Foo Fighters - Sonic Highways

Review

Wer es bis hierhin verpasst haben sollte: Alle acht Songs auf „Sonic Highways“, dem letzten Release der FOO FIGHTERS wurden in unterschiedlichen Studios, in unterschiedlichen amerikanischen Städten, mit lokalen Legenden amerikanischer Musik aufgenommen. Chicago, Washington, D.C, Nashville, Austin, Los Angeles, New Orleans, Seattle und New York City sollten eine „musical map of America“ liefern – ein cooles Konzept soweit.

Doch Dave Grohl wäre nicht Dave Grohl, wenn er es dabei belassen würde. Die FOO FIGHTERS machen keine Promo, die FOO FIGHTERS machen ihre eigene Serie. Unter Grohls Regie wurde jeder Studiotermin, gespickt mit Interviewfetzen, atmosphärischen Aufnahmen der jeweiligen Stadt und einer Menge Trivia abgefilmt und zu einer eigenen Episode einer folgerichtig acht Folgen umfassenden Serie gemacht. Das Ergebnis war zunächst bei HBO zu bestaunen, mit ein bisschen Verzögerung später auch bei Sky Select. Die gesamte Staffel kann man seit Ende April käuflich erwerben. Warum man das auch tun sollte, versuche ich im Folgenden zu erklären:

Anders als die geschätzte Kollegin hat mich „Sonic Highways“, das Album wohlgemerkt, ziemlich enttäuscht. Zwei gute Songs und sehr viel Mittelmaß, dem man die Liebe und Hingabe, die die Band ohne Zweifel mit der Musik verbinden, einfach nicht anhören wollte. So ist das Finale einer jeden Episode für mich auch immer gleichzeitig ihr Tiefpunkt gewesen: Am Ende jeder Folge performen die FOO FIGHTERS nämlich den jeweiligen Song der Stadt im auserwählten Studio. Zumindest sieht es so aus, der Track kommt natürlich vom Band. Dazu fliegen Textfetzen ins Bild, einzelne Phrasen durchziehen zuvor wie Leitmotive die Episode. Wen „Sonic Highways“ (das Album), ebenfalls nicht überzeugt hat, der schaltet dann halt bei Minute 55 ab. Bis dahin lohnt es sich aber.

Dave Grohl ist nämlich nicht nur ein sehr sympathischer Frontman und ein Workaholic allererster Güte, sondern scheinbar auch einer der am besten vernetzten Typen im Business. Dolly Parton, Dan Auerbach (BLACK KEYS), Pharrell Williams, Willie Nelson, Joan Jett, Josh Homme (QUEENS OF THE STONE AGE, KYUSS) – die Riege der Interviewpartner ist beeindruckend. Und nicht nur das, sie haben scheinbar auch wirklich Lust, etwas zu erzählen. So erhält man spannende Kurzfassungen und Anekdoten zu den wichtigsten musikalischen Töchtern und Söhnen der besuchten Städte – gespickt mit musikalischen Einspielern.

Kaum zu glauben, dass Pat Smear (FOO FIGHTERS-Gitarrist, der nette ergraute Mann mit dem kleinen Wohlstandsbauch) mal Gitarre bei einer der radikalsten, gestörtesten und vor allem ersten Hardcore-Punk-Bands überhaupt (THE GERMS) gespielt hat. Überhaupt ist jede der Episoden auch eine kleine musikalische Geschichtsstunde, der es aber immer auch gelingt, nebenbei ein recht ehrliches Bild des Stadtcharakters zu zeichnen. Music is life, life is music – ihr wisst schon. Und der Ort beeinflusst Leben und Musik gleichermaßen.

Nirgendwo wirkt diese Idee greifbarer als in der Episode zu New Orleans, dieser multikulturellen, gebeutelten, einzigartigen Stadt. Es ist einfach schön anzusehen, wenn Grohl und seine jazzigen Mitstreiter aus der Preservation Hall hinaus und durch das French Quarter ziehen und die Leute ihnen folgen. Ein bisschen verloren wirkt der FOO-FIGHTERS-Fronter da mit seiner kaum vernehmbaren Akustik-Gitarre, deren Klänge von Tuba, Trompete und Saxophon geschluckt werden – aber glücklich. An anderer Stelle verquatscht er sich in einer Bar und muss vom dauergrinsenden Textilfeind Taylor Hawkins (Drums) zu den Gesangsaufnahmen geholt werden.

Alle Episoden haben diese Szenen, die einen Musikliebhaber einfach schmunzeln lassen. Man mag von den FOO FIGHTERS halten was man will. Man darf auch Grohls Off-Kommentare manchmal etwas pathetisch finden. Aber man muss diese Serie genießen, wenn man den Rock von seinen Ursprüngen bis zu seinen heutigen Ausprägungen liebt. Natürlich sucht Dave Grohl das Rampenlicht, aber seine Leidenschaft und sein eigenes Fan-Sein sind keine Maskerade. Promo-Move? Zwanghafte Selbstverwirklichung? Alles egal! „Sonic Highways“ ist am Ende eine achtstündige Musikdokumentation mit Seele, großem Informationsgehalt, starken Bildern und einer ehrenwerten Mission: zu erinnern und zu bewahren. Kann man sich guten Gewissens ins Regal stellen.    

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