Cypefest 2119
Zukunftsmusik live in Heidelberg

Konzertbericht

Billing: Cypecore, Drone, Necrotted, Mindead und Johnny Deathshadow
Konzert vom 16.11.2119 | Halle02, Heidelberg

2019 – Pardon, 2119 – fand das Cypefest in der Heidelberger Halle02 zum ersten Mal statt. Wie zu erwarten war, verkauften die Headliner und Organisatoren CYPECORE damit den kompletten Laden aus und sorgten für lange Schlangen bei den streng limitierten Festivalbändchen und Festivalshirts. Neben einem Rahmenprogramm mit Photo Booth gab es aber natürlich auch eine Auswahl an weiteren Bands. So kamen mit DRONE, NECROTTED, MINDEAD und JOHNNY DEATHSHADOW die Anhänger verschiedener Genres auf ihre Kosten. Wir nahmen die Zeitreise nur zu gerne auf uns und haben uns jetzt schon entschlossen, dass es nicht die letzte Cypefest-Runde für uns gewesen sein soll.

Bild Cypefest 2119 Flyer

JOHNNY DEATHSHADOW

Galerie mit 12 Bildern: Johnny Deathshadow - Live auf dem Cypefest 2019
Den Anfang machen JOHNNY DEATHSHADOW aus Hamburg, die CYPECORE bereits auf ihrer 2018er „The Alliance“-Tour dabei hatten. Irgendwo zwischen Horrorpunk, Gothic und Industrial Metal angesiedelt, bieten die Schädelgesichtigen einen sehr modernen Genremix, der dem Publikum gut reinläuft und die Stimmung schon zu Beginn des Abends ordentlich anheizt. Der erste Song startet zwar ohne Saft auf dem Mikro, aber die Soundprobleme haben sich glücklicherweise bald erledigt.

Humor beweisen JOHNNY DEATHSHADOW nicht nur optisch in Form des Flamingo-Hawaiihemds des Fronters sowie mit gegenseitigen Bierduschen, sondern auch mit Spruchgold während der Ansagen. „Ihr könnt uns buchen. Für Kindergeburtstage, Schützenfeste, oder Beerdigungen“. Leider greifen sie verbal aber auch richtig ins Klo, indem sie sich für die guten Publikumsreaktionen trotz ihres (Zitat) „Schwulo-Gothics“ bedanken. Bis dahin durchaus vorhandene Sympathiepunkte gehen dadurch leider flöten, aber wenigstens hat sich die Band musikalisch gesteigert, seit wir sie das letzte Mal gesehen haben.

MINDEAD

Galerie mit 13 Bildern: Mindead - Live auf dem Cypefest 2019
Mit MINDEAD bleibt es zwar modern, die Ludwigsburger setzen aber auf Groove und Core-Elemente statt auf Industrial. Leider haben MINDEAD fast während ihres ganzen Sets mit Soundproblemen zu kämpfen und müssen immer wieder Anpassungen auf ihren Monitoren vornehmen. Sie lassen sich davon aber nur wenig anmerken und ziehen ihr Set trotz allem konsequent durch. Fast alle Stücke sind neu und stammen von einem Album, das erst in Kürze veröffentlicht wird. Die deshalb noch fehlende Routine macht es der Band natürlich nicht leichter, doch auch diese Herausforderung meistern die Musiker mit Bravour.

Beim Heidelberger Publikum kommen MINDEAD ebenso gut an wie ihre Vorgänger. So läuft nach Kurzem bereits der Moshpit auf Hochtouren. Doch die Songs der Modern Metaller bieten auch reichlich melodische Momente, für die Fronter Timo Fielker geschickt von seinen gutturalen Growls zu clean Vocals wechselt. Da wundert es nicht, dass die Menge eine Zugabe von MINDEAD fordert, die sie auch erhalten soll.

NECROTTED

Galerie mit 12 Bildern: Necrotted - Live auf dem Cypefest 2019
Der krasseste Genrewechsel des Abends steht an, denn nun sind die Deather NECROTTED an der Reihe. Noch krasser wird der Unterschied dadurch, dass als Intro zuerst „Superperforator“ aus „Der Schuh des Manitu“ erklingt. NECROTTED steigen anschließend aber direkt mit einem vollen Brett ein und bringen die Menge damit augenblicklich in Bewegung. Die Ansage „ich weiß, wir sind hier bunt gemischt, aber habt ihr Bock auf Death Metal“ von Fronter Fabian Fink ist somit nur noch pro forma zu verstehen, denn an der Reaktion des Publikums lässt sich bereits bestens ablesen, dass alle so richtig Bock darauf haben.

Den haben auch NECROTTED und fegen energetisch über die Bühne. Die Instrumentalfraktion prügelt dabei unablässig auf die Gehörgänge der Zuschauer ein, während Fabian am Mikro kraftvoll vor sich hinröhrt. Das Heidelberger Publikum mosht derweil munter im Kreis und freut sich über den Sound, der sich mittlerweile gut eingependelt hat. So kommt der letzte Song für alle sehr plötzlich, denn NECROTTED hätte man sich gerne noch etwas länger angesehen.

DRONE

Galerie mit 11 Bildern: Drone - Live auf dem Cypefest 2019
Reibungslos und schnell wird die Bühne umgeräumt, um Platz für die vier Niedersachsen von DRONE zu machen. Na, wer erinnert sich noch?! DRONE waren vor Äonen von Jahren – genauer gesagt 2006 – Gewinner des Wacken Metal Battle und sind in der Zwischenzeit auch europaweit ganz schön rumgekommen. Und ja, es gibt sie wirklich noch! Vorab kam aber tatsächlich die Frage auf, ob Mutz und Co. trotz der langen Pause überhaupt noch „in Form“ sind, war es um DRONE seit dem letzten Rockharz-Auftritt im Juli 2018 doch sehr still geworden. Zumindest, wenn man mal vom alleinigen Treiben des Kopfes der Band absieht, welcher nun seit einigen Jahren vermehrt bei metallischen Schiffs- und Mallorca-Ausflügen akustisch – und mal mehr, mal weniger angeheitert – das Publikum bespaßt.

Bild Drone live auf dem Cypefest 2019

Drone live auf dem Cypefest 2119

Aber es ist wohl wie mit dem Fahrradfahren: Sie kamen, sahen und besorgten es mit ihrer ersten und gleichzeitig auch letzten Show in 2019 allen Beteiligten. Die Party beginnt mit „Deepest Red“ vom 2012er Album „For Torch And Crown“ und das bunt gemischte Set bringt so gut wie alle Anwesenden zum Mitwackeln. Nach „Motör-Heavy Piss-Take“ wird das hintere Publikum auch langsam wieder richtig warm und zu „Welcome To The Pit“ werden die ersten Circle Pits gesichtet, welche bis zum Ende der 10 Songs langen Setlist durchhalten werden. Oldtimer wie „Hammered, Fucked and Boozed“ und „Piss Drunk“ dürfen natürlich auch nicht fehlen, und das Gelächter am Mic bei der letzten Zugabe „Theopractical“ zeigt einmal mehr, dass die Jungs ihre Zuckerärsche wieder aktiver zusammen bewegen sollten. Die Welt braucht mehr 101% Sexmetal!

Text DRONE: Tamara Deibler

Setlist:
1. Deepest Red
2. Motör-Heavy Piss-Take
3. Welcome To The Pit
4. Format C
5. Making Believe
6. Into Darkness
7. Boneless
8. Hammered, Fucked And Boozed
9. Piss Drunk
10. Theopractical

CYPECORE

Galerie mit 17 Bildern: Cypecore - Live auf dem Cypefest 2019
Und dann hängt über allen Köpfen auf einmal ein großes Backdrop mit prominentem CYPECORE-Logo als Sichtschutz vor der Bühne, womit die Vorfreude geschürt und Blicke auf die Vorbereitungen verhindert werden. Doch die vergleichsweise kurzen Pausen kann man sich ohnehin mit außergewöhnlichen Andenken von der Photo Booth verschönern, wo die beiden Wasteland Warriors „Machine Fairy“ und „Siroj Steems“ ihr Unwesen treiben. Beide, und einige andere Mitglieder, sind übrigens besser bekannt durch diverse Conventions, ihre Wacken-Präsenz und nicht zuletzt ihr Mitwirken beim CYPECORE-Video zu „The Alliance“.

Gesagt werden muss an dieser Stelle auch: Erst vor wenigen Monaten wurde das augenscheinlich relativ kurzfristig ins Leben berufene „Cypefest“ mit den Namensgebern als Headlinern und ersten Bands bekannt gegeben und auf diversen Social Media-Kanälen wurde spontan spekuliert, ob die Interessenten bis zum angepeilten Showstartpunkt am 16.11.2119 nicht schon das Zeitliche gesegnet haben würden. An dieser Stelle wurde natürlich aber auch sofort klar, wer seine Hausaufgaben zur Band nicht gemacht hatte (ein Hinweis zum „Schauplatz“ des apokalyptischen Stelldicheins ist in unserer Review zu „The Alliance“ zu finden.

Bild Cypecore live auf dem Cypefest 2019

Cypecore live auf dem Cypefest 2119

Das eigens auf die Beine gestellte Festival der Heidelberger/Sinsheimer ist – wie auch der Abschluss der letzten Tour im Heimathafen – abermals ausverkauft und bereits beim ersten zu vernehmenden Ton von vorn wird überdeutlich, wegen wem die knapp 600 Gäste wirklich in die Halle02 gepilgert sind: Wegen CYPECORE! Nach dem Intro startet „Dissatisfactory“ mit einem düsteren Blick in die vermeintlich bevorstehende Endzeit und dermaßen druckvollem Sound, dass einem schier die Trinkhalme (aus Maisstärke – nice!) aus den Gläsern gepustet werden. Mit insgesamt 16 (sechzehn!) Songs sind besonders die letzten beiden Alben „Identity“ und „The Alliance“ präsent, umso mehr horcht man jedoch bei den beiden Stücken „Values Of Life“ und „Lie Of Redemption“ vom 2010er Longplayer „Take The Consequence“ auf.

Das später entstandene Gegenstück zu Erstgenanntem, nämlich „Values of Death“, und die mitreißende Mischung der Setlist werden nur durch die durchdachte Maschinerie von Show mit Pyro-Einlagen und maskierten Hightech-Squads samt CO2-Kanonen getoppt. Es gibt Circle Pits, Walls of Death und seliges Mitgeschunkel nebst schiefem Mitgegröhle bei melodischeren Stellen. Als Dauerbrenner erweisen sich auch hier besonders „The Abyss“, „Dreamsmasher“ und „The Hills Have Eyes“– wobei die Jungs der Stimmung des Publikums zufolge ohnehin hätten spielen können, was sie wollen. Bleibt eigentlich nur noch ein Wunsch offen: Wir wollen das jetzt bitte jedes Jahr!

Text CYPECORE: Tamara Deibler

Setlist:
1. Dissatisfactory
2. Abyss
3. Hollow Peace
4. Dreamsmasher
5. My Confession
6. Aeons
7. Values Of Life
8. Identity
9. The Alliance
10. Leviathan
11. Values Of Death
12. A New Dawn
13. Lie Of Redemption
14. The Hills Have Eyes
15. Remembrance
16. Saint Of Zion

23.11.2019

headbanging herbivore with a camera

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 31678 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare