Skálmöld
Klischee-Alarm! Landeskunde mit den Isländern

Interview

Das wären meine Klischees gewesen. Habt ihr noch welche parat, die ich vergessen habe?

Jemand: Das ist eine gute Frage.

Deshalb stelle ich sie ja.

Snæbjörn: Also ich hoffe, das lässt jetzt langsam nach, aber für eine Weile kannten alle nur BJÖRK und SIGUR RÓS. Und die Leute dachten wohl, dass wir alle Elfen sind.

Jón: Statistisch gesehen sind von einer Million Isländern drei BJÖRK.

Bitte was?

Jón: Es gibt 33000 Isländer. Also sind bei einer Million drei davon BJÖRK.

Jemand: Macht Sinn.

Danke fürs Nachrechnen.

Baldur: Ich glaube, eines der größten Klischees ist auch, dass wir nicht wissen, wie wenig wir in der Welt bedeuten und denken, dass wir alles erobern können. Dass wir irgendwie einfach vergessen, wie klein wir sind.

Mal ein paar andere Island-Fragen. Wie ist die isländische Metalszene so „von innen“? Von außen betrachtet kommt sie einem sehr breit aufgestellt für ein so kleines Land vor.


Thráinn:
Der Szene geht es wirklich gut. Weil wir das Gefühl haben, dass das, was wir machen, wichtig ist. Und weil wir das machen, was uns gefällt. Wir unterstützen uns auch alle gegenseitig, weil es so wenige von uns gibt. Du hast kein semi-großes Black Metal-Publikum und semi-großes Power Metal-Publikum, sondern alle halten zusammen. Wenn ein Black Metal-Konzert ansteht, geht man da hin, um das zu unterstützen.

Jón: Und normalerweise sind auch alle in mehreren Bands und spielen Musik aus drei verschiedenen Genres, die garnicht alle Metal sein müssen.

Björgvin: Da stimme ich zu. B-Unit 2.

Autogrammstunde mal anders. Baldur am metal.de-Stand.

In eurer Erfahrung, wie unterscheiden sich die verschiedenen Metalszenen international? Ihr habt ja schon einige miterlebt.

Baldur: B-Unit hier. Ich würde sagen, dass das Publikum an einem bestimmten Ort eine Menge über die Mentalität der Bevölkerung aussagt. Natürlich haben alle die gleichen Interessen gemeinsam und daher ähnelt es sich überall, aber die Mentalität kann schon sehr unterschiedlich sein. Ich habe den Eindruck, dass die Leute in Osteuropa einfach komplett durchdrehen. In Island, oder Skandinavien, sind wir ein wenig entspannter. Die Grundlage ist die gleiche und wir mögen die gleichen Dinge, aber wir gehen da etwas anders ran.

Allgemeine Zustimmung

Thráinn: Ich denke, es hat damit zu tun, dass es in Skandinavien so viele Konzerte gibt, wo man hin kann. Wir haben zum Beispiel in Rumänien gespielt, die haben da nicht so viele. Die sind da also voll dabei.

Björgvin:
Ich glaube, je ärmer das Land, desto begeisterungsfähiger sind die Fans. Die müssen für ein Ticket wirklich investieren. Die haben nicht so viel Geld wie Leute in Nordeuropa und müssen wirklich sparen, um zu einem Konzert gehen zu können.

Du meinst, sie wissen es mehr zu schätzen?

Jemand: Auf eine andere Weise. Es ist ein größerer Teil ihres Lebens.

Gunnar (der wegzunicken droht): Sie kommen mit dem festen Entschluss da hin, Spaß zu haben.

Jemand: Gunnar spricht.

Jemand anders: Ja, aber gerade noch so.

Allgemeines Gelächter

Würdet ihr sagen, dass es beim isländischen Metal eine Art Alleinstellungsmerkmal gibt?

Baldur: B-Unit. Die Leute sagen uns immer, dass isländische Bands diesen „isländischen Sound“ haben. Also gibt es den wahrscheinlich, wenn das alle sagen. Wir denken da aber nicht wirklich drüber nach, oder versuchen, daraus ein Ding zu machen.

Thráinn: Vielleicht ist das wieder diese Sache mit der Vielfalt, über die wir geredet haben. Weil wir so viel Musik mit Leuten aus anderen Genres machen, die andere Arten von Musik mögen, und wir alles irgendwie mischen.

Mit dem Teil wäre ich durch. Euer Kommentar zu diesem Interview?

Baldur: B-Unit hier. Sehr guter Stoff.

Gute Antwort.

Gunnar: Gunnar hier. Mir hat der Teil mit dem Namen oder Codenamen sagen, wenn man was Interessantes zu sagen hat, am besten gefallen.

Jemand: Das sollten wir immer machen.

Bei der Bandprobe zum Beispiel.

Gunnar: Ja, oder einfach im Leben. „Gunnar hier, ich würde gerne sagen, dass…“

Allgemeines Gelächter

Jón: Das ist wie eine Umkehrung dessen, was Leute machen, die immer deinen Namen sagen, wenn sie mit dir reden. „Oh, Thráinn, ich wollte nur sagen…“

Das war übrigens Jón, der seinen Namen in diesem Interview kein einziges Mal genannt hat.

Jemand klatscht. Jón versucht, noch etwas zu sagen, wird dann aber vom Hohn der anderen und von Gelächter übertönt

Jón: Jetzt sag ich garnix mehr (Pause) Jón Geir hier.

Noch mehr Gelächter und Applaus

Jón: Ich glaube, ich hab meinen Namen mal gesagt.

Jemand: Aus Versehen.

Jemand anders: Ja, wahrscheinlich.

Noch jemand anders: Das hat Spaß gemacht.

Danke! Habt ihr jetzt noch was loszuwerden?

Thráinn: Also, für mich war es schon immer toll, in Deutschland zu spielen, aber auf dieser Tour war es besonders toll. Das Publikum war viel größer, als ich erwartet hatte, und die Shows hier in Deutschland waren wirklich, wirklich, wirklich gut. Ich bin also glücklicher, als ich erwartet hatte.

NOCH glücklicher, als du erwartet hattest?

Thráinn: Ja! (mit dramatisch verstellter Stimme:) Thráinn hat gesprochen.

Gunnar: Gunnar hier. Es wäre echt unangenehm, zu spielen, wenn da keine Leute wären. Also danke!

Danke euch, Jungs!

Analog zum SKÁLMÖLD Interview hat übrigens auch ein Finnland-Interview mit OMNIUM GATHERUM stattgefunden.

Seiten in diesem Artikel

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Quelle: Skálmöld (alle)
25.11.2017

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