The Ocean
Die Macht des Zufalls

Interview

Weil du vorhin von einem verlorenen Lineup gesprochen hast, hat sich dieser Prozess des Verlierens abgezeichnet von Weitem?

Wir sind es immer schon gewohnt gewesen, dass wir alle nicht in derselben Stadt gewohnt haben und dass wir, wenn wir proben wollten, dann mussten wir uns dazu verabreden. Verabreden heißt Flüge buchen letztendlich. Das ist eigentlich die letzten Jahre immer so gewesen, wobei Paul [Seidel], David [Ramis Åhfeldt] und ich und später dann auch Loïc am Ende in Berlin gewohnt haben, ganz am Ende. Aber Matthias [Hägerstrand] hat immer in Stockholm gewohnt und tut das auch immer noch. Insofern waren wir nie eine Band, die jede Woche geprobt hat, sondern wir mussten uns dazu immer verabreden. Und um auf deine Frage zurückzukommen, das hat sich auf jeden Fall abgezeichnet.

Ja, das war jetzt für mich schon gewissermaßen ein Schock, als es dann kam, aber andererseits auch nicht, weil es hat sich abgezeichnet. Wir waren einfach in eine Sackgasse geraten irgendwie und wir haben einerseits immer bessere, größere Shows gespielt und mehr getourt und andererseits hat es aber irgendwie nicht mehr so richtig gezündet, zumindest für einige von uns. Und unser persönlicher Umgang mit dem Touren war, glaube ich, recht unterschiedlich und das liegt auch einfach daran, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Möglichkeiten und Toleranzen haben bezüglich Stress und einfach dem Pensum, was man halt gerne touren möchte und kann.

Und da waren wir uns einfach nicht mehr einig. Das war auf jeden Fall absehbar. Aber als es dann kam, war es für mich dann doch irgendwie so ein Erdrutsch erst mal und klar, hat eine Weile gedauert, bis ich mich damit abgefunden hab. Am Anfang hab ich auch versucht, das zu retten und Angebote zu machen an diejenigen, die halt irgendwie müde und ausgebrannt waren und zu sagen, OK, dann lass uns halt mal einen Gang zurückschalten, ein Jahr lang nur große Festivals spielen. Aber das war zu dem Zeitpunkt auch schon zu spät und es war gewissermaßen einfach die Luft raus. Ich hab dann auch schnell gemerkt, ich will auf gar keinen Fall in einer Situation sein, wo ich irgendjemanden dazu überreden muss, in dieser Band zu spielen oder Dinge zu tun, die einfach ein unglaubliches Privileg sind und was, was ich mein ganzes Leben lang machen wollte und auch immer noch machen will.

Und wenn jemand das nicht mehr möchte, dann ist es OK, denn es verändern sich die Lebensprioritäten, das muss man akzeptieren und da erwachsen mit umgehen. Wir sind alle in unseren Vierzigern gewesen, als das passiert ist. Und man muss die Tatsache bedenken, dass wir halt zehn, fast 15 Jahre zusammen in derselben Band gespielt und getourt haben, wo alle unsere Erwachsenen Kumpels Familien gegründet haben. Das ist eigentlich ein Wunder. Und darauf sind wir, glaube ich, auch alle stolz, dass das so lange geklappt hat. Als der Zeitpunkt dann gekommen war, wo es nicht mehr klappte, war es dann auch nicht mehr so schlimm. Ich spreche jetzt natürlich für mich, aber ich glaube, das galt für uns alle.

Wir haben mit dem Hellfest eine letzte Show gespielt, die wir alle wirklich auch genossen haben. Und die Zeugnis dessen war, dass wir extrem happy sind, dass das so lange so gut funktioniert hat, was wir zusammen geschaffen haben, irgendwie mit dieser Band. Es ist immer irgendwie unangenehm, wenn man sich trennt. So richtig geil ist das halt nie. Und ich glaube, wir haben da wirklich ein sehr eleganten Weg gefunden, mit dem wir alle, also jeder einzelne von uns, am Ende gut leben konnte und happy war. Das war uns auch wichtig. Und, dass man sich gegenseitig in die Augen gucken kann und sagen kann: „Ey, geil, was wir da gemacht haben, 10 Jahre lang und jetzt beginnt halt ’n neues Kapitel für jeden von uns“.

Wie hast du es geschafft, Emmanuel Jesua von HYPNO5E an Bord zu kriegen?

Das war gar nicht so einfach. Ich kenne ihn seit 20 Jahren. THE OCEAN haben mit HYPNO5E schon 2006 zusammen Shows gespielt in Südfrankreich. Insofern war ja auch tatsächlich mein erster Gedanke als Gitarrist und ich hab ihn direkt angeschrieben. Da war er aber gerade mitten in den Aufnahmen für das neue HYPNO5E-Album „Trame Noir“, was jetzt rauskommt Ende des Jahres und hat sich eine Zeit lang nicht gemeldet und in der Zwischenzeit hat sich dann Marco bei mir gemeldet und dann haben wir angefangen zu reden und dann kam Manu dann irgendwann doch auf mich zurück und sagte OK, ich hab da Bock drauf und deswegen sind wir jetzt plötzlich drei Gitarristen.

Wir werden nicht immer zu dritt auf der Bühne sein, Wir haben es jetzt kürzlich so gemacht und auch beim Pelagic Fest, aber auf den meisten Touren werden wir wahrscheinlich nur mit 2 Gitarristen spielen, was perspektivisch auch mir dann mal die Möglichkeit eröffnet, mal zu Hause zu bleiben, vielleicht. Oder was ich auch mal total geil fände, wenn ich mal selber im Publikum sein kann bei der THE OCEAN-Show. Und das ist jetzt tatsächlich eine reale Option geworden.

Fühlst du dich bei sowas dann eher wie ein Kurator von THE OCEAN oder schon wie ein Bandmitglied?

Das kann ich nicht wirklich sagen, weil es ja noch nie passiert ist. Aber ich freue mich da wirklich drauf. Also, ich glaube, beides ist irgendwie richtig und natürlich würde ich mich weiterhin als Teil der Band fühlen, aber es ist auch irgendwie spannend, sich das mal so aus der Vogelperspektive anzugucken, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Die hat man ja sonst immer nur beim Soundcheck, wenn man mal kurz vor die Bühne geht, irgendwie und das fände ich schon spannend.

Galerie mit 19 Bildern: The Ocean- Summer Breeze Open Air 2024

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Quelle: Robin Staps, 29. September 2026
01.10.2026

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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