht fest.

19.03.2012

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