Falkenbach
Interview mit Vratyas Vakyas zu "Asa"

Interview

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Mit dem inzwischen sechsten Studioalbum „Asa“ bleiben FALKENBACH ihrem urtypischen Stil treu und perfektionieren diesen weiter. Im Spannungsfeld aus großer melodisch-hymnischer Epik und rauen, harschen Ausbrüchen liegen die neuen Stücke, welche alle Facetten aus den verschiedenen Schaffensperioden zu einem abwechslungsreichen, atmosphärischen und zeitlosen Werk vereinen. Was dahintersteckt, klärten wir mit Vratyas Vakyas.

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Du bist von Napalm Records zu Prophecy Productions gewechselt. Was waren die Gründe für diesen Wechsel? Wie beurteilst du die Zusammenarbeit mit Napalm Records nachträglich, und wie läuft es jetzt mit Prophecy Productions?

Ich halte nicht viel davon, über die Hintergründe öffentlich zu sprechen, aber es gab Gründe, die letztlich den Ausschlag gegeben haben, das Label zu wechseln. Nachdem wir gemeinsam vier Alben veröffentlich haben, kann logischerweise nicht alles schlecht gewesen sein, sicher nicht. Aber es war fraglos an der Zeit zu wechseln, und die richtige Entscheidung. Es stand für mich auch fest, dass ein Wechsel zu einem großen Major-Label keine Option sein würde, damit würde ich auf lange Sicht nicht glücklich werden, und die Entscheidung für das fast schon familiäre Umfeld bei Prophecy war richtig aus heutiger Sicht. Mir war wichtig, Ruhe und Zeit zu haben, sowohl für die Aufnahmen, als auch für das Layout, keinerlei Druck zu unterliegen. Diese Punkte waren und sind mir wichtiger, als unter Umständen einige kommerzielle Vorteile durch ein großes Major-Label zu haben. Ohne dieses Maß an Ruhe und Freiheit, auch in eher unkonventionellen Dingen, wäre „Asa“ in dieser Form nicht möglich gewesen, und daran haben sowohl Prophecy, aber ebenso Patrick / Tidalwave Studio und die anderen Musiker einen großen Anteil.

Dein neues Album „Asa“ ist im typischen charakteristischen FALKENBACH-Stil gehalten, ist aber meiner Meinung nach wieder deutlich abwechslungsreicher gehalten. Worin siehst du selbst die Unterschiede zwischen „Asa“ und dem Vorgänger „Tiurida„? In welchem Zeitraum entstanden die Stücke, ist auch älteres Material enthalten, und hast du irgendwas an deiner Herangehensweise an neue Songs geändert?

„Asa“ entstand in einem für meine Verhältnisse sehr kurzen Zeitraum, ich kann mich kaum erinnern jemals derart viele Melodien an einem Stück gefunden zu haben wie zu dieser Zeit. Es war definitiv eine besondere Erfahrung für mich. Älteres Material ist enthalten, wie es eigentlich immer der Fall ist. An der Herangehensweise hat sich nichts geändert, abgesehen davon, daß ich inzwischen die Lieder zuerst am PC aufnehme, statt auf einem 8-Spur Rekorder. Im Grunde entstehen die Lieder heute noch immer, wie es von Beginn an der Fall war. Was Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu den einzelnen Alben angeht, nun, es macht vermutlich nicht sonderlich viel Sinn darüber nachzudenken. Jedes der ersten 5 Alben steht im Grunde für sich selbst, und „Asa“ nun vereint sie in einem letzten Schritt. „Asa“ ist anders, ohne anders zu sein, und gleich, ohne gleich zu sein.

Hattest du ein bestimmtes Ziel vor Augen, das du mit „Asa“ erreichen wolltest?

Ja, das hatte ich, und dieses Ziel habe ich auch erreicht. Allerdings hat dieses Ziel nichts mit der Veröffentlichung des Albums zu tun, nichts mit etwaigen Reaktionen darauf, sondern war vollkommen privater Natur. Mein Ziel damit war erfüllt, als das Album aufgenommen war, und ich es für mich abgeschlossen hatte, weit vor der tatsächlichen Veröffentlichung.

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Erneut habt ihr im Tidalwave Studio aufgenommen. Bitte beschreibe uns die Zusammenarbeit zwischen FALKENBACH und Patrick Damiani sowie euer Verhältnis zueinander! Was ist das Besondere an dieser Kombination, dass ihr seid „Ok Nefna Tysvar Ty“ dort aufnehmt?

Die Qualität des Tidalwave Studios, ebenso wie Patricks herausragende Arbeit ansich, sind natürlich ein wichtiger Grund, aber letztlich sind wir schlicht und einfach sehr gute, enge Freunde, und die Musik ist dabei nur einer von vielen Punkten, die uns verbinden. Eben dies gilt auch für das komplette Line-Up.

Ich habe das Gefühl, dass dieses Mal weniger Effekte für den Gesang verwendet wurden, liege ich da richtig?

Das komplette Album wurde mit sehr viel weniger Effekten ausgestattet als jedes andere Album zuvor. Sowohl Gesang, als auch Bass und Gitarren, aber vor allem das Schlagzeug, welches nahezu frei von Effekten ist. Seltsamerweise scheinen einige Menschen dies genau gegenteilig zu empfinden, was aber nichts daran ändert, dass ich noch nie so zufrieden mit einem Album war, wie es mit „Asa“ der Fall ist. In Bezug auf die Lieder, die Texte, wie auch auf die Aufnahme und den Mix.

Die Violine klingt authentisch, oder täuscht mich mein Gehör? Wer hat die Violine eingespielt?

Wie auch bei den Effekten allgemein, hat „Asa“ so wenig Keyboard wie kein anderes Album zuvor. Ein guter Teil der Violine wurde von Nikos Mavridis eingespielt.

Bitte beschreibe uns den Ablauf der Aufnahmen zu „Asa“!

Das ist im Detail schwierig. Der größte Unterschied zu den vorherigen Aufnahmen lag darin, dass wir nicht immer ein Instrument komplett am Stück eingespielt haben (vom Schlagzeug abgesehen), sondern ständig zwischen den Liedern wechselten, und so immer neue Ideen für Details hatten, für praktische alle Instrumente, inklusive Gesang. Das kostet sicherlich mehr Zeit, aber Dank Patrick und Prophecy war dies zum ersten Mal tatsächlich möglich.

Probt ihr eigentlich regelmäßig oder unregelmäßig zusammen? Entstehen auch mal neue Songs oder Ideen durch gemeinsames Spielen? Und welchen Einfluss haben deine Mitstreiter Tyrann, Hagalaz und Bolthorn auf die Stücke?

Es gibt gar keine Proben, und die Stücke entstehen allein bei mir daheim zunächst, wie schon beschrieben. Sobald die (sehr groben) Aufnahmen hier fertig sind, gehen sie an die anderen Musiker, die sich dann einige Gedanken machen, bevor wir uns im Studio treffen. Letztlich ist also auch ihr Anteil an den Liedern, an der Umsetzung der Stücke im Studio sehr spontan, und hat wenig mit dem gängigen Bild von “professioneller Arbeit“ zu tun. Es ist aber seit jeher fester Bestandteil FALKENBACHs, und wird es auch immer bleiben. Den Liedern bleibt bis zuletzt ein Höchstmaß an Freiheit, viele, nahezu alle Dinge entstehen sehr spontan, Veränderungen im Detail sind Teil der Entstehung und der Aufnahmen im Studio.

Der Albumname „Asa“ bezieht sich sicherlich auf die Asen in der nordischen Mythologie? Liegt dem Album ein Konzept zugrunde? Worum geht es in den Texten?

Nein, der Titel des Album ist ein Name, und hat mit dieser Thematik wenig bis nichts zu tun. Ja, dem Album liegt ein Gedanke zugrunde, wie es immer der Fall ist. Aber sowohl diesbezüglich, als auch hinsichtlich der Texte, würde ich die Menschen sich gerne ihr eigenes Bild machen lassen, ohne eine vorgefertigte Interpretation meinerseits.

Zur Single „Eweroun“ gibt es auch ein Lyric-Video. Was bedeutet der Name des Stücks? Und was für eine Art Dialekt/Sprache hast du hier verwendet? Wieso hattest du diesen verwendet?

Man könnte „Eweroun“ vermutlich am besten mit „für immer“ übersetzen. Der verwendete Dialekt war in bestimmten Teilen Nordrheinwestfalens, den Niederlanden und dem östlichen Belgien verbreitet (wenn auch regional teils sehr unterschiedlich), und gehört, soweit ich das als Laie sagen kann, zum Süd-Niederfränkischen / Limburgischen. Meine Eltern sind teils noch damit aufgewachsen, Dank meiner (Ur)Großeltern. Es war also eine sehr persönliche Entscheidung.

Du hattest in den letzten Interviews Live-Auftritte nicht mehr ausgeschlossen und in den Bereich des Möglichen gestellt. Gibt es hier schon irgendwelche konkreten Pläne? Und wird es neben der Stammbesetzung auch weitere Musiker geben, ich könnte mir bspw. eine Flöte oder Violine sehr gut vorstellen?

Wir haben mittlerweile sehr viele Dinge klären und regeln können, die über all die Jahre hinweg ein echtes Problem darstellten, wenn es um das Thema Live ging. Wenn sich nun auch noch die verbliebenen 1-2 Schwierigkeiten regeln lassen, wären Proben im kommenden Frühjahr möglich. Allerdings ist dies sowohl zeitlich, als auch finanziell noch immer sehr, sehr schwierig, und mit jedem weiteren Musiker würden diverse Probleme weiter anwachsen. Je kleiner das Line-Up letztlich sein kann, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es realisiert werden wird. Idealerweise wird natürlich jedes Instrument von einem Menschen auf der Bühne live gespielt, dann haben wir allerdings sehr viele Menschen auf der Bühne, und das ist leider unmöglich, aus mehreren Gründen. Die nötigen Kompromisse zu finden, ist einer der entscheidenden Aufgaben.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Danke für die Unterstützung!

20.11.2013

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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