Fairyland - The Fall Of An Empire

Review

Es ist nicht zu fassen. Da gibt es in einem Jahr sage und schreibe drei Alben von und mit LUCA TURILLI, und ausgerechnet zur Zeit der Jahresrückblicke und Glühweinleichen hauen die mir völlig unbekannten Franzosen von FAIRYLAND die RHAPSODY-Platte raus, auf die Fans die ganze Zeit gewartet haben. Bei näherer Betrachtung stellt sich zwar raus, dass mit Gitarrist Anthony Parker (HEAVENLY) wenigstens ein bekannter Name in der Besetzung steckt, sieht man von Gastsängerin Elisa C. Martin (DARK MOOR) ab, aber im Endeffekt haben FAIRYLAND den Überraschungseffekt definitiv auf ihrer Seite. Allein, weil der Name schon zahlreiche negative Assoziationen weckt.

Doch zu Unrecht. Man nehme ein gutes Stück RHAPSODY von „Symphony Of Enchanted Lands“ bis „Power Of The Dragonflame“, einen nicht zu unterschätzenden Anteil SYMPHONY X, ein paar Zitate an die französischen Kollegen von HEAVENLY und ELVARON, mische alle Elemente zu einem möglichst eigenständigen dynamischen Brei zusammen, und man hat immer noch nicht die großartige Qualität dieser Platte ausgedrückt. Erkennt man nach einigen nötigen Durchläufen den komplexen und vielschichten Perfektionismus des Einstünders, gibt es absolut kein Halten mehr. Jeder Song ist ein in sich geschlossenes Meisterwerk, das dynamisch alle nur erdenklichen Soundelemente variiert, immer wieder für Überraschungen gut ist, und von neuen Ideen nur so überquillt. Dabei lässt sich die Art wie hier komponiert wurde, durchaus als ‚klassisch‘ bezeichnen. Zwar gibt es immer wieder griffige Hooks und Melodien die in erschreckend hoher Dichte aufzufinden sind, letztere werden aber oft nur von einem Instrument getragen und von den restlichen durch aufwühlendes High-Speed-Powerriffing konterkariert. Dass diese allgegenwärtigen Melodieüberlagerungen nicht unendlich kitschig, sondern verdammt anspruchsvoll klingen, liegt an einer wahnsinnig gekonnten Beherrschung der sonst oft vermissten Harmonielehre. Ein Riff ist nicht einfach nur ein Riff, sondern bildet ein komplex arrangiertes und herrlich atmosphärisches Akkordgeflecht, das immer wieder moduliert wird und den Breaks erst die richtige Durchschlagskraft gibt. Dazu gibt es jede Menge 3/4 Takte, ein dynamisches Drumming wie man es sonst nur von Thomas Stauch kennt, und umfangreiche Instrumentalparts, die auch zahlreiche Gitarre-Keyboard-Duelle nicht scheuen.

Doch auch der Albumaufbau zieht alle Register. Der Titelsong ist trotz vieler progressiver Elemente als Opener einfach nur verdammt ohrwurmig, die folgenden Nummern vertiefen den Stil und ziehen immer wieder neue Facetten auf die Bildfläche, und am Schluss gibt es mit „The Story Remains“ noch ein ordentliches Epos, das gegen Ende das Intro wieder aufgreift. Um jene Nummer aber nicht über alle anderen zu stellen, schließt (wie schon bei der letzten ELVARON) ein melancholisch-balladesker Song die Platte ab. Veredelt wird das ganze mit einer Produktion, die auch der nächsten Dragonland sehr gut stehen würde und ziemlich druckvoll daherkommt.

Der Überraschungseffekt dieser Platte ist enorm. Von außen mutet sie wie der übliche Power-Metal-Abwasch an, der nunmal binnen eines Jahres produziert wird, doch nach kurzer Eingewöhnungszeit ist „The Fall Of An Empire“ einfach nur Wahnsinn. Und das ist noch nicht alles: Zeitgleich zu dieser CD, wurde auch noch der Vorgänger „Of Wars In Osyrhia“ zum Budgetpreis re-released. Power-Metal-Fans wissen, was sie zu tun haben.

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03.12.2006

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1 Kommentar zu Fairyland - The Fall Of An Empire

  1. endamon sagt:

    Definitiv ein Highlight des Jahres und des Genres!

    Erinnert mich manchmal sehr an die Landsmänner Seyminhol (die aber nicht so symphonisch sind und Chor orientiert) und sehr stark an Thy Majesties Hastings 1066.

    9/10