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Interview mit Hanno zu "Death By Burning"

Interview

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„Death By Burning“ ist wie eine Liebeserklärung an den Weltuntergang. Verantwortlich für eines der frühen Highlights im Jahr 2014 ist das Hamburger Duo MANTAR. Wir schnappten und Hanno („Gesang“/Gitarre), um mit ihm über das Album, Vor- und Nachteile von Zweimann-Bands und den Begriff „Sludge“ zu diskutieren. Schubladen-Zwangsneurotiker können das Fenster an dieser Stelle aber schon einmal schließen!

 

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu „Death By Burning“. Meiner Review ist ja sicherlich zu entnehmen, dass mir das Album ausgesprochen gut gefällt. Aber da ihr quasi noch als Newcomer geltet, kannst du MANTAR unseren Lesern trotzdem kurz vorstellen? Einfach um die Formalitäten abzuhaken …

Wir kennen uns bereits seit 16 Jahren. Haben es allerdings erst jetzt geschafft, zusammen Musik zu machen. Irgendwann bot es sich an und dann war es beiden sehr schnell klar, dass es mit das Beste ist, was wir je gemacht hatten. Irgendwas in uns hat wohl darauf gewartet. Wir sind ein Duo. Ich, Hanno, an der Gitarre und „Gesang“ und mein guter Freund Erinc an den Drums. Die Band gibt es seit ca. eineinhalb Jahren und wir haben eine Platte aufgenommen, die interessanterweise einigen Leuten gut gefällt. Alles in Eigenregie und DIY.

Du hast mir mal erzählt, dass an euch auch einige namhafte Labels Interesse gezeigt haben. Schlussendlich habt ihr euch für Svart Records entschieden. Ohne jetzt auf einzelne Namen einzugehen, aber was hat schließlich den Ausschlag für Svart Records gegeben?

Ich hatte die Mail-Adresse von Tomi und habe ihm das Album anonym geschickt. Ein paar Tage später schrieb er zurück und meinte: „Ok, Let’s go!“ Genau so lief es übrigens auch mit einem anderen, deutlich größeren Metal-Label aus den USA, die als erstes ein Angebot abgegeben haben. Ich glaube, wenn man bei einem Label oder jeglichen Partnern „Überzeugungsarbeit“ leisten muss, oder gar betteln muss, dann nützt dir das nicht viel. Gerade für Musik wie unsere brauchst du Überzeugungstäter, die die Band verstehen und es wirklich cool finden. Ich meine, machen wir uns nichts vor. MANTAR werden nicht im Radio laufen und die Chancen damit ernsthaft Geld zu verdienen, sind recht gering. Uns persönlich ist das egal, aber für ein Label bleiben da nicht viele Argumente übrig, außer dass sie Fans sind. Uns war das Gefühl wichtig, dass bei dem Label keine Laberköpfe arbeiten, die dir nur Scheiße erzählen und nichts davon umsetzten. Svart hielt sich angenehm zurück und sagten, dass sie die Platte gerne rausbringen würden. Mehr nicht. Das war alles was wir wollten. Zudem ist der Deal fair und entsprach unseren Vorstellungen.

Um da gleich mal beim Thema zu bleiben. Ihr seid damit ja in einer komfortablen Situation gewesen, unzählige Bands würden mit Sicherheit von dieser Auswahlmöglichkeit träumen. Ist das für euch auch so etwas wie eine Bestätigung eurer Qualität, dass das Interesse auch von Labelseite vorhanden ist?

Ja, alles andere wäre gelogen. Aber bei den Aufnahmen der Songs war nicht sofort klar, dass es so gut werden würde. Wenn man dann jedoch soviel Feedback bekommt, von namhaften Labels, merkt man schnell, dass die eigene Arbeit eine gewisse Qualität haben muss. Auch eine Einladung zum Roadburn, nachdem man erst letzen Sommer seine erste Show gespielt hat, ist cool. Wir sind jedoch auch alt genug, uns darauf nichts einzubilden. Vor zehn Jahren hätte ich wie viele junge Bands sicher jeden Deal unterschrieben. Heutzutage war der Deal nicht mehr Beweggrund, eine Band zu gründen. Der anfängliche Plan war, ein Tape zu machen und vielleicht 50 bis 100 Kopien an unsere Freunde zu verteilen. Umso geiler, dass es nun auch Tapes geben wird. Aber eben auch CDs, Vinyl und eben ein gutes Label und eine weltweite Veröffentlichung. Nice to have. In der Tat.

Sinngemäß habt ihr in eurer Bandbio stehen: „Nennt es was ihr wollt, aber bitte nicht Sludge“. Was habt ihr denn gegen Sludge?

Sludge ist heutzutage ein sehr abstrakter Begriff geworden, unter dem ich mir zwar was vorstellen kann, aber welcher für mich kein zwangsläufiges Qualitätsmerkmal, wie vielleicht vor einigen Jahren mehr ist. Eher scheint es so wie ein „Label“, welches sich Bands aufdrücken, die eigentlich wenig eigene Soundvorstellungen haben, oder nicht um ihre Wurzeln wissen. Vielleicht auch einfach, weil sie keine haben. Man hätte bei Bandgründung einiger Sludge-Szenegrößen mal fragen sollen, ob sie „Sludge“ machen. Sie hätten dir sicher eher ihre Wurzeln benannt, als sich hinter einem Oberbegriff zu verstecken. Versteh mich nicht falsch, vieles was gemeinhin als „Sludge“ gilt, finde ich toll, hat aber nur bedingt was mit MANTAR zu tun. Weder Erinc noch ich haben je bewusst diesem Genre beigewohnt. Unsere harten Einflüsse kommen aus anderen Ecken und ehrlich gesagt kennen wir uns auch nicht sonderlich gut aus. Außerdem wollen wir auch kein spezielles Genre bedienen. Das wäre zu einfach.

Aber nein, mal ganz im Ernst: Die Limitierung auf eine Schublade würde auch meiner Meinung nach „Death By Burning“ nicht gerecht werden. Ihr habt ja auch ein bisschen Namedropping auf euren Internetpräsenzen geliefert, aber ist das wirklich nötig?

Nein, ich denke nicht. Leuten hilft es. Warum auch immer. Eigentlich arm, das manche Menschen Namedropping benötigen, um für sich selbst neue Bands zu legitimieren. Wir haben beide keinen sonderlichen „Szene-Background“ und haben selbigen auch nie gewollt bzw. gesucht. Wir freuen uns über jeden, der sich für die Platte begeistern kann. Scheißegal wie true oder wo einer herkommt. Ich glaube ehrlich gesagt sogar, dass die Platte das Potential hat, die Hörer vieler verschiedener harter Musik-Genres zu vereinen. Das würde mich sehr freuen.

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„Death By Burning“ ist ein sehr intensives Werk, bei dem es wirklich schwer fällt, positive Adjektive zu finden, die das Album nicht in einem falschen, ja irgendwie positiven Licht dastehen zu lassen. Ich hoffe du weißt was ich meine: Es ist packend, finster und ekelig. Nichts angenehmes, aber trotzdem hört man es sich „gerne“ an. Damit steht ihr sicher nicht allein und doch ist es ein spannendes Paradox, wie wirkt „Death By Burning“ denn auf dich und welche Stimmung soll es von eurer Seite beim Hörer auslösen?

Ich finde du hast es wunderbar beschrieben. Da sich diese Attribute von allein entwickelt haben und nicht von uns bewusst geplant wurden, kann ich nicht viel über eine vermeintliche Intention sagen. Wir haben das Album nicht mit der Absicht geschrieben, irgendwas Bestimmtes auszulösen. Hart sollte es sein. Nicht zwangsläufig schön, aber intensiv. Das trifft ebenfalls auf die Live-Shows zu. Ich höre die Platte nicht bewusst. Warum sollte ich auch, ich spiele sie ja schon immer live. Aber dabei verspüre ich einen angenehmen, jedoch durchaus destruktiven Rausch.

Ihr setzt ja durchaus auf einen gewissen Minimalismus, holt aber fast das Maximum aus der Besetzung Schlagzeug/Gitarre/Vocals raus. Gab es eine bewusste Entscheidung, nur als Duo zu firmieren? Welche Vorteile hält das für euch bereit und gibt es für dich auch Nachteile?
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Der größte Vorteil ist in der Tat, dass die Entscheidungswege kurz sind, ganz abgesehen davon, dass wir musikalisch eh ein und dieselbe Vision haben und MANTAR eben durch genau diese beiden Personen funktioniert. Für diese Besetzung haben wir uns entschieden, weil wir uns schon ewig kennen, es aber erst jetzt auf die Reihe bekommen haben, uns endlich auch musikalisch zusammenzufinden. Es war von Anfang an so geplant. Wären wir fünf Leute gewesen, zwischen denen diese Art von Magie besteht, wären wir sicher mehr in der Band. Aber es gab eben nur uns zwei und es bestand zu keinem Zeitpunkt die Idee, die musikalische Vision und rohe Energie zwischen uns beiden durch irgendwelche anderen „Mitglieder“, „Musiker“ oder „Bekannte“ zu verwässern. Obwohl dieses „Zwei-Mann-Ding“ nie ein Dogma war. Man soll uns nicht daran messen, ein Duo zu sein. Das würde dem nicht gerecht werden. Uns ist die Sache sehr wichtig, MANTAR war und wird nie ein „Projekt“ sein. Wir können nur eine Melodie/Riff zur Zeit anbieten. Das reicht jedoch auch mehr als aus. Ich glaube die Magie von MANTAR liegt darin, einen musikalischen Moment zu zelebrieren. Das reicht dem Hörer. Keiner feiert einen bestimmten Song einer Band, weil gerade 1000 Sachen gleichzeitig passieren. Es sind ganz besondere Momente, Passagen, Sounds oder Melodien. Wir versuchen, alles drumherum wegzulassen.

Ich denke, dass wir keine besonderen Anstrengungen brauchen, um mit größeren Bands mithalten zu können. Die Musik ist hart und gewalttätig. Es kann durchaus schlimmer sein, von zwei Typen mit ordentlich Wut im Bauch auf’s Maul zu kriegen, als von fünf, die sich ihrer Sache nicht sicher sind. Erinc ist für mich persönlich der beste und härteste Drummer, den es in diesem Land gibt und ich bin sehr stolz, mit ihm Musik machen zu dürfen. Ergo: Der Typ ist ’n Tier. Was er in den Armen hat, gleiche ich mit Bergen von Lautsprechern und Verstärkern wieder aus. Ich spiele ein sehr ausgeklügeltes Setup über mehrere Amps. Unter anderem eben auch Bassverstärker. Das, was du auf Platte hörst, klingt auch live so. Es ist dasselbe Equipment. Sprich, kein Netz und doppelter Boden. Es gibt kaum Dopplungen auf der Platte und eben auch keinen Bass. Wir wollten, dass die Platte so klingt, wie wir auch im Proberaum klingen. Wenn man weiß wie, kann man auch zu zweit echt abartige Sachen machen. Wir sind halt einfach sehr laut. Bisher hatten wir keine Beschwerden, dass wir nicht wuchtig genug klingen würden. Insgesamt kann man festhalten, dass es besonders darum geht, die Dinge, die man tut, ernst zu nehmen und vor allem ernst zu meinen. Dann kann man es mit jeder Band aufnehmen.

Inzwischen gibt es ja einige Bands mit lediglich zwei Mitgliedern und alle, die ich bisher auf der Bühne gesehen habe, hatten damit überhaupt keine Probleme. Ganz im Gegenteil fand ich es als Hörer sogar teils leichter, mich auf die Musik einzulassen, als von der ständigen Bewegung einzelner abgelenkt zu werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr habt ja schon ein paar Liveerfahrungen gesammelt, wie ist es für euch auf der Bühne?

Damit bestätigst du genau das, was ich eben ausgeführt habe. Ich denke, ein musikalischer Overkill ist unnötig, wenn du als Band gute Momente erschaffen kannst. Wenn du das nicht kannst, helfen dir auch acht Bandmitglieder nichts. Auf der Bühne läuft es gut. Wie oben erwähnt spielen wir das gleiche Setup wie auf Platte. Das ist schweinelaut und macht Alarm für zehn. Ohne Scheiß, keine Sorge. Im Normalfall stehen wir auch nicht vor- oder hintereinander sondern nebeneinander, einander zugedreht. Sprich wir haben Blickkontakt beim Spielen und die Leute sehen uns von der Seite. So spielen wir seit Tag 1. Es unterstreicht den meditativen Moment und die Einheit von uns beiden. Selbiges ist zu zweit viel leichter zu erreichen als mit vielen Musikern auf der Bühne. Man kann fast von einer gewissen Intimität sprechen.

Und zum Abschluss, welche Alben laufen aktuell bei den MANTAR-Mitgliedern? Gibt es aktuell besonders warme Empfehlungen von eurer Seite?

ORANSSI PAZUZU – Valonielu (Labelmates von SVART)

KAMPFAR – Djevelmakt

ELDERWIND – ?????????? ????? ??????? (atmospheric BM aus Russland)

MELVINS – Das gesamte Frühwerk

AC/DC – grundsätzlich IMMER alles.

Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören selbstverständlich dir!

Wir haben zu danken. Metal.de, und grundsätzlich allen anderen da draußen, die unsere Platte kaufen und die Band für sich entdecken. Das Feedback, welches wir aus aller Welt bekommen, ist unfassbar und wir sind mehr als dankbar. Wendet euch gern an uns, wenn ihr Merch, 7-Inches, oder sonst was von uns wollt.

Galerie mit 11 Bildern: Mantar - MetalDays 2018
12.02.2014

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