
The Ocean
Die Macht des Zufalls
Interview
Das Album beginnt ja mit Titel, der die Koordinaten eures Aufnahmestudios darstellt, und ich hab die Koordinaten des Outros oder des letzten Songs einmal eingegeben: der Song endet in der Nähe von Ceno Ultima Esperanza. Und dem habt ihr ja auch ein Song gewidmet. Hat dieser Ort eine spezifische Bedeutung für dich oder für THE OCEAN oder ist das einfach nur, weil es irgendwie mit den Seefahrern zu tun hat?
Ja, es ist die südlichste Provinz von Chile und der Name Ultima Esperanza, auf Spanisch heißt das letzte Hoffnung, wo wurde dieser Provinz beziehungsweise einem Fjord in dieser Provinz gegeben durch einen spanischen Entdecker, der ‚ eine Passage zur Straße von Magellan gesucht und nicht gefunden hat. Dieser Fjord endet eben Fjord-typisch an einem Gletscher und man kam nicht durch und insofern ist der Begriff eben sinnbildlich für Hoffnung und letzte Hoffnung, verlorene Hoffnung. Und das ist also gewissermaßen auch das, was hinter all diesen Entdeckungsreisen steckte als Ziel. Es ging immer irgendwie um Hoffnung, als ganz wichtige psychologische Disposition, Hoffnung und Suche nach etwas Neuem. Und da ja, ist Ultima Esperanza gewissermaßen ein Sinnbild für und natürlich auch der klassische „Frontier“.
Also im 15. / 16. Jahrhundert war die Welt ja noch kleiner als heute, die war noch nicht geschlossen, Kontinente waren noch nicht entdeckt und gleichzeitig haben diese Leute gedacht, die Erde sei eine Scheibe und man fällt auf der anderen Seite runter, wenn man an den Rand kommt. Und trotzdem sind sie halt aufgebrochen, getrieben von ungeheuren Tatendrang und und dieser Neugier halt irgendwie, um Territorien zu erschließen, wo noch niemand gewesen ist. Und da ist Ultima Esperanza natürlich auch das klassische Ende der Welt gewesen. Also vor Feuerland, vor Terra del Fuego, wirklich das der letzte Zipfel Land in Südamerika, wo noch niemand vorher gewesen ist aus der bekannten Welt oder diesen damaligen Entdeckern bekannten Welt und deswegen bot sich das als letzter Songtitel natürlich auch an.
Und der persönlicher Bezug zu THE OCEAN: Wir haben da tatsächlich gespielt, 2022 in Chile und haben nicht nur Santiago bespielt, die Hauptstadt, was man normalerweise macht auf einer Südamerikatour, sondern haben drei weitere Shows gespielt und die letzte war in Puntas Arenas, also wirklich im am südlichsten Zipfel Chiles am 23. Dezember, kurz vor Weihnachten. Das war eine Show in einem Pub, zwar sicherlich nicht die beste THE OCEAN-Show, die wir je gespielt haben, aber für mich irgendwie ein ungeheuer symbolischer Ort. Also mit der Band wirklich da an das „ehemalige“, klassische Ende der Welt zu kommen, da eine Show zu spielen, war für mich persönlich ein ein sehr wichtiges und bereicherndes Erlebnis.
Und wir haben dann an dem Abend, wir wollten nach Torres del Paine, was wirklich dann der Nationalpark ist in Ultima Esperanza, letztendlich wollten wir über Weihnachten fahren, aber weil Weihnachten gewesen ist, gab es nirgendwo Autos zu mieten. Wir haben dann auf der Show rumgefragt und haben einen Fan gefunden, der uns das Auto seiner Tante geborgt hat. Und dann sind Loïc, David und ich am Weihnachtsmorgen, am 24.12. mit diesem Auto halt wirklich in den Park gefahren und haben da am Fuße des Gletschers übernachtet und ein unglaublich geiles Weihnachten gehabt, weit weg von der Familie, alleine in den Bergen und es war was, was ich nie vergessen werde. Also insofern ist auch diese persönliche Bedeutung da durchaus vorhanden.
Ja, ich würde das gesamte Album schon als relativ klassisch THE OCEAN bezeichnen, wobei ich finde, dass man Elemente aus quasi eurer gesamten Geschichte findet. Aber gerade „Milk of My Dreams“ bricht das ja dann komplett auf. Ich finde es faszinierend und wenn man das so ein bisschen im Kontext setzt, fühlt sich das fast so an, entweder als ob die Fahrt sich hier nach stabilisiert oder möglicherweise komplett zerfahren ist.
Das wird nur die Zukunft uns verraten, wahrscheinlich. Ja, die Kollaboration mit Thorsten war auch wieder eine extrem spontane Sache, die sich ergeben hat, als wir in den Hansa Studios am Aufnehmen waren.
Thorsten [Quaeschning] von TANGERINE DREAM, richtig?
Thorsten von TANGERINE DREAM, genau. Und ich hab morgens einen Post von ihm in meinem Feed gesehen und dachte mir, ach, das wär doch cool, irgendwie schreib ich den mal an, weil ich auch wusste, dass TANGERINE DREAM in den Hansa Studios aufgenommen haben. Und dann kam er da halt vorbei und wir haben angefangen über Musik zu reden. Dann wussten wir lange nicht, ob das klappt, weil da war zwar so die lose Abmachung getroffen, dass er was zum Album beitragen wird, aber er war dann auch super busy und wir selber mussten auch noch allerlei andere Sachen aufnehmen erstmal. Das Ganze kam dann relativ kurzfristig zustande vor dem Mix, wo wir uns dann eine Woche bei ihm im Studio eingefunden haben und es war dann eine total geile Zeit.
Er hat zwar anfangs ein bisschen gebraucht, um sich in unseren musikalischen Kosmos reinzufinden, wo viele rhythmische Veränderungen passieren, so dass es schwer ist, das zu programmieren. Und er hat am Ende dann wirklich viel per Hand gespielt deswegen. Aber als er sich dann mal reingefunden hatte, war es wirklich super geil und seine Beiträge zum Album sind sehr sehr wichtig geworden. Gleichzeitig haben wir auch viel zurückgehalten, weil zu dem Zeitpunkt das Album schon extrem voll war. Da war schon extrem viel Gesang und ja auch noch Orestis‘ [Zafiriou] Material, der zweite Typ, der auch parallel zu Thorsten an den Synths gearbeitet hat und die beiden haben sich nie getroffen und nie zusammen im Studio gesessen und wir haben wirklich in letzter Minute erst die Parts zusammengefügt, aber das hat dann erstaunlich gut funktioniert.
Trotzdem haben wir aber eben auch viel zurückgehalten, einfach weil das Album schon so dicht war und wir werden noch ein paralleles Instrumentalalbum veröffentlichen, wo die Synths von Thorsten deutlich mehr im Vordergrund stehen als bei der aktuell veröffentlichten Version von „Solaris“ und bei im Rahmen einer Instrumentalversion hat man natürlich mehr Raum, weil der Gesang eben fehlt und da die Synths auch den Platz einnehmen können. Und deswegen haben wir diesmal ganz bewusst die Instrumentalversion nicht schon parallel jetzt mit dem Vocal Album rausgehauen, sondern wir wollen da wirklich ein Special Release draus machen und das auch mit der der Sache gebührenden Aufmerksamkeit dann separat nächstes Jahr machen.
Und vielleicht noch eine finale Frage, ihr hattet zu „Holocene“ damals, hab ich gesehen, eine Hot Sauce rausgebracht. Ich schätze mal, das war wahrscheinlich ein Marketinggag, aber bist du generell so ein scharfer Esser oder war das wirklich einfach nur so ein Scherz?
Ich bin auf jeden Fall, ich liebe Chilis, das war absolut kein Scherz. Also ich bau auch meine eigenen Chilis an und ja, ich esse sehr gerne sehr scharf und insofern ist ’ne Hot Sauce schon auch irgendwie ’ne Sache, die für uns Sinn ergibt, gewissermaßen. Aber das war auch eine Kollaboration mit einem alten Kumpel von mir, der halt seine eigene Hot Sauce Firma gegründet hat, Mary On A Cross. Die machen wirklich auch super geile, leckere Soßen. Also unsere Hot Sauce ist mit Ajo Amarillo gemacht, einer gelben Chili. Aus einem gelben Chili wird die gemacht, so eine tief orange Soße, die auch einfach gut schmeckt. Die ist nicht nur scharf, sondern die kannst du wirklich auf alles raufpacken und es wird besser dadurch und das ist schon eine geile Sache.
Cool, dann danke ich dir auf jeden Fall vielmals für die Zeit, für die guten Antworten. Gutes Gelingen wünsche ich heute Abend und auch für die weitere Zeit, in der jetzt hier „Solaris“ im Umlauf sein wird und sage dann einfach mal, man sieht sich.
Ja, danke dir, alles klar, bis dahin, ciao, ciao.
Galerie mit 19 Bildern: The Ocean- Summer Breeze Open Air 2024

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Experimental, Post-Metal, Progressive Metal |
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Michael
































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