Eisregen - Wundwasser

Review

Galerie mit 22 Bildern: Eisregen - Wolfszeit Festival 2021

Eisregen sind wieder da! Nach einer dreijährigen Abstinenz melden sich die Thüringer unter neuem Label und mit dem fünften Album des auf sechs Scheiben ausgelegten Bandkonzept zurück, und versuchen sich auch auf Wundwasser wieder mit provokativ ausgelegten Texten und Songs die melodisch nach dem allseits verkannten Farbenfinsternis nun deutlich abwechslungsreicher aus den Boxen brettern.
Und rasch kristallisieren sich auch die großen Highlights aus der himmelblauen Tracksuppe heraus: Der filigran bolzende (?) Opener ‚mein Eichensarg‘, die theoretisch auch auf Krebskolonie passende Ich-töte-das-Muttertier-Story ‚vom Muttermord‘, der treibend rockende und gut erzählte ‚Ripper von Rostow‘, sowie der abschließende Titeltrack welcher das lyrische Konzept der Band wie kein anderer Song vor ihm repräsentiert und ohne Zweifel zu den besten Nummern Eisregens überhaupt zählt.
Doch was ist mit dem Rest? Zugegeben, Eisregen-Neulinge werden auch mit den übrigen Tracks ihre helle Freude haben und dürfen schonmal ihre Küchenmesser polieren, doch wer bereits die Vorgängeralben sein eigen nennen kann, findet im Rest des Wundwassers schnell Ernüchterung. ‚Blutgeil‘ könnte auch auf die Zerfall gebrannt werden, die Lucio Fulci Hommage ‚am Glockenseil‘ besteht quasi zu 100 % aus dem krebskolonistischen ‚Nachtgeburt‘, und der Rest pendelt sich irgendwo zwischen eben letzterem Album und der Leichenlager ein. Das gleiche gilt für die Texte, die zwar gewohnt gut sind, aber vom typischen Provokationskonzept keinen Millimeter abweichen und daher selbst bei der BpJS für nicht mehr als ein müdes Gähnen sorgen dürften (abgesehen von dem lyrisch großartigen Titeltrack). So wird die Scheibe im Endeffekt so sehr verwässert dass im Gegensatz zu Krabbenkolonie und Farbenfinsternis keine wirklich Richtung mehr zu erkennen ist; was auf Fans natürlich eine stark ernüchternde Wirkung hat.
Also das Fazit: Wer mit Wundwasser auf ein deutsches Antidot gegen Nymphetamine gehofft hat darf weiter der britischen Metalfraktion zuhören – alle anderen finden dennoch ein sehr ordentliches Album vor sich dass glücklicherweise nicht das Ende der Karriere von Eisregen darstellt. Hoffen wir weiter auf den finalen Paukenschlag ‚Menschenmaterial‘, denn die Scheibe wird auf jeden Fall schon mal den Bonus des besten Albumtitels in der Diskografie dieser Band inne haben.

04.11.2004

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7 Kommentare zu Eisregen - Wundwasser

  1. thomas sagt:

    album nr 5 von insgesamt 6? na dann haben wirs ja bald überstanden…

  2. him sagt:

    Klingt, als ob eine mäßige Schulband keinen Sänger gefunden hätte und 4 Jahre später dann doch den Kehlkopfkrebs ihrer Oma ausgenutzt hätten und die von ihr rezitierte Groschenlyrik mit Tesa auf die in die Jahre gekommenen Tonspuren gepappt hätten. Super Band. Und so shocking. Glückwunsch zu diesem anspruchsfreien Unfall.

  3. anonymus sagt:

    Gelungener Nachfolger zur Farbenfinsternis, aber diesmal mit einem feinen Coverartwork ausgestattet, das den akkustischen Inhalt gelungen unterstützt. Die Kombination aus schönen Melodien und derben-bluttriefenden Texten hat nach wie vor ihren Reiz, was nicht nur der Einstieg in die Media Control Charts auf Platz 87 zeigt…

    8/10
  4. metalnails15 sagt:

    nicht schlecht

    8/10
  5. tru(h)e sagt:

    Doch. GRAUSAM SCHLECHT!

  6. derz sagt:

    Indiziert!!!!
    Scheiße!
    aber doch gut!

    7/10
  7. malevolentseb sagt:

    Jedes lied durchgehend genial… alleine shcon mein eichensarg ist klasse.
    die texte sind auch saugut durchdacht. der beste meiner meinung nach kreuznarbe.
    ich vertseh nicht wieso man es so schelcht bewertet. wenn einen das gekrächze stört darf man eben keinen solchen metal hören. von echtem blackmetal mal ganz zu schweigen.

    10/10