Wacken Open Air 2026
- Geburtstag mit 90.000 Gästen

Konzertbericht

Billing: Judas Priest, Lacuna Coil, Savatage, Saxon, Running Wild, Def Leppard, Lamb Of God, Castle Rat, Heavysaurus, Airbourne, Hämatom, Heaven Shall Burn und Spectral Wound
Konzert vom 29.07.2026 - 02.08.2026 | Wacken, Wacken

DONNERSTAG

Mit den wohl heißesten Temperaturen des gesamten Festivals startet der Donnerstag mit einem Gang ins angrenzende Dorf. Dort steht nämlich, neben der üblichen Besonderheit einer völlig festivalverrückten Gesamtkulisse, noch ein weiteres Highlight an. Am Nachmittag haben HEAVEN SHALL BURN im Landgasthof zu einem ganz speziellen Auftritt geladen. Schließlich fasst die Location bestenfalls um die 400 Besucher:innen, während die Thüringer grundsätzlich eher Headliner-Stages füllen.

Die begehrten Plätze können sich interessierte Zuschauer:innen durch Blutspenden sichern, beziehungsweise zunächst einmal den eigenen Namen in der Lostrommel. Wer es nicht hineingeschafft hat, kann im benachbarten Wikingerdorf einer Show zusehen, die wie angegossen in die Lebensrealität der Melodic-Death-Metaller passt. Sänger Marcus Bischoff und seine Mitstreiter fühlen sich in dieser intimen Schwitzhütte sichtlich wohl und spielen im Wesentlichen ein Set aus der aktuellen „Heimat Over Europe“-Tour. Die Meute hat jedenfalls noch genug Lebenssaft, um in dem kleinen Club eine Wall of Death zu „Voice Of The Voiceless“ zu etablieren – der Klassiker. Band und Publikum sind in nullkommagleich vollständig durchgeschwitzt, aber auch ebenso glücklich, sich 2026 noch einmal an einem vergleichsweise besonderen Ort wiederzusehen.

Blut für Death Metal

Als die Sonne über Norddeutschland am stärksten brennt, sorgen die Kanadier von SPECTRAL WOUND für den Eisspeer inmitten dieser unbarmherzigen Hitze, auch wenn ihr markanter Black Metal insbesondere noch für eine besonders punkige, nonkonforme Ader steht. Das kehrt das Quintett aus dem französischsprachigen Quebec direkt mit „Aristocratic Suicidal Black Metal“ heraus – einem Stück des neuen Albums „Songs Of Blood And Mire“, das teilweise schon tanzbare Übergangspassagen aufweist. Zwischendurch macht die Truppe natürlich auch mal ganz im Sinne der norwegischen Wurzeln Dampf und schafft es, die Menge immer wieder mit sich verfangenden Hooks bei der Stange zu halten. Letztlich pulvern die Nordamerikaner genauso staubtrockene wie bärenstarke Essenz-Show heraus, die sicherlich zu den Highlights dieses Tages gehört.

Konzertfoto von Spectral Wound - Wacken Open Air 2026

Spectral Wound – Wacken Open Air 2026

Auf dem Weg zu den Hauptbühnen, die am heutigen Donnerstag für einen klassisch durchsetzten Konzertabend stehen, sorgen BLOOD RED THRONE auf der Headbanger Stage für eine kurze Ablenkung. Die Norweger sind mitten in ihrem Set mit Fokus auf dem 2005er-Album „Altered Genesis“ und drücken ihre wuchtigen Rhythmen bis in die Hauptwege tiefer ins Infield. Die Band aus Kristiansand scheint live praktisch im zweiten Frühling zu sein und lässt keine Zweifel daran aufkommen, mit unbändigem Spaß bei der Sache zu sein. Folglich vergehen schon die letzten Töne der schwedischen Hardrocker von EUROPE, während wir auf der Suche nach einem guten Platz für SAVATAGE sind.

Ein Abend voller Klassiker

Wacken und das Kollektiv aus Tampa, Florida – das ist schon eine besondere Beziehung. Im Jahr 2015 spielten die Prog-Metal-Ikonen eine Reunion-Show auf dem Holy Ground, doch im Anschluss tat sich wieder lange Jahre nichts. Inzwischen sind SAVATAGE seit drei Jahren wieder am Start und haben zumindest verlauten lassen, noch ein letztes Album zu veröffentlichen. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich die Gelegenheiten auf Live-Begegnungen weiter verknappen, sodass einige ältere Vertreter bereits vor den ersten Tönen mit Tränen in den Augen an den Absperrungen verweilen.

Was folgt, ist eine energiegeladene Show, die all das vereint, was das Publikum hier im besten Fall erwarten konnte. Die Setlist setzt sich hauptsächlich aus den ganz großen Highlights der Vergangenheit zusammen, auch wenn wir den seit einem Verkehrsunfall gesundheitlich beeinträchtigten Jon Oliva am Mikrofon schmerzlich vermissen. Dennoch liefert Zak Stevens über dem Niveau vergleichbarer Sänger und fuchst sich immer griffiger in die einzelnen Nummern hinein. Als zum Intro von „Believe“ dann Jon via Videoscreen zugeschaltet ist und die US-Amerikaner mit diesem Powerballaden-Überhit und dem anschließenden „Gutter Ballet“ zur Crunchtime einläuten, gibt es unter Freunden melodischer Hymnen kein Halten mehr. Die meisten bleiben hinsichtlich des eigenen musikalischen Spektrums bei DEF LEPPARD stehen.

Andere treibt es zu SVENTEVITH – einem speziell für Livepräsentationen ausgehobenen Projekt, bestehend aus BEHEMOTH-Mastermind Nergal und den isländischen Musikern von MISÞYRMING, die sich des Debüts der polnischen Black-Deather annehmen. Auch wenn nicht so ganz klar ist, aus welchen Gründen sich die Kooperation speist, so sind die Isländer inhaltlich durchaus die richtige Wahl für die sphärischen Melodien, die BEHEMOTH 1995 noch auf ihr erstes Album bannten, bevor sich immer mehr Death-Metal-Einflüsse einschlichen. Anders als bei seiner Hauptband ist diese Präsentation weniger auf Opulenz ausgelegt. Nergal nimmt lediglich beim meditativen „Hell Dwells In Ice“ einen Wechsel seiner Kluft vor und auch der Bewegungsradius des Polen ist auf „nur“ eine Bühnenebene beschränkt. Zwei Stücke der anschließenden „And The Forests Dream Eternally“-EP komplettieren eine lohnenswerte Reise in die Vergangenheit und zeigen einen BEHEMOTH-Fronter, der auch noch ohne Feuerfontänen, Kostüme und verschiedene Stages kann.

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20.09.2026

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Judas Priest, Lacuna Coil, Savatage, Saxon, Def Leppard, Lamb Of God, Castle Rat, Heavysaurus, Airbourne, Hämatom, Heaven Shall Burn und Spectral Wound auf Tour

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