Eisregen - Leblos

Review

Soundcheck Juni 2020# 24 Galerie mit 18 Bildern: Eisregen - 15 Years New Evil Music Festival

Eigentlich sollte ja im Juni zum 25-jährigen EISREGEN-Jubiläum in Erfurt ein zünftiges Heimatfest steigen, fiel nun jedoch leider den allseits bekannten Umständen zum Opfer und wird im kommenden Jahr nachgeholt. Da es aber so ganz ohne Präsent auch ziemlich doof ist, beschenken EISREGEN sich und ihre Fans einfach mit der neuen Scheibe „Leblos“. Kollege Klaas hatte ja im Rahmen seiner heimischen Listening Session bereits so einige Details dazu verraten.

Auffällig ist auf jeden Fall, dass die Thüringer auf ihrem mittlerweile vierzehnten Studioalbum des Öfteren mal in balladesken bzw. ruhigeren Gefilden wandeln, so wie in „Ruhet sanft“ oder „1000 Jahre Nacht“. Das sind dann per se natürlich keine schlechten Songs, werden aber kaum den Weg auf die Bühne finden. Aber das ist bei dieser Band jetzt nicht so wichtig, die potentielle Live-Setlist ist da eh schon proppenvoll. Dennoch vermindern gerade diese Songs etwas die Hitdichte, die ist diesmal nicht ganz so hoch wie auf manch früherer Veröffentlichung.

Mit „Leblos“ wird das 25-jährige Jubiläum gefeiert

Das heißt aber natürlich absolut nicht, dass es diesmal keine Kracher gibt, denn die liefern EISREGEN ja zuverlässig in trauter Regelmäßigkeit ab. Da hätten wir vor allem den musikalisch schon ziemlich plakativen Titelsong. Geführt von der Violine ist „Leblos“ dermaßen eingängig, simpel und wie gemacht für die Bühne, dass es fast schon frech ist. Geht direkt ins Ohr, kommt auf den Punkt, Treffer.

Aber auch der „Erstschlag“ hat es in sich und lässt es nach dem eher etwas zähen Eröffnungsdoppel erstmals so richtig krachen. Hier schwirren die Gitarren angenehm klirrend in schwarzmetallischen Gefilden, das erinnert dann doch ganz dezent an alte Zeiten. Mit „Schlachtraum“ erzählen EISREGEN dann eine ihrer kleinen humorigen Geschichten, unterlegt von einem urtypischen Song. In „Atme Asche“ treffen die Blasts auf die erneut recht dominante Violine und kreieren damit eine gekonnte Symbiose. Und wenn „Mutter schneidet“, dann passen die brachial-romantischen Ergüsse des Herrn Roth mal wieder prima zum Kontrast zwischen Härte und Melodik. Die zeigt sich vor allem im Refrain mit seinen getragenen Passagen.

EISREGEN sind halt einfach EISREGEN

Doch ansonsten überwiegen auf „Leblos“ eher die Songs, die nicht gleich beim ersten oder zweiten Durchlauf vollends zünden. Einige Lieder brauchen erneut etwas Zeit, ähnlich wie auf „Fleischfilm“. Dennoch sind EISREGEN grundsätzlich natürlich sowohl in musikalischer als auch in lyrischer Hinsicht wie immer ziemlich vorhersehbar unterwegs. Das ist nichts Neues, das hat sich über alle die Jahre bestens bewährt, also warum sollte sich das auch ändern.

„Leblos“ ist ganz sicher nicht das beste EISREGEN-Album, sortiert sich aber nach mehreren Durchläufen dann doch im oberen Drittel der eigenen Diskografie ein, zumindest der neueren. Die Scheibe kommt etwas schwer in Schwung und benötigt ganz sicher die eine oder andere Rotation mehr als frühere Werke der Thüringer. Aber dann entpuppt sich auch „Leblos“ als eine echt unterhaltsame Angelegenheit mit dem einen oder anderen echten Highlight. Die Scheibe ist also mal wieder hundert Prozent EISREGEN pur, gehört allerdings nicht zu den absoluten Glanzleistungen der Band.

Zwischen brachial-romantisch und grenzdebil

Aber was EISREGEN dann auf der Bonus CD „Die Räudigen Rennsteigrebellen“ verbrechen, das spottet nun wirklich jeder Beschreibung. Jeder der vier Songs ist so unglaublich platt, das gibt es doch gar nicht. Vor allem „Deutsches Bierlied“, „Grünes Herz“ und „Wenn es draußen dunkel wird“ liegen irgendwo in der Schnittmenge zwischen „Anton aus Tirol“ und „Rennsteigleid“ und könnten problemlos auf jeder Dorfkirmes auch mit vier Promille lauthals intoniert werden. (Jaja, wir Thüringer verstehen es schon zu feiern…) Aber sind diese grenzwertigen Trinklieder deswegen schlecht? Nö, eigentlich nicht, denn genau das werden ganz sicher live die Songs sein, die ein müdes Publikum nochmals voll mobilisieren können. Lediglich „Zeit zu Saufen“ torkelt da etwas aus der Reihe, das ist eher die pure Sauf-Romantik, mit dem Text kann sich wohl jeder trinkfreudige Zeitgenosse irgendwie identifizieren. Dieser recht spartanische Track geht aber auch fast als „normaler“ EISREGEN-Song durch und hat schon ein gewisses debiles Hitpotential. Hoffentlich beschallen „Die Räudigen Rennsteigrebellen“ dann nächstes Jahr den Frühschoppen zum Heimatfest mit ihren bierseligen Weisen. Bis dahin sollte auch genug Zeit sein, um die anspruchsvollen Texte zu verinnerlichen und auswendig zu lernen.

Kopf auf, Maul auf, rein damit!

Für die EISREGEN-Hasser ist vor allem diese Bonus-CD Wasser auf sämtliche Mühlen, Hasskommentare und Verrisse bitte jetzt! Trotzdem machen diese grenzdebilen Ergüsse irgendwie richtig Laune. Spätestens bei diesem Zugaben-Block werden die Zweifler entgeistert die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ihr vernichtendes Urteil sprechen. Die Fans hingegen werden den Humor von EISREGEN in jeder Hinsicht garantiert kapieren. So hat letztendlich jeder was davon, prima.

Was für jede andere Kapelle Gültigkeit hat, gilt natürlich nach wie vor für EISREGEN ganz besonders. Man darf die Thüringer gerne so richtig Kacke finden, keine Frage. Man darf die Band aber auch durchaus mögen oder sogar lieben, inbrrrünstig und überrrschwänglich. Zwischen diesen beiden Polen gibt es eigentlich nichts, nur öde Leere, das hat sich auch mit „Leblos“ nicht geändert, warum auch. EISREGEN und die deutschen Metalfans, es ist und bleibt eine Hassliebe.

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10.06.2020

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