Baroness - Gold & Grey

Review

Galerie mit 8 Bildern: Baroness - Purple Tour 2016

Das tut wirklich weh: Da platzten BARONESS einst mit ihrem Sound von „The Red Album“ und „Blue Record“ mit Furore ins Geschehen, der mühelos progressiven Sludge in kompakte, erdig rockende Songs steckte. Und dann findet man sich an einem Punkt wieder, an dem sich die Band einem deutlich breiteren Publikum geöffnet und ihren Sound entsprechend entschlackt hat – entsludged, wenn man so will. Was seinen Anfang auf „Yellow & Green“ nahm und qualitativ in „Purple“ gipfelte, erfährt nun mit „Gold & Grey“ seinen vorläufigen Tiefpunkt.

BARONESS im Reich der Mittelmäßigkeit?

Die Band aus Savannah gefällt sich anno 2019 vor allem darin, weitläufig in der Weltgeschichte herumnudelnde, nahezu durchgehend mittelmäßige Songs, teilweise gar mit klischeehaftem Arena-Rock-Appeal, hervorzuhieven, anstatt ihrem Sound die Knackigkeit und Kantigkeit zu verpassen, die ihn einst so gut gemacht hat. Hinzu kommt eine absolut fade Pop-Anbiederungen in Form von „I’d Do Anything“, das nur ein paar „Woohoohoos“ davon entfernt ist, zu einer auditiven Millennial-Krankheit zu werden.

Auch sonst finden sich auf „Gold & Grey“ nur wenige Momente, die positiv im Gedächtnis bleiben. „I’m Already Gone“ funktioniert als konventioneller Rock-Song noch am besten, da es simpel aber effizient strukturiert daher kommt. „Seasons 1“ kommt druckvoll aus der Reserve mit einem rhythmischen Wechsel zur rechten Zeit, der dem Song ordentlich Dampf verleiht. Auch „Tourniquet“ gesellt sich mit seinem Fokus auf Atmosphäre zur kurzen Liste an Treffern, die BARONESS auf „Gold & Grey“ souverän landen. Selbst der vergleichsweise aggressive Auftakt von „Throw Me An Anchor“ gefällt, zumindest bevor der Song sich in Beliebigkeit verliert.

Aber dann ist da natürlich der Sound, der im Netz bereits zu Genüge diskutiert worden ist – mit Recht. Das Album klingt wie auf halben Wege zum fertigen Mix aus dem Studio gejagt. Die verzerrten Gitarren knurren bisweilen eigentlich ziemlich gut, aber es fehlt ihnen über weite Strecken die Kontur, sodass die Riffs die Tendenz zur unschönen Breiigkeit haben, wenn sie nicht gerade zu einem kraftlosen Kratzen im Hintergrund verkommen, dem das Fleisch auf den Rippen fehlt. Weitere klangliche Inkonsistenzen wie Übersteuerungen, Kompression und ein generelles, unstrukturiert anmutendes Klangbild, das bisweilen gar Demoqualität aufweist, gesellen sich dazu und machen zum Beispiel das letzte Drittel von „Broken Halo“ nahezu unhörbar.

„Gold & Grey“ ist ein ziemliches Durcheinander

Kurzum: Mit einem Sound, der teilweise wie stümperhaft zusammengeflickt klingt, und Songs, die eher selten auf den Punkt kommen, haben sich BARONESS wahrlich keinen Gefallen getan, jedenfalls keinen langfristigen. Dazu kommen Interludes, die wie bestellt und nicht abgeholt in der Trackliste verteilt worden sind, sowie eine Gesangsdarbietung, die zwar durchweg solide und treffsicher ist, den Songs aber auch keine Dynamik verleiht, weil die Sludge-Kante wie eingangs angedeutet praktisch gänzlich rausgefiltert worden ist.

Und das ganze tummelt sich in einem viel zu lang geratenen Album, das man locker auf die Hälfte hätte einreduzieren können. Immerhin unterhalten die markanten Riffs, die immer wieder ihren Weg in die Songs hinein finden, halbwegs kompetent, und erinnern uns daran, dass hier immer noch BARONESS am Werke sind. Und die paar Hooks, die funktionieren, so etwa die Gesangslinien von „Borderlines“, lassen wenigstens ein bisschen aufhorchen. Doch ansonsten bleibt auf „Gold & Grey“ mehr „Grey“ als „Gold“ zurück. Dieses Album ist einfach ein ziemliches Durcheinander…

26.06.2019

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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Baroness auf Tour

5 Kommentare zu Baroness - Gold & Grey

  1. ClutchNixon sagt:

    En Gros beschissene Songs an beschissener Produktion. Wenig bis gar nichts blieb vom Furor vergangener Tage. Selbstverständlich gehörte das gewisse, mitunter mutige Maß an Entwicklung zu Baroness stets dazu, kein Album klingt wie das andere, aber so plan- respektive zahnloses Rumgepimmel hätte ich dieser eigentlich großen Band niemals zugetraut. Enttäuscht ob dieser beschissenen Entwicklung, schreibe ich gerne noch ein weiteres Mal beschissen.

    3/10
    1. poshmit sagt:

      Unterschreibe ich so auch. Nur verwende ich nicht das Wort „beschissen“, sondern die Worte: EXTREM kackleingweilig. 🙂
      Zwei Songs von 17, die mich interessiert aufhorchen lassen. Sind 11%. Dementsprechend meine Wertung plus ein Punkt, weil sie es versucht haben. Mageres Zeugnis für die vorangegangene Klasse von Baroness.

      2/10
      1. ClutchNixon sagt:

        Ich trauere ja nicht dem Red Album hinterher, aber meine Fresse ist das traurig! Ich hoffe sie fangen sich noch mal.

  2. JBkhawis sagt:

    Wow ich bin tatsächlich sehr überrascht von den schlechten Wertungen.
    Ja, Baroness haben Ihren Sound stark verändert und normalerweise bin ich kein großer Fan davon, wenn Bands „softer“ wären. Bei Baroness hat mich das allerdings nie gestört. Natürlich hätte ich eine härtere Gangart auf dem neuen Album begrüßt, dennoch finde ich die Songs sehr interessant und bin auch vom Gesamtbild sehr überzeugt, möglicherweise mehr als vom Vorgänger. Songs wie Cold Blooded Angels, greifen zum Beispiel alles auf wofür ich Baroness liebe. Ein ruhiger, verträumter Anfang der von jetzt auf gleich explodiert. Darüber hinaus ist das Songwriting (vor allem die Texte) meiner Meinung nach alles andere als willkürlich. Die Songs bauen auf einander auf und spielen greifen Motive wieder auf.

    Dennoch gibt’s Abzüge in der B-Note aufgrund der Produktion, da is deutlich mehr drin. Das ein oder andere Interlude hätte man sich vielleicht auch sparen können.

    7/10
  3. BlindeGardine sagt:

    Ich fand Baroness zugegeben immer etwas overhyped, grundsätzlich aber ganz ok. Diesmal ist das Songmaterial jedoch weitestgehend allenfalls durchschnittlich, jedenfalls nicht spektakulär. Was dem Fass aber den Boden ausschlägt ist die Produktion. Himmel, Arsch und Zwirn! Ich hab einen Durchgang geschafft und mir klingeln jetzt noch die Ohren. Was haben die sich dabei gedacht? Ich glaube das ist die schlimmste Produktion einer etablierten und erfolgreichen Band, die ich seit Judas Priests „Redeemer of Souls“ gehört habe, ein Album mit eigentlich guten Songs, welches ich mir aber bis heute nicht anhören kann.

    4/10