Xandria
Xandria und Diabulus in Musica live in Dresden

Konzertbericht

Billing: Diabulus In Musica und Xandria
Konzert vom 03.11.2014 | Puschkin, Dresden

Drei Hanseln stehen vor einem großen Komplex und stellen fest, dass das Wegbier doch rapide zur Neige geht… Der Grund: Die Herren haben sich in der Startzeit geirrt. „20 Uhr geht es los!“, lautete der Ruf, der Tage zuvor noch durch Dresden brandete. Jedoch stellte sich dies alsbald als fataler Irrtum heraus, als man eine Stunde vor vermeintlichem Showbeginn feststellte, dass es absolut nicht sein könne, dass man die einzigen drei Anhänger trällermetallischer Klänge am heutigen Abend wäre. Der eigentliche Startschuss sollte nämlich erst 21 Uhr fallen und alsbald fanden sich tatsächlich noch Leute ein, die anscheinend dasselbe Ziel wie unsere drei Recken vor Augen hatten. Das Gute daran: So schaffte es auch noch unsere Fotofee rechtzeitig in den Graben, da es an einem Montag wie diesem für arbeitendes Volk immer mal etwas komplizierter werden kann.

Das Puschkin selbst ist ein gemütlicher Komplex, dessen Markenzeichen eine Art „City-Beach“ darstellt, der sich besonders an heißen Sommertagen reger Beliebtheit erfreut. Doch da der Herbst uns schon seit längerem in seinen Fängen hat, begab man sich alsbald nach drinnen um die Bierpreise auszukundschaften. So bestückt ging es anschließend in den Konzertsaal, dessen Fassungsvermögen an diesem Tage leider nicht ausgereizt wurde. Der Anblick des Publikums bestätigte abermals die Annahme, dass der Osten doch eher vergrunztes Gebiet zu sein scheint. Aber egal – wenigstens kommt man ohne Probleme in die erste Reihe! Luxus pur!

Punkt 21 Uhr ist es dann soweit: Die Spanier von DIABULUS IN MUSICA entern die Bühne und legen mit ihren eingängigen Nummern gleich gut los. Das Publikum zeigt sich durchaus interessiert, man bemerkt aber, dass so gut wie Niemandem die Band ein Begriff ist und daher übt sich die Meute in wohliger Zurückhaltung, die aber stets in zustimmenden Applaus mündet, sobald eine Nummer verklungen ist. Ersteres ist kein Wunder, da es sich hierbei (laut eigenen Aussagen der Band) um ihre erste Tour durch die deutschen Lande handelt. Zweiteres ist angesichts dessen aber umso erfreulicher.

Xandria

Zuberoa Aznárez in ihrem Element

Im Laufe des Auftrittes kommen DIABULUS IN MUSICA auch immer mehr aus sich heraus, auch wenn man merkt, dass der Truppe noch ein wenig die professionelle Routine gestandener Größen fehlt. So wirkt die Sängerin Zuberoa Aznárez zuweilen leicht unsicher in der Interaktion mit dem Publikum, wird aber stets von ihrem Keyboardkollegen in sympathischer  Weise gerettet. Besonders er, der Basser und Schlagzeuger David Carrica wirken sehr engagiert und zeigen sehr viel Spielfreude. So verfehlen Songs wie die von Videoportalen bekannten Nummern „Inner Force“ und „Sceneries Of Hope“ ihre Mitschunkelwirkung nicht und regen zum Mitklatschen und Fäusterecken an. Insgesamt eine symphatische Darbietung. Man wünscht der Band wirklich alles Gute auf ihrem weiteren Weg, als sie nach 40 Minuten die Bühne verlassen.

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Gorka Elso überzeugte mit viel Hingabe

So erste Band ist geschafft… Das Publikum wackelt fröhlich plaudernd und sich zufrieden zunickend zum Tresen im Angesicht sichtbarer Flaschengründe. DIABULUS IN MUSICA kommen auch noch mal zum Vorschein und man verhakt sich in wunderbar denglischen Satzfetzen, da einfach die Vokabeln bei Vielen heute nicht so fließen wie an anderen Tagen. Lustig ist es aber allemal. Manch einer rennt auch noch mal aufs geheime Örtchen und stolpert im Gang fast über die ihres Auftretens harrende Madame Dianne van Giersbergen. Eine erfreuliche Schrecksekunde später stellt man fest: „Oh… Gleich geht’s los! Ich sollte mich beeilen!“

Schon bald erklingt das mächtige Intro und alle Besucher preschen vor die Bühne. Die Instrumentalfraktion erscheint und wirft sich in Pose und als XANDRIA mit „Nightfall“ loslegen prescht Dianne auf die Bretter und lässt ihre tonalen Erhabenheiten auf Dresden los. Anschließend folgt ein Set mit den besten Songs der letzten beiden Alben, sowie dem „Bandfluch“ „Ravenheart“ (sicherlich wird der Song sie noch im Grabe verfolgen). Trotz der überschaubaren Besucherzahl zeigen sich die Musiker dabei absolut spielfreudig. Solche tollen Ausdrücke im Gesicht von Schlagzeugmann Gerit Lamm sind mir auf ihren bisherigen Konzerten noch nicht untergekommen. Nur Marco hält sich wie immer leicht zurück, wirkt aber dabei absolut souverän. Man merkt: Er ist der Boss! Der Rest gibt die absolute Frontsau. Diese Energie überträgt sich schon bald auf das Publikum, welches vor der Bühne im siebten Äther schwebt. Die Nackenschmerzen werden sicherlich noch ein Weilchen bleiben. Hat jemand schon mal erwähnt, dass XANDRIA wirklich tolle Moshparts haben? Wehe es kommt noch einmal jemand um die Ecke und sagt: „Des isch ka Mäddl!“

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Guten Laune bei den Herrschaften Giersbergen (l.) und Restemeier (r.)

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Gerit Lamm in seinen gefühlvollen Stunden

Neben Dianne zeigt sich auch das Publikum textsicher und versucht sich untereinander in schönen Tönen zu überbieten. Zum Glück ist Rockmusik meist laut, sodass dieses Entengequäke auf ewig in den Hallen des Puschkin ungehört verhallen möge. Irgendwie fängt man dann auch mit Crowdsurfing an und kommt sogar fast bis zu dem schon vorgestellten Toilettengang. Solcherlei Anblicke erfreut die Musikanten und sich freuende Musiker erfreut das Publikum! Und so wünscht man sich, dass solche Abende möglichst lange andauern.
Doch bleibt die Welt nicht stehen und auch eine Frontfrau bläst irgendwann zum letzten Song. Dass mit dieser Ansage ein Headliner meist die Unwahrheit von sich lässt, ist klar und so bildet nach „Nomads Crown“ das „wishmasterige“ „Valentine“ einen opulenten Abschluss. Unter viel Getöse werden XANDRIA danach nur widerwillig von der Bühne gelassen.

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Steven Wussow brummte in bester Manier

Schon lange ist der letzte Schluck der Verdunstung anheim gefallen und so gönnt sich der eine oder andere Besucher nach dieser Sause noch ein Abschiedsbierchen, während der Großteil sofort in die Autos springt, denn es ist Montag und Dienstag leider kein Wochenende, zumal Etliche mehrere Stunden Autofahrt für diesen Abend in Kauf genommen haben. Aus Dresden selbst war nur wenig Volk vor Ort.
So kam man aber am Ende noch ein wenig ins Gespräch mit der anwesenden Künstlerschaft, ließ sich „Autogrammieren“ und war auch ansonsten guter Dinge. Man hofft, dass XANDRIA auf jeden Fall eines Tages zurückkommen und den östlichen Gefilden einen weiteren wunderbaren Abend bescheren.

Rock’n Träller’n!

Fotos: Julia Thiele

05.11.2014

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1 Kommentar zu Xandria - Xandria und Diabulus in Musica live in Dresden

  1. thommy sagt:

    Großartiges Konzert! Habe Xandria dieses Jahr schon in Zwickau und Berlin gesehen. Ihre Spielfreude ist unglaublich, auch wenn mal nicht so viele da sind. Gerit war wieder der Hammer. Wir immer auch top supports! Hatte erst Bedenken, was den sound betraf, aber weit gefehlt, das war total Klasse. Und ja anschließend noch ne Stunde nach Hause fahren, und ja nächsten Tag früh raus, und ja nächstes Mal wieder mit dabei!
    Gruß
    thommy