Hatesphere
Hatesphere

Interview

Im Prinzip sind Interviews mit den dänischen Hoffnungsträgern von Hatesphere immer eine lustige Angelegenheit. Dieses Mal war mir aber nicht ganz so wohl bei der Sache, denn ich scheine einer der wenigen zu sein, der ihr neues Album "Ballet Of The Brute" nicht ganz so überzeugend findet wie der Rest der schreibenden Zunft. Im Zuge ihres Gastspiels in Köln als Support von Crowbar ging es nun auf Ursachenforschung, nachdem ich es mir mit dem ständig furzenden Sänger Jacob und Gitarrist und Dauergrinsebacke Peter im Biergarten des Underground gemütlich gemacht habe. Und die Moral von der Geschichte: Am Ende stinkt es und alle lachen.

HatesphereWie läuft das Touring zur neuen Platte bisher?

Jacob: Letzte Nacht haben wir unsere letzte Show als Support von Exodus in London gespielt. Diese Tour ist gut gelaufen. Es sind zwar nicht so viele Leute erschienen, wie wir uns erhofft hatten, aber wir hatten trotzdem eine Menge Spaß.

Ja, als ich einige Teile des Tour-Diary auf eurer Homepage gelesen habe, klang es nach einer guten Party.

Jacob: Wir hätten es Tour Diarrhoea nennen sollen! (eimert sich wieder weg) Im Ernst, die ersten drei Dates der Tour sind echt viele Metalheads gekommen. In Schweden hat es dann aber nachgelassen, bevor es in England und Deutschland wieder besser geworden ist. Und jetzt hängen wir hier in Köln und können die nächsten zehn Tage mit Crowbar touren.

Welche Erwartungen habt ihr an diese Tour, da ihr euch von Crowbar musikalisch doch etwas unterscheidet?

Jacob: Ich persönlich will eigentlich nur Crowbar sehen. Dass wir heute Abend spielen, ist mir ziemlich scheißegal. (erneut macht sich Gelächter breit) Wir dürfen wohl wieder nicht soviel Publikum erwarten, aber das ist ok.

Ihr macht mit dem Tourtross auch auf dem Pressure Festival halt, spielt dort aber nicht. Was schaut ihr euch an?

Jacob: Ja, ich werde abhängen und mir Hatebreed reinziehen.
Peter: Nein, auf keinen Fall Hatebreed.
Jacob: Doch, ich werde auf jeden Fall bei Hatebreed vor der Bühne stehen.

Kommen wir mal auf euer neues Album zu sprechen. Es scheint, als sei ich der einzige, der es nicht so überwältigend findet wie die ersten Alben…

Beide (fallen mir mit gespielt bösem Unterton ins Wort): Ja, wir haben es gelesen.
Peter: Ich dachte, wir wären Freunde. (beide lachen schon wieder los)

Könnt ihr mir erklären, warum mir „Ballet Of The Brute“ nicht so reinläuft wie „Bloodred Hatred“?

Jacob: Ja, ich weiß warum. Du liebst „Bloodred Hatred“, richtig?

Richtig.

Jacob: Deswegen hast du gehofft, dass das neue Album genauso wird.

Hmm…ich weiß nicht.

Jacob: Oder hast du etwa gehofft, dass wir den In Flames-Weg einschlagen? (tut bestürzt)

Nein, auf keinen Fall. Als ich „Release The Pain“, den neuen Track auf der EP gehört habe, habe ich noch gehofft, dass ihr nicht die Abzweigung in Richtung Soilwork nehmt. Das neue Album ist aber keinesfalls weichgespült, sondern durchweg hart. Aber die Riffs packen mich irgendwie nicht in der Gesamtheit, wie es bei „Bloodred Hatred“ der Fall war.

Jacob: Hör dir die Platte einfach 30 Mal an. Dann ist dir das auch egal. (lacht)

Ich habe es probiert. Einzig die Midtempo-Parts, also das groovige Zeug bläst mich wirklich weg. Aber bei den schnellen Sachen wird ein Song wie „Plague“ z.B. nie erreicht. Als ich dann die ganzen anderen Reviews gelesen habe, habe ich mich schon gewundert, dass ich fast der einzige bin, der so denkt.

Peter: Nein, musst du nicht. Mit unserem neuen Album sehen wir zum ersten Mal, dass die Leute etwas von uns erwartet haben. Nach unseren ersten beiden Scheiben hat eben jeder seine eigene Meinung, wohin wir uns entwickeln sollen. Wenn diese Entwicklung nicht die erhoffe ist, ist man eben enttäuscht wie du. Wäre „Ballet Of The Brute“ unser Debüt, würdest du wahrscheinlich ganz anders darüber denken.
Jacob: Und natürlich ist alles eine Geschmacksfrage.

Ich hoffe, dass es so kommt wie mit dem neuen Album von In Flames. Die Songs sind auf Platte solala, aber live treten sie Arsch.

Jacob (verwundert): In Flames treten live Arsch? Glaube ich nicht.
Peter (legt Streit-Ton auf): In Flames treten sehr wohl Arsch, Junge!

Zurück zum Thema: Ich würde sagen, euer neues Album weist weniger moderne Züge auf und dafür mehr straighte und harte Metaleinflüsse.

Jacob: Ja, es ist definitiv mehr Metal und wesentlich brutaler.
Peter: Und es gibt weniger melodische Parts. Aber wenn mal Melodien kommen, dann richtig. Mehr experimentelle Sachen sind auch drauf. Nimm mal „Only The Strongest“. Ein solch langsames Stück haben wir noch nie geschrieben.
Jacob: Dein Lieblingsstück auf „Bloodred Hatred“ ist doch „Disbeliever“, oder? Welcher ist dein Favorit auf „Ballet Of The Brute“?

Ratet doch!

Beide: „Only The Strongest“?
Jacob: Nein, Quatsch, „Last Cut, Last Head“!

Bingo!

Peter: Das ist unser Radiohit. (lacht)
Jacob: Ja, es ist ein guter Song, ich mag ihn sehr. Aber er spiegelt uns nicht wirklich wieder. Wir wollten ein facettenreiches Album machen, aber „Last Cut, Last Head“ ist nicht das wirklich Abbild von Hatesphere.
Peter: Nicht ganz, nein. Wir wollen mehr das schnelle, thrashige Zeug spielen. Aber was wären Hatesphere ohne Abwechslung? Deswegen auch die Groove-Parts.

Als ich „Deathtrip“ zum ersten Mal gehört habe, musste ich sofort an The Crown denken.

Peter: Den Song habe ich geschrieben und ich höre kein The Crown.
Jacob: Ich bin, glaube ich, der einzige bei uns, der diese Band mag. „Deathtrip“ hat deren Geschwindigkeit, richtig. Was unser neues Album angeht, haben aber die Leute zum ersten Mal gesagt, dass wir jetzt unseren eigenen Stil gefunden hätten. Die Vergleiche zu anderen Bands in den Reviews haben rapide abgenommen.
Peter: Ja, die ewigen Vergleiche mit At The Gates und In Flames sind diesmal so gut wie gar nicht gefallen. Ich mag beide Truppen, aber ich habe schon damals nicht verstanden, warum diese Parallelen gezogen worden sind.

Was steht hinter dem Titel „Ballet Of The Brute“? Warum Ballett?

Jacob: Weil wir alle schwul sind! (lachen sich beide wieder einen Ast, während Peter anfängt, mich zu betatschen) Diese Worte stammen aus einem Songtext. Wir haben diverse Titel im Auge gehabt, bis Peter über diesen Ausdruck gestolpert ist und ihn vorgeschlagen hat. Er passt gut zu unserem brutalen Songmaterial.
Peter: Außerdem wohnt ihm ein Widerspruch inne. Ballett und brutal, das passt nicht zusammen… (kuckt mich fragend an) Oder? Weißt du nicht, was ich sagen will? (erneut bricht Gelächter aus) Mist, ich kann halt Englisch nicht so gut.
Jacob: Nächste Frage bitte!

Was wolltet ihr mit dem superlangen EP-Titel „Something Old, Something New, Something Borrowed And Something Black“ bezwecken?

Jacob: Im Prinzip sagt dieser Titel alles über den Charakter der Songs auf der EP. Außerdem ist es ein schönes Wortspiel. Wenn du heiratest, musst du vier Dinge mitbringen: Something old, new, borrowed and blue. Wir haben das Blaue halt schwarz gemacht.

Mit den Coverversionen von Ozzy und Anthrax zollt ihr euren Helden Tribut?

Jacob: Na klar. Ich liebe Ozzy, ich liebe Anthrax. Viele Leute haben im Nachhinein gesagt, wir hätten „Bark At The Moon“ von Ozzy zerstört. Wir wollten ihn einfach nur in unser Soundgewand packen und unsere persönliche Version dieses Tracks machen, um ihm den Respekt zu zollen, den er verdient.

Was denkst du heute über ihn, wenn du The Osbournes auf MTV siehst?

Jacob: Das ist lustig. Gute Fernsehunterhaltung. Er ist nun mal einer meiner Helden. Deswegen ist mir egal, was da über die Schirme flimmert. Seine Musik zählt.

In Kürze spielt ihr auf dem Summer Breeze. Erwartungen?

Jacob: Uuuuh, das wird groß. Wir gehen nachmittags auf die Bühne und hoffen, dass viele Leute erscheinen werden. Das wird das größte, das wir bisher gespielt haben. Wir sind aufgeregt.

Kommen wir mal auf euer Heimatland zu sprechen…

Beide (fallen mir mal wieder ins Wort): Ja, wir werden Europameister! (das Interview wurde drei Tage vor ihrem Ausscheiden geführt, Anm. d. Verf.)

Ohoh, lass uns jetzt nicht über Fußball reden. Das gibt nur Ärger. Aber mal ganz nebenbei: Gestern hat doch England gegen Portugal verloren und ihr wart in London. Was ging da so ab?

Jacob: Bevor wir auf die Bühne mussten, haben wir in einem Pub noch Teile des Spiels gesehen. Die Atmosphäre war ziemlich gut. Zur zweiten Halbzeit mussten wir dann auf die Bühne.
Peter: Die Band, die vor uns dran war, kam aus Portugal. Das haben sie aber an diesem Abend verschwiegen. (lacht)

Zurück zu Dänemark: Glaubt ihr, ihr könnt Schweden irgendwann bei der rasanten Entwicklung in eurem Land von seinem skandinavischen Metalthron stoßen?

Jacob: Nein, das glaube ich nicht. Schweden war schon lange vor uns ganz oben und wird dies deswegen auch bleiben. Schweden hatte schon immer die Nase vorn, egal ob Pop, Rock oder Metal.
Mikael (der Bassist hat sich mittlerweile zu uns gesellt): Aber vielleicht bekommen wir irgendwann mal ein größeres Stück vom Kuchen ab.
Peter: Einige Bands aus Dänemark sind wirklich gut und können sich mit Schweden messen. Aber in der Gesamtheit gesehen hat Schweden mehr Qualität. Mir ist das alles aber ziemlich wurscht, solange wir mit Hatesphere unsere Leistung bringen.

Ihr habt mit Drummer Anders und Gitarrist Henrik zwei Neuzugänge im Line-up. Hat sich soweit alles eingespielt?

Peter: Hehe, die beiden sind gerade nicht da. Sollen wir lästern? (lachen beide wieder)
Jacob: Anders am Schlagzeug ist unglaublich. Sein Stil ist gänzlich verschieden von Mortens (ex-Schlagzeuger, jetzt bei Raunchy; Anm. d. Verf.). Anders ist mehr Rock n‘ Roll, mehr old-school, wilder. Das passt zu unserem neuen Album. Heinz (Spitzname von Henrik, Anm. d. Verf.) ist schon seit 1 ½ Jahren dabei und wir dissen ihn gerne. (lacht) Wir sind sehr glücklich mit dem momentanen Line-up.

Ist furzen immer noch euer größtes Hobby?

Jacob: Aber hallo! (und zum Beweis nimmt er mein Diktiergerät und drückt einen richtig lauten Furz ins Mikro)

Ich bedanke mich.

Beide: Nichts zu danken!
Jacob: Gott, ich muss scheißen.
Peter: Uuh, dann muss ich mich beeilen, dass ich vor ihm auf den Pott komme. Den Gestank hält man nicht aus. (alle prusten wieder los)

06.07.2004

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