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Ära Krâ - Ferne Tage

Review

Die große Geheimniskrämerei geht wieder los. Eine Band taucht mit einem Album auf, und das Infozettelchen behauptet, dahinter steckten „gestandene Musiker“, die bei „verschiedensten Labeln“ unter Vertrag standen oder stehen. Aaaaaaaber weil ja „Musik weder Namen noch Gesichter braucht“, darf natürlich niemand erfahren, wer denn das Scheibchen nun verbrochen hat. Damit haben ÄRA KRÂ genau das erreicht, was sie nicht wollten, jedenfalls bei mir: Bevor ich mir auch nur eine Minute der Musik angehört habe, musste ich erstmal investigativ tätig werden und probieren, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. TKKG-Journalismus sozusagen. Und das Ergebnis?

Eigentlich gar nicht schwer zu lüften. ÄRA KRÂ spielen Black Metalcore (!) und erinnern mich damit schon an DER WEG EINER FREIHEIT, bevor ich auch nur die CD eingeworfen haben. Ich verwette die Hälfte der Haare auf meinem Rücken, dass hinter der etwas eintönig bellend-corigen Black Metal-Stimme, die ÄRA KRÂ textlich Ausdruck verleiht, trotz der 98,5%igen stilistischen Verwandtschaft nicht etwa Torsten von AGRYPNIE steckt, sondern ex-FUCK YOUR SHADOW FROM BEHIND-Mikrofonist Adrian Schler. Da hätten wir schon die Parallele zu DWEF. Der eine oder andere der FYSFB-Jungs ist daneben sicherlich ebenfalls mit dabei, ausgenommen Nikita und zweiter Sänger Tobias, die ja mit DER WEG EINER FREIHEIT selbst ganz gut zu tun haben. Dass „Ferne Tage“ vielleicht sogar das zweite FYSFB-Album hätte sein können, legt auch die Aufnahmezeit von September bis Dezember 2010 nahe – dafür war nach der Auflösung von FYSFB im September 2010 sicherlich genug Zeit.

Damit ist der Dunstkreis relativ klar. Stilistisch sind vor allem die corigen Elemente, die zum Glück deutlich im Hintergrund stehen, und die halbakustischen Ausleitungen das, was an die ehemaligen Würzburger Shootingstars des deutschen Deathcores erinnert. Woher die Black Metal-Elemente kommen, weiß ich nicht – aber sie sind verdammt cool. „September“ etwa, der Opener, ballert im BEHEMOTH-Tempo los, und auch mit dem zweiten Track „Odem“ drosselt die Truppe die Geschwindigkeit kaum. Das ist aber nicht alles, was „Ferne Tage“ zu bieten hat.

Denn: Danach verlegt sich die Band auf experimentellere Elemente, wird in OPETH-Manier progressiv („Eos & Eis“), baut schöne Postrock-Leads („Licht“) und Akkordeon-Sounds ein („Neuschnee“) und verliert sich mitunter sogar in jazzigen Gefilden mit sehr coolen Bassgrooves. Letzteres lässt mich auf die Idee kommen, dass mindestens einer der Hauptsongwriter von einer Band vom Kaliber WAR FROM A HARLOTS MOUTH stammen könnte (was nahelegt, dass ÄRA KRÂ aus dem Raum Berlin kommen müssten, was auch die unterschwellig aggressive, urban-traurige Atmosphäre erklären würde). In den Mathcore-Bereich wagen sich ÄRA KRÂ nicht, aber sie machen ganz klar deutlich, dass ihnen die eng gesteckten Genrerahmen von Black Metal, Postrock und Metalcore auf die Nüsse gehen und sie nur daran interessiert sind, zu einem ziemlich runden musikalischen Ergebnis zu kommen. Das erreichen sie, auch wenn die stilistische Mischung aus drei angesagten Genres ein bisschen Kalkül vermuten lässt. Trotzdem – wenn das auch noch so gut selbstproduziert und echt geschmackvoll aufgemacht ist, sollte man eigentlich gepflegt darauf pfeifen, wer dafür nun verantwortlich ist und nur noch darüber nachdenken, wieviel man für den Download des Albums von bandcamp.com freiwillig spendet.

02.04.2011

Der metal.de Serviervorschlag

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