Dead Of Winter - At The Helm Of The Abyss

Review

„Und es blieb nichts zurück, außer verbrannte Erde. Tote, zerstörte Leiber mit grauenhaft verzerrten Gesichtern. Vernichtet, ausradiert, ausgelöscht“. So ungefähr könnte es klingen, wenn die Menschen über „At The Helm Of The Abyss“ sprechen. Vermutlich sind diese Worte sogar nur eine mangelhafte Umschreibung des gnadenlosen Infernos, welches die Kanadier DEAD OF WINTER mit ihrem zweiten Album abgeliefert haben.

Diese Veröffentlichung als reines Prügelalbum abzustempeln wäre vermutlich absolut unpassend, denn „At The Helm Of The Abyss“ ist davon weit entfernt. Nein, nicht nach unten, sondern nach oben. Ich habe keine Ahnung, ob die Typen gar nicht langsam spielen können, aber das hier ist ja mal der absolut krasseste Hammer, den ich seit langem gehört habe. DEAD OF WINTER degradieren die schnellen Blastparts von Bands wie zum Beispiel DARK FUNERAL zu entspannten Yoga-Klängen. Das, was diese Typen hier abfeiern ist der blanke Wahnsinn, aber auch der blanke Hohn. Ich glaube, es gibt auf dem gesamten Album weniger als eine Handvoll langsamere Parts, die irgendwo im normalen Up-, bzw. Midtempo anzusiedeln sind, ansonsten regiert das volle Brett. Highspeed, Highspeed und nochmal Highspeed. Der Drummer kommt aus dem hämmern gar nicht mehr raus. Stellenweise gibt es innerhalb eines Songs lediglich Variationen in der Geschwindigkeit des Blastbeats, was schon irre genug ist irgendwie. Auf „At The Helm Of The Abyss“ sind Stücke zu finden, die komplett durchgerammelt werden, kaum Abwechslung im Beat haben und nur durch einige wenige Wirbel über die Tom Toms aufgelockert werden. Dazu gibt es Gitarren, die so herzlich heftig und ohne Erbarmen sägen, dass man als Hörer aus Unsicherheit gegenüber dermaßen aggressiver Kompromisslosigkeit schon fast grinsen muss. Besonders ins Ohr trifft der Rauswerfer „Seminary Of Desolation… At The Helm Of The Abyss“, der mit seinen über elf Minuten durchgehend Raserei bietet und dem Hörer keine einzige Sekunde zum Verschnaufen gönnt. Ziemlich abgefahren.
Der Sound des Albums ist ziemlich roh und ungeschliffen, jedoch nicht als totaler Müll zu bezeichnen. Ein typisch (absichtlich) leicht unterproduzierter Black-Metal-Sound halt, der trotzdem recht wirksam die stressige Musik in Szene setzt.

Man darf und muss sich natürlich fragen, was es für einen Sinn macht, dermaßen extrem und dickköpfig zur Tat zu schreiten, zumal viele Hörer bereits nach dem ersten, bzw. den ersten Tracks vollkommen überfordert aufgeben werden. In der falschen Stimmung gehört, bewirkt diese Scheibe nämlich genau das Gegenteil von dem, was es transportieren soll. Den Jungs von DEAD OF WINTER scheint aber genau das absolut egal zu sein, denn warum sonst sollten sie so enorm kalkuliert kaltblütig zur Sache gehen?!

„At The Helm Of The Abyss“ ist jenseits von gut und böse. Musikalisch dermaßen extrem, dass man kaum ein vernünftiges Fazit abgeben kann. Mal abgesehen vom fehlenden Abwechslungsreichtum (den die Band gar nicht praktizieren will), ist die Durchschlagskraft trotzdem vorhanden, und allein der Mut, so zu bolzen, wie es DEAD OF WINTER tun, hebt sie im Endeffekt über den Schnitt.

Leider haben sie sich in diesem Jahr aufgelöst (siehe auch das interessante Statement auf der Band-Website), so dass es bei dem CDR-Demo-Album „Abandon All Hope“ und dem einzigen offiziellen Release, „At The Helm Of The Abyss“, bleiben wird.

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30.05.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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