Serengeti Festival
Bericht vom Serengeti Festival 2011 in Schloß Holte

Konzertbericht

Billing: Adept, Agnostic Front, Bullet For My Valentine, Caliban, Distance In Embrace, In Extremo, Letzte Instanz, Mad Sin, Pascow, Pennywise, The Creepshow, Wizo und Your Demise
Konzert vom 22.07.2011 | Am Safaripark, Schloß Holte

Man hat uns Savanne versprochen, Safari und wilde Tiere. Die Serengeti lockte uns, heimtückisch geradezu, mit Bildern afrikanischer Landschaften unter praller Sonne. Stattdessen gab es drei Tage lang bestes ostwestfälisches Sauwetter, aber wenigstens ordentlich Musik.

Die Gastgeber konnten dieses Jahr zeigen, dass sie so langsam Routine in der Abwicklung des Tagesgeschäft haben, und meisterten auch den Umzug auf ein neues Gelände – endlich mit richtigem Zeltplatz – bravourös. Logistisch ziemlich makellos und mit einem hochkarätigen, aber abwechslungsreichen Billing ausgestattet, waren die Rahmenbedingungen für ein überaus nettes Wochenende in Schloß Holte durchaus optimal. Hätten jetzt auch noch alle Bands auf diesem hohen qualitativen Niveau mitgespielt, dem perfekten Festival hätte nichts mehr im Wege gestanden. Aber der Reihe nach.

 

FREITAG


Am Freitagmittag fielen leider direkt die ersten vier Bands, DISTANCE IN EMBRACE, YOUR DEMISE, PASCOW und WFAHM uhrzeitbedingt der Verrichtung stumpfer Lohnarbeit zum Broterwerb, dem öffentlichen Nahverkehr und nicht zuletzt einem veritablen Kater vom Vortag (das Leben als Musikjournalist ist hart) zum Opfer, sodass THE CREEPSHOW als erste Band Zeugnis von der Stimmung auf dem Serengeti ablegen sollten.

 

Serengeti Festival

Sarah Backwood und ihre drei Mitstreiter sehen nicht nur wahnsinnig gut aus, haben mit „They All Fall Down“ ein Punkabilly-Hammeralbum im Gepäck, sondern auch noch ordentlich Hummeln im Hintern. So legt das Quartett direkt mit dem Opener „Get What’s Coming“ los und stoßen sofort auf das Wohlgefallen des noch ziemlich spärlich erschienenen Publikums. Um ihr noch etwas hüftsteifes Gegenüber doch noch mitzureißen, springt die zierliche Frontfrau kurz darauf mitten in den Moshpit und erzielt auch den gewünschten Effekt: nicht nur die männliche Hälfte des Publikums nimmt überraschend schnell an Fahrt auf, und die Stimmung wird zur Mitte des kraftvollen und abwechslungsreichen Sets hin deutlich gelöster, und so sieht man überall vereinzelt ausgelassen tanzende Menschen. Schön.

 

LETZTE INSTANZ sind natürlich nicht zuletzt der Tatsache, dass sie nicht erst den Bekanntheitssprung über den Großen Teich leisten müssen, in Deutschland ungleich bekannter. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wirklich viele Menschen die Gelegenheit nutzen, die Veteranen der deutschen Gothic-Szene und mitunter sicherlich auch die Helden der eigenen Jugend noch mal Live zu sehen. Da Gothic und LETZTE INSTANZ erst recht nicht zu meiner musikalischen Sozialisation gehören, wird dem ganzen aus einiger Entfernung beigewohnt. Mit Recht. Starker Mittelaltereinschlag, Cello, Geige und Lackhosen sind einfach noch nie meine Welt gewesen, ein qualitatives Urteil fällt deswegen recht schwer. Freunde dieser Musikrichtung kommen auf dem Serengeti aber traditionell immer auf ihre Kosten, und so war es, natürlich auch dank IN EXTREMO später am Tag, sicherlich auch dieses Jahr.

 

Nach der gemütlichen Pause ist wieder Vollgas angesagt. Die Berliner ROTFRONT sind nicht nur in der westfälischen Savanne echte Exoten, sondern eigentlich überall. Ihr knallbunter Balkan-Klezmer-Ska-Sound sucht musikalisch und qualitativ so ziemlich überall seinesgleichen. Das Publikum ist erst etwas perplex, stimmt sich aber zunehmend auf den wodkaschwangeren Flow des Emigrantski-Kollektivs ein und geht ab wie nichts gutes. Wenn auch wieder viele Besucher ihr Wohl an den Unmengen Futterbuden suchen, sind die, die gekommen sind, um sich ein Stück Hauptstadtluft abzuholen, um so begeisterungsfähiger.

 

CALIBAN, direkt im Anschluss, waren weit weniger außergewöhnlich. Wie eine Schablone für Metalcore, geschniegelt und mit einem vielfältigen Repertoire einstudierter Posen ausgestattet, rocken die Hattinger durch ihr Set und lassen keinen Zweifel daran, dass sie wirklich schon seit Anfang an dabei sind und sicherlich als eine der wichtigsten deutschen Bands des Genres gelten können. Die Fans genießen die Show und geben, vielleicht zum ersten Mal an diesem Tag, richtig Gas und lassen sich sogar zu einer Wall Of Death motivieren; eine gewagte Aktion, wenn man bedenkt, dass die Band gerade erst auf einem namhaften norddeutschen Riesenfestival richtig Ärger dafür bekommen hat.

 

Nachdem CALIBAN eingedenk ihrer Professionalität und dem begeisterten Publikum schon ein bisschen wie der erste Headliner des Tages angefühlt hat, war es um kurz vor Neun definitiv Zeit für die ersten richtigen Stars des Abends: PENNYWISE. Jeder kennt sie irgendwie, die meisten Serengeti-Besucher sind zu jung, um etwas mit ihnen zu verbinden, und trotzdem bekommt jeder sofort mit, was läuft. Die reduzierten, aber melodiösen Skatepunk-Hymnen der inzwischen auch etwas grauen Herren haben über die Jahre nichts an ihrer jugendlichen Energie eingebüßt. Dem ein oder anderen vielleicht etwas zu eindimensional, dafür aber wahnsinnig effektiv und mit absolut authentischer Attitüde vorgebracht sind Jim Lindberg und Co auf jeden Fall die Sympathieträger des Tages. Beim obligatorischen „Bro Hymn Tribute“ wird es auf dem Gelände dann kurzzeitig sogar richtig rührselig; ein angenehmer Kontrast zu den sonst so beschwingten und leichten Songs der Kalifornier.

 

Serengeti Festival

 

Das diesjährige Serengeti stand ja ohnehin unter einem starken Punk- und Hardcore-Vorzeichen, und so ist auch beinahe unvermeidlich, dass eine waschechte Deutschpunkband vom Schlage WIZOs auf dem Billing zu finden ist. Und es wurde plötzlich brechend voll. Offenbar hatte sich der ein oder andere Besucher wirklich erst nach dem Abendessen auf zum Festival gemacht und so wurde mit zunehmend schlechteren Lichtverhältnissen das Gelände erstmals in seiner Kapazität ausgereizt. Um so erstaunlicher, dass sie alle im Verlauf des Sets, in dem die Sindelfinger keine ihrer stellenweise albernen, aber durchaus provokanten Hits auslassen, abgehen wie verrückt. Und obwohl die Band, reichlich bescheuert, in Katzenverkleidung über die Bühne hampelt, „Das goldene Stück Scheiße“ (in Abwesenheit) an Frau Merkel verleihen und auch sonst nicht besonders viel Aufheben um Tiefgang machen, schien das niemanden zu stören.

 

IN EXTREMO fielen dann letztendlich der Unlust zum Opfer, sich noch mehr mittelalterlich-angehauchte Gothic Musik anzutun. Denn auch wenn sich die Band mit ihrem letzten Album zusehend aus diesem Milieu verabschiedet, ist die musikalische Nähe zu LETZTE INSTANZ immer noch groß genug, dass es für diesen Tag reichte.

 

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08.08.2011

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