Katla - Allt Þetta Helvítis Myrkur

Review

Soundcheck November 2020# 18 Galerie mit 6 Bildern: Katla - Prophecy Fest 2019

Nachdem KATLA für ihr Debütalbum „Móðurástin“ und die dem vorausgegangene EP „Ferðalok“ vollkommen zurecht bei uns gehypt wurden, jagen sie nun den zweiten Langspieler „Allt Þetta Helvítis Myrkur“ hinterher. Zu Deutsch bedeutet der Titel so viel wie „All diese verdammte Dunkelheit“, und KATLA scheinen all die verdammte Dunkelheit aus ihrem Inneren in dieses Album gegossen zu haben. Der bisher dominierende Rock-Charakter ist zwar stellenweise erhalten geblieben, „Allt Þetta Helvítis Myrkur“ ist insgesamt aber eher ein Blackened-Doom-Album geworden, was die Single „Sálarsvefn“ treffend veranschaulicht.

„Allt Þetta Helvítis Myrkur“ hätte kaum treffender betitelt sein können

Ein dissonantes, langanhaltendes Grollen eröffnet „Allt Þetta Helvítis Myrkur“. Es wird sich schnell als stimmungsgebend für die Platte erweisen, denn die dadurch entstehende Doom-Atmosphäre hat den Hörer von da an fest im Griff. Der melancholisch Klargesang von Einar Thorberg Guðmundsson trägt den musikalisch eher unspektakulär verlaufenden Opener und transportiert das Gefühl von Verzweiflung, das dem ganzen Album anhaftet. Neben der Schwere des Gemüts überführen KATLA aber auch die Kälte und Rohheit ihrer isländischen Heimat in raue Klänge. Wer schon mal im Winter in Island geweilt hat, kennt neben der Dunkelheit, die schon im Albumtitel steckt, auch den erbarmungslosen Wind, der über schroffes Gestein hinwegfegt und sowohl an den körperlichen als auch an den seelischen Kräften zehrt.

KATLA geben ihren Stücken viel Raum

Dieser Wind findet sich im Titeltrack „Allt Þetta Helvítis Myrkur“ wieder, der – wie zu erwarten – wie kein anderer exemplarisch für das Album steht. In seinen knapp zwölf Minuten mäandert er zwischen ruhigen, gar andächtigen Stellen und schleppend schwerem Doom, der Bilder von einem schwarzen Land unter einem bleiernen Himmel heraufbeschwört. Noch ganze zwei Minuten länger ist der Rausschmeißer „Svartnætti“, der sich in seinem Verlauf als der stärkste Track des Albums herausstellt. Trügerisch fröhlich beginnt er im Vergleich, um sich schließlich zu einem melodisch mitreißendsten Stück zu entwickeln und – nach einer Tour de Force durch verschiedene Stimmungen – schließlich in einem dramatischen Finale mit Streichern und einem Chor kulminiert.

Klänge, die man fast körperlich fühlt

Eine kleine Pause von ‚all der verdammten Dunkelheit‘ bietet übrigens „Húsavíkur-Jón“, in dem die rockigen Wurzeln von KATLA widerhallen. Unbeschwert ist jedoch auch dieser Track nicht. Man muss Island nicht kennen, um die tiefe Düsternis und erdrückende Schwere dieses KATLA-Albums zu verstehen, doch wer Island kennt, wird die hier in Klänge gegossenen Emotionen umso besser nachvollziehen können. Mit „Allt Þetta Helvítis Myrkur“ lässt es sich hervorragend in der Melancholie suhlen, die KATLA hier so treffsicher vertont haben.

19.11.2020

headbanging herbivore with a camera

Der metal.de Serviervorschlag

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10 Kommentare zu Katla - Allt Þetta Helvítis Myrkur

  1. nili68 sagt:

    Boah ist das geil! Das Lied da oben bekommt auf alle Fälle 10 Punkte. Unglaubliche Atmosphäre. Genau mein Ding!

  2. royale sagt:

    haben katla, das ersehnte solstafir alben rausgebracht?

  3. motley_gue sagt:

    Wow, noch selten habe ich so glaubhaft vermittelte schlechte Laune vermittelt gehört.
    Ich kann mir gerade schwer vorstellen, bei welcher Gelegenheit ich so etwas in Albumlänge durchdrücke, außer live oder wenn ich mich alleine zu Hause betrinke. Aber bitte nicht falsch verstehen – ich finde das wirklich groß!

  4. royale sagt:

    ach das hat es gleich, du schaust in deinen Kühlschrank, dann etwas TV, dann kurz YouTube und holst dir einen Kontoauzug und auf dem weg zurück schaust du in die leeren Fratzen denen du begegnest, dann bist du bereit :D!

    Ne klaro versteh total was du meinst.

  5. nili68 sagt:

    Ja, sich dafür in die „richtige“ Stimmung zu versetzen, wenn man das erst muss, sollte kein Problem sein. 😀

  6. elLargo sagt:

    Das aus deinem Mund Nili,… wenn das Black Metal ist der dich bewegt, dann werde ich hellhörig 😎👍🏻

  7. Schraluk sagt:

    Auch wenn diese Aussage vermutlich kindisch ist und zudem auf einer ähnlichen Enttäuschung aufbaut, wie bei Metallica seit dem schwarzen Album, aber ‚Allt þetta helvítis myrkur‘ schlägt ‚Endless Twilight of Codependent Love‘ um Längen. Der Sound von Katla. entspricht in Teilen dem Sound, den Solstafir verlernten haben, oder auf den sie schlicht keinen Bock haben. Also. Gut, dass es Katla. gibt.

    Die rockige Attitüde des Vorgängers (wie bei ‚Hyldýpi’, oder ‚Nátthagi’) ging zwar unterwegs verloren. Und ein Teil der sprudelnden Ideenvielfalt auch. Und damit meiner Meinung nach auch ein Stückweit das Besondere dieser Band. ‚Allt þetta helvítis myrkur‘ ist deshalb aber nicht schlecht geworden.. Im Gegenteil. Die Magie des Debüts ist nur ein wenig verflogen, das Sounddesign und die Dichte lässt nicht mehr per se direkt auf die Katla. von gestern schließen. Macht ja aber nix. Die Beliebigkeit ist noch ein paar Kilometer und Abfahrten entfernt.
    Album ist toll. Eine Ode an die Dunkelheit und die Kälte. Und jeder der im Hochland Islands im dichten Schnee stand, das Beben unter den Füßen spürte und die Stille des Winters fühlte, der weiß warum diese Platte so klingt. Weiß warum Svartidauði, und Björk so klingen wie sie es tun.
    Sowohl die Aufmachung der CD, als auch der LP, die Covergestaltung und das ‚Art Book‘ unterstreichen die düstere, aber nie verzweifelte Stimmung dieser großartigen Scheibe. Der Musik, er ist gut!!!!!
    Und er wird vermutlich den heimischen Winter hindurch wachsen und gedeihen. Wer war noch mal Solstafir? Diese nölige und langweilige Band aus Reykjavik? Kenne ich gar nicht. Mehr.

    8/10
  8. doktor von pain sagt:

    Och, ich mag sowohl Katla als auch Sólstafir, vergleichen kann man beide spätestens jetzt eh nur noch bedingt miteinander. Das neue Katla-Album ist ganz schon sperrig und unzugänglich, aber nichtsdestotrotz ’ne feine Sache. Punktemäßig aus meiner Sicht gleichauf mit der neuen Sólstafir – aber die kann man ja, wie gesagt, eh nicht mehr so richtig miteinander vergleichen.

    8/10
  9. Master sagt:

    Mir persönlich ist es zu sperrig und unzugänglich und beim letzten Album mochte ich gerade diese locker leichten eingängigen Songs. Nun ist das alles sehr anstrengend, der Gesang immer ziemlich disharmonisch und quälend und die Musik wandelt immer zwischen Doom, Progressive und Heavy Metal hin und her und ist nichts halbes und nichts ganzes.
    Für mich ist das leider gar nichts. Im Grunde ist es auch eine komplett andere Band und ich finde es persönlich schade, aber da es ja vielen sehr zusagt, ist das ja auch ok.

    4/10
  10. Watutinki sagt:

    So richtig warm werde ich damit nicht. Klingt schon sehr originell, plätschert mir aber etwas dahin, gibt nur wenige Momente wo ich wirklich afhorche.
    Klingt wie ein grauer, nasser, November Regentag. Hat was, aber eigentlich möchte man trotzdem nur recht schnell von A nach B kommen. :))