Cult Of Luna - The Beyond

Review

Galerie mit 8 Bildern: Cult Of Luna & Julie Christmas – "Mariner" live in Kortrijk

Apocalyptic Swedish Noisecore? Ich denke ich bin nicht der einzige, der sich spontan unter dieser musikalischen Kategorisierung nichts vorstellen kann. Diese werbewirksame und mit aller Bestimmtheit den findigen Köpfen der Label-Manager entsprungene Bezeichnung, erhält durch das musikalische Etwas, das zunächst schwer zu definieren ist, durchaus ihre Berechtigung.

Auf dem Beipackzettel war wie gewohnt der Herkunftsort der schwedischen Nordmänner zu erfahren – nämlich Umea – doch diese Stadt scheint auch der Auslöser für die Düsternis und den Weltschmerz zu sein, die sich im neuen kreativen Produkt „The Beyond“ dem geneigten Hörer in das entsprechende Hirnzentrum meißeln. Das steht dort nämlich auch, auf besagtem Zettel: Umea muss wirklich die Hölle Skandinaviens sein, denn auch MESHUGGAH, REFUSED und NAGLFAR wohnen dort – fernab von der Götheburgschen Metal-Zivilisation, die bekanntlich die Brutstätte für allerlei fein geschliffene, melodisch-gefällige Ausgeburten zu sein vermag. Die Bangnis und Verlorenheit dieses finsteren Ortes, der die armen Post-Wikinger von CULT OF LUNA zeitlebens ausgesetzt sind, wurde mit einigem Geschick und Leidenschaft auf einen Tonträger gebannt.

Und was da nun gewaltig schallt, und dröhnt und hämmert, dabei aber trotzdem zäh und schwerfüßig anmutet, klingt wirklich nach Apokalypse und trotz der Behäbigkeit entfaltet sich zuweilen ein wahrer Sturm der Aggression, der aus dem Klangdickicht mit aller Vehemenz heraufzutauchen versucht.

Die betonschweren, depressiven Gitarrenriffs und Noisecore-Attacken sind zwar gelungen und ebenso fest mit dem schmerzerfüllten Gekreische des Vokalisten verwoben – doch wer hier auf die Spieltechnik und Härte fokussierten Metal erwartet, liegt meilenweit daneben. Nicht die Musik steht hier in ihrem elementaren Sinne im Vordergrund, sondern sie ist nur der Träger der vorgebrachten Dramatik des Seins. „The Beyond“ ist keine Musik, die durch ihren ständigen Fluss oder ihre technisch-spielerische Ausgefallenheit zum gebannten Hören geeignet wäre. Vielmehr erschaffen CULT OF LUNA hier durch ihr Klanggerüst eine derart bedrückende Atmosphäre, die den passenden Hintergrund zu grauen Regentagen und wolkenverhangenen Novembernachmittagen bieten könnte.

Das alles hat aber einen Haken: Mitunter tritt, wie bei solchen eher atmosphärisch angelegten Scheiben üblich, eine gewisse Langatmigkeit auf, die je nach Hörgeschmack auch in Langeweile umschlagen kann. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man sich bei dem ganzen Noisecore-Werk an die Amerikaner NEUROSIS zu ihren „Souls At Zero“-Zeiten erinnert fühlt und dadurch – hier kommt Kritikpunkt Nummer drei – nicht im Ansatz eine nordisch wirkende Atmosphäre oder ein Stück europatauglicher Skandinavistik zu finden ist. CULT OF LUNA klingen für ihre Herkunft einfach zu amerikanisch und NEUROSIS haben im Psychedelic-Bereich sicher schon einen Großteil abgedeckt. Das mag als Kritik vermessen klingen, doch wer mit seiner Herkunft und seinem Wohnort wirbt und noch dazu ausdrücklich sagt, dass die Musik ein Abbild der Umwelt sein soll, der muss mit solchen Einwänden rechnen.

Doch 7 Zähler mit einem großen Daumen nach oben für die Zukunft erscheinen hier durchaus gerechtfertigt, denn Atmosphäre und metallische Schwere hat das Teil allemal, die Produktion ist druckvoll und für NEUROSIS-Fans ist sie auf jeden Fall ein Muss.

12.02.2003

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2 Kommentare zu Cult Of Luna - The Beyond

  1. Anonymous sagt:

    Grösstenteils kann ich dem Review zustimmen. Die Macht, die Cult of Luna mit ihrem zweiten Album auf den Hörer loslassen ist nur schwer zu verdauen. Die betonschweren Gitarren und der runtergestimmte Bass bauen hier eine Wand auf, die zusammen mit dem Schlagzeug und den verzweifelten Schreien von Sänger Klas Rydberg den Hörer scheinbar mit in den Abgrund dieser Welt zieht. Wer akut suizidgefährdet ist, sollte um dieses Album einen grossen Bogen machen. Die Vergleiche mit Neurosis sind auf jedenfall angebracht, aber es gibt auch parallelen zu Isis‘ Oceanic. Langatmig wird mir dieses Album aber nicht, da die Lieder (auch aufgrund ihrer teilweisen Länge von über 10 Minuten!) sehr abwechslungsreich sind. So beginnt zum Beispiel das 2. Lied erst brachial, um dann nach etwa 1:45min in eine langsame und drohende Stimmung zu wechseln, die sehr atmosphärisch wirkt. Nach ca. 4:20min kommt dann wieder der Ausbruch. Dieses Wechselspiel der Gefühle in prakt. jedem Lied ist es, was mich an C.o.L fasziniert und sie zu meiner absoluten Lieblingsband macht. Respekt!

    10/10
  2. Anonymous sagt:

    Definitiv sehr sehr extreme Musik,also genau nach meinem Geschmack*g*.Fand ich das erste Album sehr schön und vor allem sehr "mächtig" und beeindruckend finde ich trifft dieses Album hier genau das was ich mir unter dem Begriff Noisecore vorstelle.Musik aus massiven Gitarren,Bass und was weiss denn ich noch was für Sachen,extremes Hardcoregebrüll,diese sehr einnehmende Langsamkeit des Doommetal und etwas das man gar nicht so sehr beschreiben kann.Man fühlt es eher.Man glaubt die Sonne scheint nie wieder trifft es wohl am ehesten.Es groovt nicht,nein auf keinen Fall.Es walzt einfach alles nieder.Ähnlich wie beim Grindcore werden jetzt auch viele Leute sagen klingt ja doch alles gleich muss ich da wiedersprechen:man muss bloss genau hinhören und sich Zeit dafür nehmen.Das habe ich auch gemacht und bereue es nicht,einfach nur zuhören und sich gefangen nehmen lassen von dieser härtesten aller Metal-Arten….

    10/10