Converge
Tour

Konzertbericht

Billing: Converge und Toxic Holocaust
Konzert vom 08.08.2012 | Feierwerk, München

Converge

Es ist ja immer so eine Sache, Hardcore- und Metalbands zusammen aufspielen zu lassen. Sollte ja eigentlich kein Problem sein, ist in der Praxis aber manchmal irgendwie unbefriedigend für alle Beteiligten. So auch wieder am 08.08. im Feierwerk zu München. CONVERGE geben sich wieder einmal die Ehre, was natürlich grundsätzlich erstmal ein Grund zur Freude ist. Im Gepäck haben sie zum x-ten Mal ihre belgischen Buddies von RISE AND FALL sowie TOXIC HOLOCAUST. Brachial-Hardcore und Thrash Metal also. Na, mal sehen…

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Dass die Bude gut voll ist, sollte eigentlich klar sein, aber das sie nun mal nicht rappelvoll ist, liegt vermutlich mal wieder an dem spitzen Timing der Tourbooker. Monatelang ist kaum was los, Anfang August treten sich dann festivalbedingt wieder die Bands auf die Füße. Heute spielen beispielsweise keine 2km entfernt HATEBREED und UNEARTH im Backstage. Super Timing… davon mal abgesehen, dass sich innerhalb von gut zwei Wochen hier im Raum München SEPULTURA, KYLESA, MINISTRY, BARONESS, ELECTRIC WIZARD, SIX FEET UNDER, AGNOSTIC FRONT, SHAI HULUD, MADBALL, D.R.I., BLACK DAHLIA MURDER, DEW SCENTED, DARKEST HOUR, IGNITE, DEBAUCHERY, NAPALM DEATH und heute eben CONVERGE/TOXIC HOLOCAUST/RISE AND FALL und HATEBREED/UNEARTH/FIRST BLOOD die Klinke in die Hand geben…

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So, nun aber zur eigentlich Show: den Auftaktpart müssen (leider) die Belgier RISE AND FALL übernehmen. Natürlich ein äußerst undankbarer Job, für eine so erfahrene Truppe. Und so stehen zu Beginn der Show im Publikum dann auch alle etwas uninspiriert herum, der Raum vor der Bühne ist unerfreulich leer und wirklich Vollgas geben, neben der Band, nur zwei, drei eingefleischte Fans. Man versteht es nicht wirklich, denn vom Sound her sind RISE AND FALL den großen Brüdern von CONVERGE ja nicht sooo unähnlich. Alles ist nochmal eine Etage straighter, lauter, massiver und brachialer, das sind wahre Hassbatzen, die die Jungs da abfeuern. „Faith/Fate“, der Titeltrack vom neuen Album, „Deceiver“… da ist eine Menge Energie drin. Sänger/Obersympath Björn gibt wirklich alles auf der Bühne, schreit und macht und tut, doch die Publikumsreaktionen bleiben verhalten und man hat irgendwie den Eindruck, als würden RISE AND FALL nicht richtig gewürdigt werden. Schade, denn an dem Auftritt gibt es absolut nichts auszusetzen, absolut starke Performance der Belgier.

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Als zweites werden TOXIC HOLOCAUST auf die Bretter geschickt. Und hier offenbart sich ein bisschen das Problem des Abends: während RISE AND FALL wirklich sehr gut zu einer CONVERGE-Show passen, fallen die Thrasher aus Oregon irgendwie ein bisschen aus dem Rahmen. Das merkt man auch am Publikum. Die Hardcorejungs und -mädels treten in den Hintergrund und vor der Bühne stehen plötzlich Langhaar- und Kuttenträger, die vorher gar nicht aufgefallen sind. Und es sind wieder definitiv zu wenige, als dass wirklich gute Stimmung aufkommen könnte. aber TOXIC HOLOCAUST spielen ihr Set auch fast ein wenig zuuu routiniert herunter. Na ja, sei’s drum, die Fans vor der Bühne finden das auf jeden Fall alles spitze, vor allem zwei Jungspunde, die sich dermaßen szenegerecht mit nagelneuer Jeanskutte, weißen Adidas-Stiefeln und Röhrenjeans ausgestattet haben, dass man wirklich nur schmunzeln kann. Wirkt fast wie eine Verkleidung. Na ja, kann ja noch werden, Dreck & Credibility kommen dann mit der Zeit. Alle anderen stehen aber auch wieder nur kopfnickend hinten rum und Joel Grind’s Aufforderungen zu Circle Pits wirken angesichts der 20 wackeren Männer, die vorne abgehen, fast schon ein wenig lächerlich. Natürlich ist das alles feinster Thrashmetal alter Schule. Schön humorfrei vorgetragen und mit „Bitch“ kommt am Ende sogar noch so was wie ein Hit, der ein paar sogar zum Stagediven veranlasst (was glücklicherweise ohne größere Stürze vonstatten geht), aber man hätte TOXIC HOLOCAUST einfach ein besseres Umfeld gewünscht. Mit solchen Zusammenstellungen tut man sich irgendwie keinen Gefallen.

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Aber dann kommen ja noch die großen Meister, auf die hier alle gewartet haben. Jacob Bannon diesmal nicht in kurzer Hose und Nike-Tretern, sondern komplett in schwarz, inkl. zugeknöpftem Hemd (!). Sieht fast brav aus der Gute. Aber obwohl das hier vermutlich seine 850ste CONVERGE-Show sein wird, ist er voll dabei, ist er natürlich nach wie vor die alte Bühnensau, der Maniac, den alle sehen wollen. Der raubtierlike, permanent von links nach rechts über die Bühne wischt, nie stillsteht, immer angetrieben wirkt. Der Meister der Mikroschwünge, der innerhalb von Sekunden, nur indem er das Mikro ins Publikum hält, für tumultartige Zustände sorgen kann. Er hat sie alle im Sack. Und der zwischen den Songs natürlich immer so nett und zuvorkommend wirkt, wie man das von ihm kennt.

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Und der Saal ist natürlich ab dem ersten Song voll dabei. Es ist halt echt eine saugute Show, das muss man einfach mal festhalten. Die Band erlebt ihren x-ten Frühling und auch wenn man sich im Vorfeld vorher oft fragt: „Die Platten hör ich eh nie, muss ich da schon wieder hin?“, ist das vor Ort immer wieder eine Wucht, auch wenn man sagen muss, dass es schon CONVERGE-Shows gab, bei denen es deftiger zur Sache ging, aber verstecken muss sich hier heute auch niemand. Ist schon amtlich, wie alle mitmachen. Und immer wieder erstaunlich, wie textsicher alle sind. Und wer einmal versucht hat, mit dem Booklet in der Hand, dem Gekeife von Herrn Bannon die zugehörigen Worte zu entlocken, der weiß, warum ich von erstaunlich spreche.

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Die Band spielt sich, pflichtbewusst wie immer, durch ihre nicht gerade spärliche Diskographie und jeder Song wird abgefeiert. Am meisten Eindruck hinterlässt sicherlich „Last Light“, bei dem Bannon wieder einmal verstummt, das Mikro in die Fans stülpt und diese lauthals „This is for the hearts still beating“ grölen lässt. Schon ein bisschen Gänsehaut. Und man weiß plötzlich wieder, warum man sich jedes Mal wieder aufs neue auf eine CONVERGE-Show freut: Weil das hier noch wirklich mit Hingabe zu tun hat. Auf beiden Seiten. Und das ist es auch, was diese Band aus dem ganzen Haufen der anderen Brüllaffen heraushebt. Gut gemacht Jungs. Das nächste Mal bin ich wieder am Start.

text: struch/haslauer
fotos: haslauer

Converge

27.08.2012

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