Burden Of Grief
Burden Of Grief

Interview

"Gut‘ Ding will Weile haben" und "Alle guten Dinge sind drei" – zwei Sprichwörter, die sich Hessens Vorzeige-Melodic-Deather Burden Of Grief in den letzten Jahren zu Herzen genommen haben. Über zwei Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zu "On Darker Trails" namens "Fields Of Salvation" das Licht der Welt erblickt hat, wobei er seinen beiden Vorgängerwerken in nichts nachsteht und Burden Of Grief nun endlich mal den Erfolg bringen sollte, den sie schon seit ihrem Debüt verdient haben. So hatte deren Gitarrist Philipp Hanfland dementsprechend viel Positives zu erzählen. Nur bei der Frage, warum deutsche Death Metal-Combos im Vergleich zur internationalen Konkurrenz eher ein Schattendasein fristen, war er genauso ratlos wie ich.

Burden Of GriefErstmal Glückwunsch zum neuen Album. Wie zufrieden seid ihr selbst? Bei „On Darker Trails“ hattet ihr euch ja mehr Zeit gewünscht.

Wir sind äußerst zufrieden mit dem neuen Album, da wir eine Menge Dinge gegenüber dem letzten Album verbessern konnten. Dieses Zeitproblem gerade im Studio ist auch immer eine Frage des Geldes. Wir haben dieses Mal eine Kombination aus zwei Studios gewählt und hatten dadurch im Endeffekt schon einiges mehr Zeit als beim letzten Album. Dennoch kann man immer noch viel mehr im Studio herausholen, wenn man mehr finanzielle Möglichkeiten hat. Was den Sound angeht, kann man auf jeden Fall sagen, dass wir nie so zufrieden ein Studio verlassen haben wie dieses Mal. Naja, und mit den Songs sind wir natürlich sowieso zufrieden, wäre auch schlimm, wenn es anders wäre.

Diesmal lag eine sehr lange Zeit zwischen den Alben. Was war der Grund dafür? Widrige Umstände oder seid ihr einfach gemütliche Songwriter?

Naja, zum einen hatten wir einige personelle Umbesetzungen innerhalb der Band, was natürlich das Songwriting etwas verzögert hat. Als diese Probleme gelöst waren und der Studiotermin gebucht war, ging es dann relativ zügig voran. Wir brauchen anscheinend immer diesen Zeitdruck im Rücken. Dazu kam dann auch noch der Wechsel zu einer anderen Plattenfirma, was den Release des Album nochmals verzögerte. Eigentlich ist „Fields Of Salvation“ schon seit einem halben Jahr komplett fertig.

Mich persönlich stört diese Tatsache nicht, denn man hört „Fields Of Salvation“ an, dass es Zeit zum Reifen hatte. Seht ihr das auch so?

Im Endeffekt haben wir nicht unbedingt so viel mehr Zeit für das Songwriting benötigt als noch beim letzten Album. Das neue Material klingt deswegen deutlich reifer, weil wir mittlerweile technisch fähigere Leute in der Band haben und gerade Uli als neuer Gitarrist viele Songs beigesteuert hat, die etwas vielschichtiger sind, als meine Songs, die eher straighter sind.

Ich würde sagen, dass „On Darker Trails“ etwas rifforientierter war, während „Fields Of Salvation“ mehr Göteborg-Melodien aufweist. Zustimmung eurerseits oder Aufschrei?

Das ist das, was ich eben meinte. Das letzte Album „On Darker Trails“ habe ich etwa zu 70% geschrieben, während beim neuen Album Uli etwa 70% geschrieben hat. Uli arbeitet zu Hause viel mit Home-Recording und hat somit viele Riffs besonders ausgearbeitet. Beim letzten Album kamen mehrere Ideen direkt im Proberaum. Das neue Album wirkt hingegen merklich erwachsener, wie wir finden. Die Melodien sind hingegen nicht unbedingt Göteborg-Melodien. Viele Melodien stammen ganz einfach aus dem klassischen Metal-Bereich, viele zweistimmigen Leads sind bewusst an Iron Maiden angelehnt.

Eines lässt sich jedoch nicht von der Hand weisen. „Fields Of Salvation“ klingt weit melancholischer als eure bisherigen Alben (siehe z.B. das Titeltrackinstrumental). Warum?

Das ist ganz einfach die Art, wie Uli seine Riffs schreibt. Mir persönlich gefällt das sehr und ich bin sehr froh, dass er sich so stark beim neuen Album eingebracht hat. Das Instrumental war der letzte Song, den wir zum neuen Album geschrieben und er beinhaltet viele Riffs, die nirgendwo anders hingepasst haben. Zusammen harmonierten sie hingegen wunderbar. Es war auch von Anfang an klar, dass zu diesem Song kein Gesang passt, da die Gitarren eindeutig im Vordergrund stehen müssen.

Ihr habt einen Produzentenwechsel vorgenommen. Wart ihr mit Classens Arbeit auf „On Darker Trails“ nicht zufrieden oder hat es andere Gründe, dass ihr ins relativ unbekannte Metal Sound Studio zu Torsten Sauerbrey gewechselt seid?

Wir haben einige Aspekte immer schon im Andy Classen-Sound vermisst. Man kann bei ihm zwar sicherlich mehr erreichen, wenn man mehr Zeit hat. Aber er hat schon seine ganz persönliche Herangehensweise, die wir dieses Mal nicht haben wollten. Wir haben deswegen auf die Kombination von zwei Studios gesetzt. Wir haben im Metalsound-Studio aufgenommen, da es ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat und wir uns dadurch mehr Zeit lassen konnten. Dafür wollten wir dann auf das Mixing besonderen Wert legen und sind nach Dänemark ins Jailhouse Studio zu Tommy Hansen gefahren. Ausschlaggebend war hierfür seine letzte Hatesphere-Produktion, aber auch seine ganzen Helloween-Produktionen machten uns die Entscheidung leicht. Nicht, dass wir so einen Sound haben wollten, aber das machte uns sicher, dass er ein absoluter Profi mit sehr viel Erfahrung ist. Ich denke, wir werden das nächste Mal das gesamte Album bei ihm produzieren.

In letzter Zeit gab auch einige Änderungen im Line-up. Was hat sich geändert und was waren die Auslöser dafür?

Unser Drummer Christian, der das „On Darker Trails“-Album eingespielt hat, hatte immer schon viel zu wenig Zeit für die Band. Wir haben damals schon sämtliche Konzerte mit unserem jetzigen Drummer Carsten gespielt. Irgendwann war dann einfach klar, dass er fest in die Band aufgenommen wird. Diese Entscheidung war auch absolut richtig. Außerdem ist nach unserem letzten Album unser langjähriger Gitarrist Olli ausgestiegen, um mehr Zeit für sein Studium zu haben. Diese Entscheidung war auch gut, denn so ist Ulrich vom Bass an die Gitarre gewechselt, da er, wie gesagt, immer schon viele Songs geschrieben hat. Somit mussten wir dann „nur“ einen neuen Bassisten suchen, den wir in der Person von Dirk gefunden haben, ein enger Freund der Band seit den Anfängen.

Inwieweit haben die neuen Mitglieder und internen Umbesetzungen frischen Wind ins Bandgefüge gebracht?

Zum einen hat sich Uli an der Gitarre noch mehr musikalisch eingebracht als vorher, aber auch Dirk und Carsten als neue Mitglieder haben einige Ideen, vor allem was Arrangements anging, eingebracht. Beide sind sehr fähige Musiker und so konnten wir mittlerweile Ideen umsetzen, die wir vorher so nicht hätten umsetzen können. Andererseits gab es auch, weil sich eben jeder mit einbringen wollte, eine Menge Diskussionen bei den Proben. Aber das ist normal, denke ich…

Ein weiterer Unterschied zwischen „Fields Of Salvation“ und seinen Vorgängern ist die fehlende Coverversion. Keinen Bock oder keine Zeit dafür gehabt?

Der Grund dafür war ganz einfach, dass wir, was Coversongs angeht, keinen Rückschritt machen wollten. Und für uns gab bzw. gibt es nun mal keine Steigerung zu Iron Maiden und Metallica. Sicherlich hatte der Eine oder Andere persönliche Ideen für einen Coversong gehabt, aber wir hätten uns bandintern auf nix einigen können. Somit haben wir’s dann gelassen. Dafür haben wir für die kommenden Live-Shows einen neuen Coversong im Programm und wir werden auch dieses Jahr den Song „Conquistador“ für einen Saxon-Tribute-Sampler aufnehmen.

Im Song „Don’t Fear The Creeper“ kommt öfters der Name „Jeepers Creepers“ vor. Ist das Stück vom gleichnamigen Horrorfilm beeinflusst?

Ganz genau. Mike lässt sich beim Schreiben der Lyrics sowohl von persönlichen Gedanken leiten, als auch von fiktiven, seien es Bücher oder eben auch Filme. Der Text von „Don’t Fear The Creeper“ beinhaltet die Thematik des Films „Jeepers Creepers“ und passt sehr gut zu der aggressiven und unheimlichen Stimmung des Songs. Der Titel ist natürlich an den Blue Oyster Cult–Song „Don’t Fear The Reaper“ angelehnt, hat aber sonst keine Gemeinsamkeiten…

Seid ihr privat Filmfreaks und, wenn ja, was hat euch in letzter Zeit am meisten begeistert?

Neben natürlich der „Herr der Ringe“-Trilogie, hat uns vor allem „Kill Bill“ begeistert. Tarantino ist einfach genial. Der Film ist zwar vordergründig sehr stumpfsinnig brutal, hat aber diesen besonderen typischen, künstlerischen Tarantino-Anspruch. Ich mag es, wie sehr er sich in seinen Filmen von Szene zu Szene „hangelt“, die alle für sich genommen abgeschlossen wirken, aber insgesamt dem roten Faden des Films folgen. Ansonsten fand ich noch „Irgendwann in Mexico“ und auch „Fluch der Karibik“ super, weil ich Johnny Depp genial finde…

Warum liegt der Albumtitel in einem solch krassen inhaltlichen Widerspruch zum Cover? Oder sollen die auf Bäumen aufgehängten Toten die Erlösung vom Leben bedeuten?

Naja, man sollte den Titel nicht zu wörtlich nehmen, sondern eher die Bedeutung, die dahinter steckt. Viele unserer Texte behandeln die Frage nach dem Sinn des Lebens. Manchmal spiegeln sich halt persönliche Gedanken darin wieder, manchmal aber auch Gedanken von oder über andere Personen. Dabei stellt sich auch manchmal die Frage, oder der Tod als „Erlösung“ des eigenen Lebens eine Lösung sein kann. Naja, und die Leichen auf dem Cover haben ihr Leiden zumindest hinter sich … haha … Jesus wird sich am Kreuz auch den Tod herbeigesehnt haben.

Kommen wir mal auf ein paar Business-Sachen zu sprechen: FOS ist euer drittes Album beim dritten Label. Woran liegt es, dass Burden Of Grief und Plattenfirmen keine konstante Beziehung aufbauen können?

Ganz so ist das nicht. Unsere ersten beiden Alben erschienen beide über Grind Syndicate Media. „On Darker Trails“ wurde lediglich an Massacre Records lizenziert, was uns in erster Linie bessere Promotion und einen besseren Vertrieb brachte. Wir hätten auch das neue Album über Grind Syndicate Media herausgebracht, aber Andy Siry hat sein Label vorerst auf Eis gelegt. Aber wir arbeiten auch beim neuen Album immer noch mit ihm Hand in Hand. Die Zusammenarbeit mit Remedy Records läuft hervorragend, genauso, wie wir es uns immer von Massacre erhofft hatten. Allerdings haben Massacre sich nicht wirklich für uns eingesetzt. Remedy Rec. hingegen stehen wirklich hinter dem Album und hinter der Band und machen alles dafür…

Wie sieht es für euch außerhalb der deutschen Landesgrenzen aus?

Wir hatten letztes Jahr unseren ersten Auftritt in Österreich auf dem Kaltenbach Open Air und es war äußerst cool zu sehen, wie viele Leute unsere Musik kannten. Wir haben uns mit vielen Leuten unterhalten und auch aus dem Publikum wurden andauernd Songtitel von uns gerufen. Was die derzeitige Promotion angeht, so geht es in Frankreich ganz gut voran für uns und wenn alles gut läuft, werden wir im Mai/Juni für einige Shows nach Frankreich fahren. Ansonsten hatten wir leider bisher noch keine Möglichkeit, außerhalb von Deutschland zu spielen.

Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, dass Deutschland meist nur für Power oder Thrash Metal bekannt ist, während unsere Death Metal-Combos im Vergleich zu Primal Fear oder Destruction eher ein internationales Schattendasein führen, obwohl sie absolut konkurrenzfähig sind, wie man an eurem neuen Werk einmal mehr sieht?

Darüber habe ich mir schon oft Gedanken gemacht, aber ich weiß es einfach nicht. Deutschland ist seit den 80er Jahren bekannt und berühmt für seine Thrash Bands, wie Kreator, Sodom, Destruction, Holy Moses usw., und ebenso für seine Power Metal Bands wie Helloween, Gamma Ray, Running Wild usw. … Im Death Metal Bereich waren es immer schon die Amis und die Schweden, die die Oberhand hatten, und da konnten viele dt. DM-Bands nur ein Schattendasein fristen. Viele Labels schauen auch zu sehr nach Skandinavien und machen diese Bands hier groß, während deutsche Band dabei oft übersehen werden…

Euer 10-jähriges Jubiläum steht im Spätsommer an. Habt ihr schon Ideen, wie ihr es begießen werdet?

Wir jedes Jahr werden wir im Herbst wieder unser alljährliches „Art Of Darkness-Festival“ organisieren, was dieses Jahr auch zum 10. Mal stattfindet. Und insgesamt soll das Ganze in einem größeren Rahmen als bisher stattfinden, mit einigen größeren Bands dabei. Aber genaues steht noch nicht fest… Ich denke aber, dass wir u.a. mit dem ein oder anderen alten Ex-Mitglied ein paar Songs spielen werden…

Zu guter Letzt: Was hältst du von dem abgegriffenen Satz „Das dritte Album entscheidet über die Zukunft einer Band. Make it or break it!“?

Naja, bei einigen Bands trifft das sicherlich zu. Siehe nur z.B. Iron Maiden, Metallica oder Slayer… Aber man kann sicherlich nicht von einer Regel sprechen. Heutzutage dauert es manchmal eben etwas länger bis eine Band größer wird. Harte Arbeit und Ausdauer machen sicher aber irgendwann bezahlt. Schau dir nur mal z.B. Dew-Scented an. Die spielen sich seit vielen Jahren den Arsch ab, konnten aber erst mit ihrem 4. Album größer rauskommen. Bei Disbelief und den Apokalyptischen Reitern ist es ähnlich. Die Zeiten, dass eine Band mit ihrem Debüt groß rauskommt (ohne Major-Label im Rücken) sind eher vorbei, denke ich…

Hab ich vergessen, noch etwas zu fragen, was du loswerden willst? Dann hau rein.

Ich hoffe, dass viele Leute neugierig geworden sind und mal in unser neues Album reinhören. Ich kann euch versprechen, ihr werdet nicht enttäuscht werden. Außerdem hoffe ich, dass wir viele von Euch auf unseren Konzerten dieses Jahr sehen werden. See you there…

Galerie mit 20 Bildern: Special Act - Metal Diver Festival 2018
02.02.2004

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