Coprolith - Death March

Review

Worin besteht das größte Manko all der unzählbaren überflüssigen Black- und Death-Metal-Langrillen der letzten zwanzig Jahre? Richtig, sie sind so seelenlos, dass ein gewöhnlicher Untoter dagegen wie ein verträumter Poet erscheint, und sie besitzen damit einhergehend weniger Atmosphäre als eine Kirmes-Geisterbahn bei Festtagsbeleuchtung.

COPROLITHs „Death March“ gehört in oben beschriebenem Riesenhaufen zwar nicht zur untersten Schicht, aber viel fehlt nicht mehr. Wäre der Blackened Death Metal der Finnen mit moderatem, mitunter in tiefe Tonlagen gehenden Keifgesang lediglich so zahm, wie er aus den Rillen quillt, gäbe es relativ wenig zu meckern. Man würde das Ganze als knapp solides, um Abwechslung bemühtes Scheibchen einsortieren und fertig. Doch durch den fürchterlich sterilen Klang und insbesondere das maschinell tackernde Schlagzeug gerät die dicke Dreiviertelstunde weitestgehend zur Qual. Nein, das hier klingt nicht im positiven Sinne entmenschlicht-kalt, sondern einfach nur glattgebügelt und geleckt – klar, die Geschmacksverirrten der Gegenwart beschreiben sowas dann mit massenhaften Anglizismen als „tight eingeprügelt, mit druckvollem und klarem Sound“. Man könnte wirklich meinen, dass hier im digitalen Perfektionswahn vier Roboter darauf programmiert wurden, ein modernes Death-Metal-Album mit einem Haufen an Schwarzwurzel-Zitaten einzuspielen. Auch der Ideenfundus lässt dies vermuten: Das geschwindigkeitsmäßig gedrosselte Titellied etwa beginnt mit Glockengeläut – nein, wie kreativ! Und auch ansonsten glänzen COPROLITH mit Plattitüden der Marke „Life = Disease“.

Selbst ein, zwei halbwegs stimmungsvolle gesprochene Passagen und ein paar überraschenderweise gelungen klagende Gitarrenläufe – beim eher schwarzmetallischen und passablen „This Nightmare“ sowie beim ebenfalls nicht ganz so schlimmen „Hate Infected“ – können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier lediglich ein weiteres Beinahe-Bodensatz-Beispiel aus einem bis kurz vor den Erstickungstod übersättigten Genre vorliegt; eine regelrecht zu Tode produzierte Platte, die unter anderen Vorzeichen vielleicht annehmbar hätte werden können. So aber ist „Death March“ ein ziemlicher Stinker. Die im Promo-Zettelchen angeführten Gastauftritte von FINNTROLL-, 1349- und DEN SAALKALDTE-Mitgliedern – vielleicht zeichnen sie sich ja für die erträglichen Teile verantwortlich – wirken da wie der klägliche Versuch, aus Kunstkäse doch noch zumindest ein Fitzelchen Gold zu machen.

24.02.2014

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