Converge - The Dusk In Us

Review

Galerie mit 21 Bildern: Crowbar & Converge - live in Leipzig

Und auf einmal sind CONVERGE zugänglich: Nach dem düsteren „Axe To Fall“ (2009) und dem energiegeladenen „All We Love We Leave Behind“ (2012) kommen die Bostoner Hardcore-Chaoten nun auf einmal mit „The Dusk In Us“ und – für CONVERGE-Verhältnisse! – beinahe geradlinigen und vor allem elegischen Elementen daher. Dass kein Album der Amis so klingt, wie das letzte, ist sowieso bekannt, und es wird wohl keinen Fan geben, der von „The Dusk In Us“ erwartet, eine Neuauflage der letzten Platte(n) zu sein. Die Stärke der Band besteht eben gerade darin, ein wenig unberechenbar zu sein, irgendwie immer nach CONVERGE zu klingen, aber dann doch wieder anders.

CONVERGE sind 2017 zugänglicher denn je!

Dieses Rezept gilt auch für „The Dusk In Us“: Dieses Album ist ein CONVERGE-Album, Punkt. Aber eben doch anders: So straight und zugänglich, so melodisch und elegisch wie im Opener „A Single Tear“ waren CONVERGE selten. Dann gehts weiter mit „Eye Of The Quarrel“, das ein wenig in Richtung „You Fail Me“ (2004) schielt, aber auch die leichte MASTODON-Verwandtschaft erkennen lässt, welche der geschätzte Kollege Kostudis 2012 „All We Love We Leave Behind“ attestierte. Ein unumwunden harter Song, der das CONVERGE-typische Chaos kultiviert, dabei gleichzeitig straighter wirkt, als die Bostoner es in der Vergangenheit waren.

Es geht weiter mit dem schwer groovenden „Under Duress“, das in der Bridge erstmals auf „The Dusk In Us“ weniger zugänglich wirkt und die CONVERGE-Keule ohne Rücksicht auf Verluste schwingt – wenngleich langsamer als gewohnt. Könnte man hier etwa von Doom-Einflüssen sprechen? Ja, warum nicht! In „Arkhipov Calm“ ziehen CONVERGE rhythmisch die Mathe-Keule hervor, werden dabei vor allem gegen Ende aber wiederum ungewohnt melodisch und straight. „I Can Tell You About Pain“ ist nochmal ein kurzer, bündiger Rocker, bevor CONVERGE im „The Dusk In Us“-Titeltrack Akustikgitarren, Synthesizer und Clean Vocals zu einer epischen, siebenminütigen Post-Rock-/Post-Hardcore-Melange vermengen. Wem jetzt noch nicht klar war, dass die Bostoner anno 2017 weniger Chaos und Mathematik fahren, dem schlägt diese Erkenntnis spätestens jetzt mit Wucht entgegen.

Im Mittelteil experimenteller

Anschließend geht es in „Wildlife“ wieder flotter voran, eine verspielte Leadgitarre, wie sie nur Kurt Ballou beherrscht (der übrigens auch wieder für Produktion, Aufnahme und Mix verantwortlich war), legt sich über Jacob Bannons halbklare Shouts und Ben Kollers aberwitziges Schlagzeugspiel, während Nate Newtons Bass im Hintergrund die nötige Wucht hinzugibt. „Wildlife“ endet schließlich in Postcore-artiger Melodik und Eindringlichkeit. Alter Verwalter, was mag da noch kommen, wie abwechslungsreich und gleichzeitig eindringlich wollen CONVERGE auf diesem Album noch werden?

„Murk & Marrow“ gibt Antwort: Experimentell gehts los, Synthies legen wabernd die Grundlage, auf die sich Gitarre, Bass und Schlagzeug aufbauen, während Mr. Bannon sich die kaputte Seele aus dem kaputten Hals schreit, wie nur er es kann. Erst in der letzten halben Minute des Songs ziehen CONVERGE die Groove-Reißleine und geleiten den Hörer in das Bass-Intro von „Trigger“. Das reiht sich in die experimentellere Ausrichtung seines Vorgängers ein, verzichtet weitestgehend – mit Ausnahme eines Solos und einiger Akzente – auf Gitarren, ist dafür bassdominiert und klingt erst gegen Ende so richtig nach CONVERGE.

Der Abschluss von „The Dusk In Us“ zieht Zähne

Es verstärkt sich also der Eindruck, dass „The Dusk In Us“ in seinem Mittelteil ein wenig experimenteller ist, als gewohnt – aber widerlegt das die eingangs getätigte Aussage, CONVERGE seien heuer zugänglicher als je zuvor? Ja und nein: Der Mittelteil des Albums fällt tatsächlich etwas raus, doch gleich das anschließende „Broken By Light“ zieht diesen Zahn: Ein straighter Hardcore-Song. Wie oben erwähnt: Es klingt immer noch nach CONVERGE, aber es klingt eben gerader, direkter. In „Cannibals“ packen die Herren Ballou, Bannon und Co. dann noch einmal die Grind-Keule aus: 1:16 Minuten, länger brauchen sie nicht für dieses Stück, und dabei platzieren sie immerhin noch drei verschiedene Parts darin und schauen gegen Ende rüber ins angrenzende Sludge-Gefilde. Wow.

Das abschließende Doppelpack aus „Thousand Of Miles Between Us“ und dem bereits vorab veröffentlichten Rausschmeißer „Repitilian“ unterstreicht abermals, dass sich CONVERGE 2017 mehr um Eingängigkeit und Geradlinigkeit kümmern. So startet „Thousand Of Miles Between Us“ als Ambient-Rocker mit abermals auftauchenden Post-Rock-Einflüssen und entwickelt sich gegen Ende zu einem lupenreinen Rocksong mit Hookline und allem drum und dran. „Repitilian“ schließlich lässt den Ambient abermals wabern und aufbauen, bevor ein tonnenschwerer, doomiger Groove übernimmt und in den – trotz allem, was oben gesagt wurde – geradlinigsten Hardcore-Song des Albums überleitet.

CONVERGE-Fanherz, was willst du mehr?

Und dann ist der Spuk nach knapp 44 Minuten vorbei, und CONVERGE hinterlassen den Hörer mit offenstehender Klappe und, nach dem ersten Durchlauf, keiner Ahnung, was da gerade passiert ist. „The Dusk In Us“ ist das zugänglichste Album, das CONVERGE je veröffentlicht haben, gleichzeitig hält es das Energielevel hoch und bemüht sich um das gewohnte What-the-fuck-Potenzial, sodass keiner irgendein Trademark der Band vermissen sollte. Klar, wer von CONVERGE erwartet, nochmal ein Album à la „Jane Doe“ herauszuhauen, der muss weiter warten – aber mal ehrlich, hat damit noch irgendwer gerechnet? „The Dusk In Us“ ist auf jeden Fall hart, intelligent, verschroben und eindringlich, wie man es eben von den Bostonern erwartet, gleichzeitig geht das Album direkt unter die Haut. CONVERGE-Fanherz, was willst du mehr?

26.11.2017

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3 Kommentare zu Converge - The Dusk In Us

  1. DieBlindeGardine sagt:

    Meiner Meinung nach eines der stärksten Converge Alben, grade weil sich die Band ein Stück weit geöffnet hat, ohne dabei auf den üblichen Wahnsinn zu verzichten. Das betrifft besonders den „Gesang“, denn den Klassikerstatus und die musikalische Genialität von „Jane Doe“ hin oder her, Bannons unartikuliertes Gekeife war mir damals etwas too much und auch bis heute kann ich mich mit den älteren Sachen nicht so richtig anfreunden. Seit „Axe To Fall“ hat sich das deutlich gebessert und „The Dusk In Us“ kann man definitiv auch Leuten empfehlen, die von Converge früher vielleicht etwas abgeschreckt waren.

    9/10
  2. eyecanseeyou sagt:

    Gute Scheibe, die zwar eine Wiedergutmachung gegenüber AWLWLB darstellt, den Bandklassikern jedoch nicht das Wasser reichen kann.

    7/10
  3. CHILL sagt:

    Converge beweisen mit diesem fantastischen Album mal wieder ihre absolute Ausnahmestellung in diesem Genre. Ich persönlich fand ja AWLWLB schon sehr stark, mit „The Dusk In Us“ haben sie das Level aber tatsächlich nochmal getoppt! Einfach grandios! 10/10 ohne wenn und aber.

    10/10