Dekadent - Manifestation Of Seasonal Bleeding

Review

Ein gar ungewöhnliches Exemplar intelligenter Tonkunst haben die Slowenen DEKADENT hier geschmiedet. Die Herkunft und der Bandname lassen keinesfalls auf das schließen, was den Hörer die nächsten neununddreißig Minuten erwarten wird. Das Quintett um Artur Felicijan (Gitarre, Vocals) wagt auf „Manifestation Of Seasonal Bleeding“ nämlich seine ureigene Symbiose aus progressiven Elementen und Black Metal, wobei letzterer – im Gegensatz zu seiner in anderen Bands genretypisch negativ ausgerichteten Grundstimmung – bei den Südosteuropäern eine enorm positive Ausstrahlung in sich birgt. Ja, tatsächlich werden auf diesem Album nur selten mollfarbene Steinchen in das Klangmosaik eingesetzt. Das erschafft zusammen mit den oftmals stark an PINK FLOYD erinnernden, manchmal absurderweise aber auch DEVIN TOWNSEND zu dessen „Ocean Machine“- und „Terria“ ins Gedächtnis rufenden Instrumentallandschaften eine sonderbare Stimmung. Trotz des eigentlich ‚fröhlichen‘, das Album dominierenden Dur-Tongeschlechts ist die packende, ergreifende Atmosphäre der bildhaften Kompositionen eher melancholisch-verträumter Natur und zaubert dem Rezensenten nicht selten Tränen der Überwältigung in die Augen.

Die Kontraste, die in der dargebotenen Musik vorzufinden sind, könnten kaum krasser sein, denn auf der einen Seite finden sich solche Ingredienzien wie schneidend scharfe, höhenlastige, aggressive Gitarren, polternde, natürliche Drums und endfieses Kreischen wieder, welche allesamt beinahe schon undergroundig-rau abgemischt wurden. Diesen Zutaten gegenüber stehen transparente, wohlklingende Keyboardflächen, vereinzelt schöne, von Valentina Lacovich vorgetragene Gesänge natürlicher Art und harmonische Leadgitarrengemälde, die allesamt in ein breites, ausladendes Soundspektrum gefasst wurden. Miteinander kombiniert wirkt all das anfangs noch verstörend, aber gerade diese Mehrschichtigkeit ist schnell als eines der prägendsten Stilmittel identifiziert. Nur gelegentlich wird die Geschwindigkeit angezogen, meistens stampft das Material in mittleren bis niedrigen Temporegionen, was dem Ganzen eine majestätische Erhabenheit verleiht, die man heute nur noch selten im Black Metal entdecken darf. Um nach einem vergleichstechnischen Strohhalm – so dünn und zerbrechlich, dass er schon bei Berührung zu zerreißen droht – zu greifen, könnte man bestenfalls SEAR BLISS, die gemäßigteren frühen EMPEROR und urige SAMAEL als versuchten Vergleich heranziehen.

Möglicherweise könnte die eigenwillige Produktion des Langeisens für Gewohnheitshörer ein Störfaktor sein, doch ich wage die These in den Raum zu stellen, dass ein anderes Soundgewand niemals funktionieren würde. Denn mit einem homogeneren, bequemeren und normaleren Sound würde eines der wichtigsten Elemente der Band sang- und klanglos verloren gehen: die Dualität, das Zusammenspiel der Gegensätze. Das Gesicht von DEKADENT. „Manifestation Of Seasonal Bleeding“ ist etwas ganz Besonderes und Wertvolles, ein faszinierendes Experiment ohne Kompromisse, ein Paradebeispiel des ungezwungenen Andersseins. Kunst, die von Seele zu Seele wandert und Grenzen verschiebt. Individuell und wunderschön, mit all ihren Ecken und Kanten. Ein Werk, das man überall mit hin nehmen möchte… bis ins Grab.

Das edle Digipak ist auf 1000 Exemplare limitiert und kommt mit edlem Silberdruck daher. Auch audiovisuelles Material wurde auf die Debüt-CD gepackt, so darf man professionelle und gelungene Videoclips zu den beiden Albumtracks „Dissident Dream“ und „Vigred“ genießen.

23.01.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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