Sorcerer
Es macht uns alle demütig und uns dieser enormen Bedrohung bewusst, die aus dem Nichts entstehen kann!

Interview

Mit ihrem letzten Album „The Crowning Of The Fire King“ brachten SORCERER eines der stärksten Epic Doom Metal-Alben des Jahres 2017 raus und etablierten sich endgültig als feste Größe in der Szene. Das neue Album „Lamenting Of The Innocent“ setzt dem nochmal einen drauf, indem es nicht nur sämtliche Stärken von SORCERER bündelt, sondern mit neuen Facetten die Klangwelten zusätzlich bereichert. Die Schweden haben sich nochmals weiterentwickelt und das beste Album ihrer bisherigen Karriere erschaffen, das die Messlatte ganz schön weit hoch hängt. Wir sprachen mit Sänger Anders Engberg im Interview!

Sorcerer Lamenting Of The Innocent

Sorcerer Lamenting Of The Innocent

 

Ihr habt ein neues Album namens „Lamenting Of The Innocent“ veröffentlicht. Es ist ein Konzeptalbum über die Inquisition und Hexenjagd. Bitte erzähl uns mehr über das Konzept hinter dem Album und die Texte!

Das Album dreht sich um das Buch „Hexenhammer“ bzw. „Malleus Maleficarum“ von Heinrich Kramer. Es ist ein konzeptionelles Album, aber die Songs sind nicht in chronologischer Reihenfolge, so dass keine Geschichte durch das Ganze läuft. Jedes Lied steht für sich und wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben.

Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Konzept gekommen? Was fasziniert dich an diesen Themen? Wie hast du dich auf das Schreiben der Texte vorbereitet? Gibt es eine Botschaft, die du erzählen möchtest? Und wie ist die Verbindung zum heutigen Tag? Was können wir daraus lernen?

Ich war schon immer fasziniert von Gut gegen Böse. In der Religion finde ich das sehr klar und sehr zwingend, darüber zu schreiben. Für mich ist es auch wichtig, dass der lyrische Inhalt eng mit der Musik und der Atmosphäre verbunden ist, die wir versuchen, in die Musik einzubauen. Ich bin Atheist, daher ist dies für mich nur Fiktion, aber natürlich enthält der Inhalt einige Fakten. Die Botschaft, die wir zu vermitteln versuchten, ist, dass all diesen Frauen, einige waren auch Männern, die zu diesem Zeitpunkt aufgrund dieses Buches und der Kirche umkamen, eine große Ungerechtigkeit angetan wurde. Ich denke, dass die heutige Kirche ihre Macht über die Menschen verloren hat, wir sind nicht solche Analphabeten wie früher und wir haben größere Gemeinden, nicht nur kleine Dörfer in der Wildnis, was meiner Meinung nach auch einen großen Anteil daran hat. Ein großes Thema zum Analysieren.

Die Besetzung in SORCERER hat sich geändert. Was waren die Gründe dafür, was kannst du uns über eure neuen Bandmitglieder Justin Biggs und Richard Evensand erzählen und wie ist das Bandfeeling? Welchen Einfluss hatten die beiden auf „Lamenting Of The Innocent“?

Der Grund, warum Justin Biggs der Band beigetreten ist, ist, dass Johnny Hagel beschlossen hat, einen Schritt zurückzutreten und sich auf das Schreiben von Musik zu konzentrieren und sich mit anderen Sachen zu beschäftigen, die mit der Band zu tun haben. Justin ist ein großartiger Typ und hat sich auf wirklich gute Weise in die Band hineingewachsen und sowohl Musik als auch Texte geschrieben. Ricky ist zurück und wir sind sehr glücklich. Tatsächlich ist er bei uns, seit das „The Crowning Of The Fire King“-Album veröffentlicht wurde, also ist er nicht so neu, aber dies ist das erste Album, auf dem er spielt, und die Art, wie er es macht, ist erstaunlich. Ich denke, die Wirkung der beiden anderen Alben war enorm. Wir sind heute eine sehr solide Gruppe von Leuten mit besseren musikalischen Fähigkeiten als zuvor. Innerhalb der Band herrscht eine großartige Chemie.

Musikalisch zeigt das neue Album immer noch eure typischen Markenzeichen im Stil des Epic Doom Metals, geht aber viel weiter als seine Vorläufer. Mehr Heavy Metal, aggressiver, progressiver, sogar einige Growls. Wie beurteilst du euer neues Album, wo siehst du die Unterschiede zu euren vorherigen Arbeiten? Was hat euch inspiriert und wie siehst du die musikalische Entwicklung von SORCERER, die zu „Lamenting Of The Innocent“ führte?

Wir wollten ein abwechslungsreiches Album machen, einer der Gründe war die konzeptionelle Sache, wir brauchten einige schnelle Songs, einige langsame Songs und einige große epische Songs, damit es funktioniert. Wir wollten, dass der Sound eine Mischung aus den beiden ersten Alben, den großen Drums von „In The Shadow Of The Inverted Cross“  und der tighten Produktion von „The Crowning Of The Fire King“ ist. Ich denke, wir haben es genau getroffen und wir sind sehr glücklich darüber, wie das Album klingt. Wir hatten auch wie gesagt die neuen Mitglieder, die sich auch auf den Sound und das Songwriting auswirkten. Ich denke, all diese Aspekte haben das Album zu dem gemacht, was es ist. SORCERER wird niemals in seiner Form stehen bleiben, wir wollen uns stetig weiterentwickeln, wie wir klingen, wie unsere Songs geschrieben werden, ohne dabei aber den typischen SORCERER-Sound zu verlieren.

Wie wurden die neuen Songs geschrieben und wie haben sich die im Laufe der Zeit entwickelt und verändert?

Wir verwenden immer den gleichen Prozess. Diejenigen, welche die Musik schreiben, machen das in ihren Heimstudios und die Demos werden auf Dropbox veröffentlicht, wenn sie bereit sind. Dies ist dann der Moment, an welchem ich und unser Co-Produzent Conny Welén, übernehmen und anfangen, uns in die Arrangements und Melodien einzumischen. Wenn wir das Gefühl haben, etwas Gutes zu haben, präsentieren wir es den Jungs und wir drehen und wenden und optimieren die Songs zusammen bis zu dem Punkt, was wir dann als Perfektion empfinden. Nach all dem beginnt die Aufnahme und alles muss noch einmal gemacht werden. Es ist viel Arbeit hinter einem Album.

Wie wichtig ist dir musikalische Freiheit und Entwicklung?

Es ist wirklich wichtig, aber es ist auch wichtig, die Grenzen des SORCERER-Sounds nicht zu überschreiten, obwohl wir das Gefühl haben, dass wir heute mehr Metal als Doom sind.

Für den Song „Deliverance“ hatten ihr Gastauftritte von CANDLEMASS-Sänger Johan Langquist und Cellist Svante Henryson, die diesen Song so besonders machen. Was führte zu der Idee für dieses Lied und wie kamt ihr auf die Idee mit den beiden Gästen? Wie war es mit ihnen zu arbeiten?

Als ich und Conny die Melodien für „Deliverance“ beendeten, hatte ich das Gefühl, dass dieses Lied perfekt für ein Duett war. Johan ist seit über 30 Jahren ein Freund von mir. Ich habe in meinen frühen Jahren mit seinem kleinen Bruder in einer Band gespielt. Als ich ihn fragte, sagte er sofort zu! Svante ist ein Meister und ich hatte das Vergnügen, sein Cello auf einem Song meiner alten Band LION’S SHARE zu haben, also dieselbe Antwort von ihm, als die Frage kam, ich bin sehr glücklich.

Also – wer ist für dich DER Sänger in CANDLEMASS und warum?

Das ist leicht – Johan! Er hat einen ganz besonderen Klang in seiner Stimme, ich liebe es. Der Ausdruck, eigentlich alles an ihm, ha ha!

Ihr habt das Album selbst produziert, zusammen mit Ronnie Björnström zum Mischen und Mastern und Conny Welén als zusätzlichen Songwriter. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den beiden?

Sowohl Conny als auch Ronnie sind Teil unseres Sounds und ich denke nicht, dass es ohne sie dasselbe wäre, sie haben einen großen Einfluss auf uns.

Seit Anfang des Jahres wirft die Coronakrise ihren Schatten auf uns alle. Wie ist die aktuelle Situation in eurer Region, wie ist die Situation für SORCERER? Was denkst du, wie sich sich unser Leben nach dieser Krise verändern wird?

Nun, wir hätten nie gedacht, dass so etwas jemals passieren würde. Es macht uns alle demütig und uns dieser enormen Bedrohung bewusst, die aus dem Nichts entstehen kann. Die Welt wird danach nicht mehr dieselbe sein, auf gute Weise hoffe ich, dass solche Dinge in einem früheren Stadium gestoppt werden können. In Schweden dreht sich immer noch alles, nichts ist geschlossen außer den Universitäten und Gymnasien. Wir müssen Richtlinien befolgen, und solange wir das tun, denke ich, werden wir unser Land so weit wie möglich am Laufen halten. In der Band sind alle gesund und munter.

Diese Plage scheint auch ein „gutes“ Thema für Doom-Metal-Bands zu sein…

Ich habe es eigentlich ziemlich satt, ich denke wir brauchen Sachen, die uns für eine Weile auf eine Reise an einen anderen Ort mitnehmen. Deshalb solltet ihr unsere neue Platte kaufen und anhören haha!

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

SORCERER sind entschlossen, so schnell wie möglich zurückzukommen und wieder Fahrt aufzunehmen. Wir können es kaum erwarten, wieder Konzerte zu spielen und unsere neuen Songs für alle unsere Fans zu spielen. Bleibt sicher und bleibt heavy!

Galerie mit 15 Bildern: Sorcerer - Leafmeal Festival 2015
25.05.2020

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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