Memory Garden
Gitarrist Simon zum neuen Album

Interview

Memory Garden

Die schwedischen Doomster MEMORY GARDEN haben mit ihrem aktuellen Album “Doomain” eine starke Veröffentlichung vorzuweisen. Wir unterhielten uns mit Gitarrist Simon Johansson über die neue Platte, warum es so lange gedauert hat, das Album zu veröffentlichen, den Einfluss von Produzent Dan Swanö und die fünf besten Doom-Metal-Alben aller Zeiten.

Memory Garden

Hallo Simon. Wie geht es dir?

Hey Colin, mir geht es gut. Danke der Nachfrage.

Glückwünsche zu eurem neuen Album. Seid ihr zufrieden mit „Doomain“?

Danke. Ich bin sehr zufrieden damit. Nachdem wir lange und hart an dem Album gearbeitet haben, merken wir endlich, dass das Endprodukt bei den Fans ankommt, und extrem viel Spaß hat es natürlich auch gemacht. Es ist immer toll, ein neues Album in den Händen zu halten und die Resultate harter Arbeit zu betrachten. Diesmal hatten wir durch Metal Blade außerdem sogar die Gelegenheit, eine Vinyl-LP zu veröffentlichen, was wir bisher noch nie getan haben. Das ist für mich eine Art Kindheitstraum, richtig cool! Als Gastmusiker bei EDGE OF SANITY auf dem Album “Crimson II” gab es für mich schon einmal eine Veröffentlichung auf Vinyl, aber eben nur als Gast. Dieses Mal ist es das Album meiner eigenen Band!
Musikalisch betrachtet übertrifft das Album sogar unserer Erwartungen. Wenn man mitten in den Aufnahmen steckt, hat man eine verzerrte Perspektive auf ein Album und man kann nicht wirklich sagen, ob es im Ganzen gut oder schlecht ist. Man ist so sehr in den Prozess vertieft, dass man nicht mehr objektiv sein kann. Selbstverständlich merkt man, ob etwas scheiße oder auf einem guten Weg ist. Aber erst wenn man etwas Abstand zur Aufnahme bekommt, kann man erst wirklich überblicken, was dabei rausgekommen ist. Jetzt kann ich behaupten, sehr zufrieden mit dem Ergebnis zu sein!

Auch wenn es in der Doomszene üblich scheint, sich zwischen zwei Veröffentlichungen recht lange Zeit zu lassen, warum hat “Doomain” so lange auf sich warten lassen?

Es gibt viele Gründe für die Zeitspanne. Zunächst einmal haben wir uns nach der Veröffentlichung von “Carnage Carnival” etwas Zeit für das Touren genommen. Während dieser Zeit haben wir gar nicht an einem neuen Album gearbeitet. Außerdem haben alle von uns noch andere Projekte, für die sie entweder im Studio oder auf der Bühne standen, ich zum Beispiel mit WOLF und BIBLEBLACK. Hinzu kam, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt bei unserem damaligen Label nicht mehr so wohl fühlten. Wir waren damals bei einem kleinen Label namens Vic-Records unter Vertrag, für das es in einem harten Geschäft wie der Musikszene zunehmend schwerer wurde, unsere Alben zu finanzieren. Das bekamen wir zu spüren, auch wenn wir uns bei Vic immer gut aufgehoben und behandelt fühlten. Uns kam zu Ohren, dass es für Fans schwierig gewesen wäre, unsere Musik zu bekommen oder teilweise gar nichts von einer neuen Platte wussten. Von daher mussten sich unsere Wege trennen, da wir andere Ansprüche an das nächste Album hatten als die Plattenfirma Möglichkeiten. Ein neues Album sollte es aber erst geben, wenn wir den passenden Partner gefunden hatten. Im Verlauf des letzten Jahres sprach ich dann mit Andreas von Metal Blade darüber, dass wir einiges an neuem Material erarbeitet hatten – wir nahmen in der Zwischenzeit ein Demo mit “Doomain” und “Violate & Create” auf – und nach einem neuen Label suchten. Wir hatten bereits eine gute Beziehung zu Metal Blade als wir damals “Verdict of Posterity” und “Mirage” mit dem Label aufgenommen hatten und da Andreas offenbar gefiel, was er zu hören bekam, ergab sich eine erneute Zusammenarbeit zwischen MEMORY GARDEN und Metal Blade. Darüber mussten wir nicht zweimal nachdenken. Nun hatten wir ein eindeutiges Ziel vor Augen, dessen Realisation wir aber auch dort nicht übers Knie brechen wollten. Das machte alles sehr angenehm, obwohl wir uns für die nächste CD nicht ganz so viel Zeit lassen wollen.

Meiner Meinung nach schafft es “Doomain” eine große Bandbreite an Emotionen zu präsentieren. “A Diabolical Mind” ist eher düster, wohingegen Songs wie “Daughters Of The Sea” und allen voran der Titeltrack die typische Doom Metal Atmosphäre versprühen. Die Melodie von “Latent Lunacy” klingt schon fast fröhlich. War das von euch beabsichtigt oder eher Zufall?

Nein, geplant war das nicht. Wir schreiben die Songs immer gerade so, wie sie kommen, und wenn sie gut sind, dann werden sie ausgearbeitet. Bei unserer Musik sind Emotionen aber dennoch ein wichtiger Bestandteil. Das ist wohl der Inbegriff von Musik wie ich sie verstehe.

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Wie viel von Dan Swanö steckt in “Doomain”? Er war in erster Linie Produzent, aber gab er euch auch Ratschläge für das Songwriting?

Dan konnte uns organisatorisch sehr viel helfen. Da ich in Stockholm lebe und der Rest der Band in Kumla, einer etwa zwei Autostunden entfernten Stadt, wo wir auch proben, musste die Band und das Studio ‘Annoying Sound Factory’ erst einmal zusammengebracht werden. Dan bereitete das Studio für die Aufnahmen vor, danach haben wir aber alles selbst gemacht. Der Hauptteil des Albums spielten wir bei ‘Annoying Sound Factory’ ein, in meinem eigenen Studio ‘SolnaSound Recording’ nahm ich die Lead-Gitarre und noch ein Paar Extraspuren auf. Mike Wead half mir dabei bei einigen technischen Dingen, damit ich mir darum keine Sorgen machen musste und mich ganz auf das Spielen konzentrieren konnte. Das fertige Packet schickten wir dann an Dan, der das Mixen und Mastern in seinem Studio ‘Unisound’ übernahm. Auf die einzelnen Songs an sich hatte er keinen Einfluss.

In meinem Review zu “Doomain” habe ich MEMORY GARDEN als stilmäßig zwischen den Stühlen sitzend beschrieben. Wo würdet ihr eure Band verorten, eher in der Nähe zu Power oder Doom Metal?

Ich muss zugeben, dass wir einige Stilrichtungen und verschiedene Elemente in unserer Musik kombinieren. Trotzdem schlägt mein Herz eher für den Doom Metal. Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich nicht so recht, in welche Schublade unsere Musik passt, und wir machen uns auch nicht allzu viele Gedanken darüber. Das ist uns nicht wichtig. Wenn ein Song gut ist und zu MEMORY GARDEN passt, kommt er auf die Platte, unabhängig vom Stil, nach dem er sich anhört. Dass andere Leute auch ihre Schwierigkeiten damit haben, einen Stempel für MEMORY GARDEN zu finden, haben wir mitbekommen. Entweder spielen wir zu schnell, um noch Doom zu sein, oder sind zu langsam für Power Metal. Ich würde es einfach Doom mit Metaleinschlag nennen! (lacht)

Welches Genre ist dir persönlich das liebste?

Ich bin mit traditionellem schwedischem Doom à la CANDLEMASS aufgewachsen. Das hat mich geprägt und daran hängt mein Herz. Also muss ich eine Lanze brechen für Swedish Epic Doom Metal!

Man muss “Doomain” ein paar Mal hören, bis man alle Facetten erfasst. Denkst du, das ist ein positiver oder negativer Aspekt?

Für mich ist das etwas Positives und etwas, das alle unsere Alben auszeichnet. In meinen Augen hat man wesentlich mehr von einem Album, das mit jedem Mal hören etwas Neues bietet. Man hat sehr viel mehr Spaß an jedem Detail, das auftaucht, und möchte es wieder und wieder hören, sobald es zu Ende ist. Andererseits sehe ich aber die Gefahr, die dahinter steckt. Nicht jeder hat Zeit und Lust sich so sehr auf ein Album einzulassen. Heutzutage muss doch alles schnell und einfach sein, und die Leute sind einfach zu faul, Dingen eine Chance zu geben. Für uns ist es aber trotzdem stets wichtig, in unserer Musik einen Haufen Details und unterschiedliche Eben zu haben.

Wie wichtig sind für euch die Texte auf “Doomain”? Gibt es ein bestimmtes Konzept, das dahinter steht? So etwas und die damit verbundenen Emotionen sind ja nicht unwichtig im Doom Metal.

Die Texte sind ein sehr wichtiges Element der Platte, und wir versuchen immer mit jedem Song eine kleine Geschichte zu erzählen. „Doomain“ ist kein Konzeptalbum, aber alle Texte setzten sich mit dunklen Aspekten wie Tod, Wahnsinn oder anderen genretypischen Themen auseinander. Diesmal kam noch hinzu, dass wir ziemlich viel über Kulte und Sekten, die Gedanken und Handlungen anderer Menschen kontrollieren, geschrieben haben. Es hat uns dabei fasziniert, wie Leute in Situationen geraten können, in denen sie der fremden Kontrolle von jemand voll und ganz ausgeliefert sind.

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Während der letzten Jahre ist die Doomszene wieder verstärkt in den Blickpunkt der Metalheads gerückt. Wie beurteilt ihr die momentane Entwicklung? Einerseits führte das Interesse dazu, dass wieder mehr Bands diesen Stil für sich entdeckten. Andererseits mussten Festivals wie das “Doom Shall Rise” eingestellt werden, da es zu viel Konkurrenz gibt.

Auch wenn wir für ein paar Jahre selten live auf der Bühne standen, haben wir trotzdem die zahlreichen Festivals mitbekommen, auf denen hauptsächlich Doom zu hören ist. Ich finde das wirklich großartig! Dass es “Doom Shall Rise” nicht mehr geben wird, habe ich nicht mitbekommen und macht mich auch etwas traurig. Wir waren einmal auf dem Festival zu Gast, und es war wirklich gut. Die dortige Atmosphäre und das familiäre Beisammensein auf dem Festival ist etwas, das nur schwer zu finden ist.
Vor einigen Monaten sprach ich noch mit dem Veranstalter über einen möglichen Auftritt von MEMORY GARDEN im nächsten Jahr. Es ist sehr schade zu hören, dass es wohl nicht zustande kommen wird.
Genrell macht mich das verstärkte Interesse am Doom Metal aber sehr glücklich. Auch wenn ich mich nicht mit allzu vielen Bands und den neusten Entwicklungen der Szene beschäftige, finde ich es trotzdem super, dass das Genre Zulauf hat.

Also hörst du dir keine Newcomer im Doom Metal an? Nichts, dass dir einfällt, das in die Fußstapfen von CANDLEMASS oder anderen Bands passt?

Oh, nicht wirklich. Ich höre mir überhaupt keine neue Musik an. In den letzten Jahren war ich so sehr mit meiner eigenen Musik beschäftigt, dass ich weder Zeit für noch Interesse an neuen Bands hatte. Ich höre mir meine All-Time-Faves wie CANDLEMASS, KATATONIA, OPETH, RAINBOW etc. an, aber kaum neue Sachen. Das Einzige an neuem Doom, das ich in letzter Zeit gehört habe, ist die Musik einer Band namens GOATESS – die Gruppe eines Freundes aus Stockholm. Was einen adäquaten Nachfolger von CANDLEMASS angeht, könnte ich MEMORY GARDEN anbieten! (lacht)

Wie würdest du die Musik von MEMORY GARDEN einem Hörer beschreiben, der noch nie etwas von euch gehört hat?

Vieleicht als eine Mischung aus CANDLEMASS und den späten TAD MOROSE. Wir spielen harte Musik, die unterschiedliche Stilelemente verknüpft. Dabei kommen aber auch Melodien und Emotionen nicht zu kurz. Was am Ende daraus entsteht, ist MEMORY GARDEN. Wir wollen euch auf eine kleine Reise der Gefühle mitnehmen, auf schöne und dunkle Art und Weise zugleich.

Die fünf besten Doom Metal-Alben sind…

CANDLEMASS – Nightfall
CANDLEMASS – Epicus Doomicus Metallicus
MEMENTO MORI – Life, Death And Other Morbid Tales
MEMENTO MORI – Rhymes Of Lunacy
KATATONIA – The Great Cold Distance (Dabei bin ich mir aber nicht sicher, ob das wirklich zu Doom Metal zählt)

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Wie werdet ihr euer neues Album supporten? Werdet ihre eine komplette Tour spielen?

An diesem Wochenende steht erst einmal unsere Release-Party in Örebro in Schwerden auf dem Programm, wo es auch einen Live-Auftritt geben wird. Hoffentlich gibt es danach noch ein Paar mehr Konzerte oder eine kleine Tour. Bisher steht noch nichts Konkretes fest, aber wir haben uns mit der englischen Booking-Agentur ‘Factory Music’ zusammengetan, was hoffentlich gute Resultate bringen wird. Leider befürchte ich, dass wir für die Sommerfestivals schon ein wenig spät dran sein werden. Das ist nicht so gut, zumal es eine gute Werbung für das neue Album wäre.

Die letzten Worte gebühren dir, Simon. Gibt es irgendetwas, das du gegenüber unseren Lesern noch loswerden möchtest?

Ich hoffe, ihr gebt “Doomain” eine Chance! Wenn ihr die anderen Alben von MEMORY GARDEN mochtet, werdet ihr mit Sicherheit auch Spaß am neuen haben. Neulinge, die ihr aber Fans von CANDLEMASS, TAD MOROSE oder MEMENTO MORI seid, hört rein!
Abgesehen davon hoffe ich, dass wir unserer alten Ärsche in den Tourbus bekommen, denn wir haben total Bock für euch zu spielen! Wir werden uns bald sehen!
Stay Doomed!

Danke für das Interview, Simon.

Danke Colin, es war mir ein Vergnügen!
Cheers, Simon

29.04.2013

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