Cynic - Carbon-Based Anatomy

Review

Ich muss gestehen: Ich bin ein bisschen enttäuscht. Ich sollte vielleicht gleich relativierend hinzufügen, dass ich außer der grandiosen „Focus“ nicht viel aus dem Hause CYNIC kenne…

Dennoch: Ich bin ein bisschen enttäuscht. Das beginnt bei der Tatsache, dass nur drei der sechs auf „Carbon-Based Anatomy“ zu findenden Tracks die Bezeichnung „Song“ überhaupt verdienen. Diese sind immerhin durch fetten Drucksatz auf dem Back-Cover als solche zu erkennen, was aber nur ein schwacher Trost ist. Glücklicherweise reduzieren die drei Prä-, Inter- und Postludien die Spielzeit von gut 23 Minuten (die für eine EP vollkommen in Ordnung geht) nicht signifikant, so dass der geneigte Hörer immerhin knappe sechzehn Minuten CYNIC geboten bekommt.

Doch selbst diese sechzehn Minuten wollen mir nicht so richtig gefallen. Es steht dabei außer Frage, dass CYNIC sowohl technisch als auch klanglich über jeden Zweifel erhaben sind – aber von einer Band, die mit „Focus“ ein Meisterwerk progressiven und technischen Death Metals abgeliefert hat, erwarte ich mehr als dieses – ich sag’s jetzt einfach mal – seichte Gedudel. Jetzt ist es raus.

Ich kann – ehrlich gesagt – nämlich keine besonders progressiven Ansätze finden. Das Schlagzeug spielt weitgehend verwandte Patterns, verzerrte Gitarren sucht man fast vergebens, ebenso die-Kinnlade-herunterklappendes Gefrickel. Stattdessen haben die Jazz- und vor allem die Prog Rock-Anteile erheblich zugenommen, was besonders den Titeltrack nach der B-Seite einer PORCUPINE TREE-Scheibe klingen lässt.

Nee, also irgendwie werde ich auch nach zig Durchgängen (geht ja schnell…) nicht mit der Scheibe warm. Sie fordert mich einfach zu wenig – und wenn ich guten progressiven Rock mit Jazz-Anleihen hören will, greife ich zu PORCUPINE TREE oder der neuen OPETH. Fans der Amis von CYNIC werden „Carbon-Based Anatomy“ natürlich blind kaufen und vermutlich auch über den grünen Klee loben. Dem kann ich mich aber beim besten Willen nicht anschließen.

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31.10.2011

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4 Kommentare zu Cynic - Carbon-Based Anatomy

  1. Dave-o sagt:

    Nun, in erster Linie find ich es sehr schade, dass der Rezensen die beiden anderen Werke von Cynic nicht kennt ( Traced in Air\ Re-traced Ep ).
    So ist der musikalisch Weg der Band für ihn nicht sehr leicht nachvollziehbar…
    Das fehlende Vorwissen in Verbindung mit Vorurteilen führt zu einer solch unprofessionellen Rezension.
    Bsp. Death Metal —> Cynic?
    Wir schreiben das Jahr 2011 und nicht 1993 ( = Erscheinungsjahr von Focus )!!!
    LIEBE CYNIC-GEMEINDE MACHT EUCH SELBST EIN BILD…
    GREEZ DAVE

  2. Falk sagt:

    Ich habe noch nie so recht verstanden, warum es immer als obligatorisch gilt, dass der Rezensent die gesamte Diskographie einer Band kennt – und dass es als ‚unprofessionell‘ gilt, wenn dem nicht so ist. Wünschenswert ist es natürlich – angesichts der Vielzahl an unterschiedlichsten Alben aber schlechthin unmöglich. Gute Musik muss meines Erachtens auch dann in der Lage sein, mich zu begeistern, wenn ich noch nie etwas von dem Künstler oder der Band gehört hätte/habe.

    Unprofessionell wäre es eher, wenn ich einfach behauptet hätte, alle CYNIC-Veröffentlichungen zu kennen – obwohl es nicht stimmt. Ich habe – sofern ich mich gerade nicht täusche – auch nirgends behauptet, dass mich „Carbon-Based Anatomy“ deshalb nicht begeistert, weil sie nicht nach „Focus“ klingt. Ich werde mit der EP nicht warm, weil mir die Musik zu seicht und unspektakulär ist. Darüber kann man sicher geteilter Meinung sein, daher habe ich bewusst auf eine Punktwertung verzichtet.

  3. Matthias sagt:

    Ich als alter CYNIC-„Fan“ hab mir das Teil mittlerweile mehrfach angehört, und zwar nicht, weil ich die EP so toll finde, sondern weil ich nicht so ganz verstehe, was das soll… Insofern stimme ich Falk vollkommen zu, dass „Carbon-Based Anatomy“ relativ unspektakulär ist und rein von der musikalischen Seite nicht das ausstrahlt, wofür CYNIC (zumindest aus meiner Sicht) bislang standen. Für mich ein Release, den man definitiv nicht braucht und auch nicht wirklich gehört haben muss… überflüssig.

    6/10
  4. Florian Schörg sagt:

    Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass es oftmals wesentlich besser ist, wenn man ganz unbedarft an ein Album herangehen kann, ohne den Backkatalog der betreffenden Band zu kennen. Denn immerhin soll das Werk ja in der Regel für sich selbst stehen können und möglichst neutral bewertet werden. Und wenn man sich dann mal in eine Band und ihr Schaffen reingefuchst hat, darf man sich wieder anhören, man würde als Fanboy ein neues Album der Gruppe nicht mit der nötigen Objektivität betrachten. Recht machen kann man es in dieser Hinsicht also ohnehin niemandem.