King Diamond - Voodoo

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

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In den Neunzigern machen KING DIAMOND eine kleine Durststrecke durch, weil sich der King daselbst etwas mehr auf seine wiedervereinte frühere Band MERCYFUL FATE konzentriert und der eigenwillige Sound im Vergleich zu groovenden Baggy Pants in jenem Jahrzehnt einfach nicht angesagt ist. Nachdem bereits “The Graveyard” (1996) nicht mehr ganz auf Linie ist, ist “Voodoo” aus dem Jahre 1998 in der Regel das Album, das die meisten Fans als Tiefpunkt der Diskografie einordnen – obwohl auch diese Platte durchaus ihre Anhänger:innen hat. Doch warum ist “Voodoo” maximal ein solides Album?

“Voodoo” – Der Streitfall in der Diskografie

Obwohl die Verpackung mit dem stimmungsvollen Necrolord-Cover wesentlich verlockender ist als auf den vorigen beiden Platten, kann man schon nach wenigen Minuten schlechte Laune bekommen. Aus irgendeinem Grund waren KING DIAMOND – wie so viele in ihrer Zeit – mächtig angetan vom Erfolg einer Band wie PANTERA und versuchten, die Platte produktionstechnisch in ähnliche Richtungen zu gestalten. Die Gitarren kratzen hochfrequent, die Drums klingen blechern und spitz, vom Bass ist kaum etwas zu hören und alles wurde so trocken wie möglich gemischt. Passend dazu spielt Dimebag Darrell im Titelsong ein Gitarrensolo. Nichts gegen das Feature – aber musste die zwanghafte Anbiederung an die damals jüngere Generation wirklich sein?

Doch es ist nicht nur der Sound, der auf “Voodoo” stört. “The Graveyard” war auch nicht gerade optimal produziert, konnte aber mit überwiegend gutem Songmaterial überzeugen. Trotz guter Ansätze und Songs wie “‘LOA’ House”, “A Secret”, dem atmosphärischen Titelsong, “One Down Two To Go” und “The Exorcist” kommt das Album nicht gut auf den Punkt, wirkt zerfahren und uninspiriert. Da hilft es auch nicht, dass “Voodoo” angesichts der Verteilung der Songwriting-Credits ein ziemliches Team-Album geworden ist und die Story gewohnt-gehobenes Gruseln in bester KING-Manier bietet. Der Ofen war einstweilig aus.

KING DIAMOND werden sich wieder erholen …

Das macht “Voodoo” jedoch nicht zum Totalausfall, sondern eher zu der Obskurität in der Diskografie, die man alle paar Jahre mal aus dem Regal zieht, wenn man gerade keinen Bock auf “Abigail” und Co. hat. Insgesamt ist “Voodoo” das Album, das Neueinsteiger:innen am wenigsten zu empfehlen ist. Glücklicherweise gewannen KING DIAMOND mit einem Line-up-Wechsel und dem Nachfolger “House Of God” sowie spätestens mit “Abigail II: The Revenge” wieder an Kurs und erreichten in den Nullern ihre frühere Klasse wieder.

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17.06.2026

Redakteur

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